Protest gegen Fracking geht weiter: "Skrupellose Er(d)pressung!"

Gemeinsam gegen Fracking (v. li.): Dr. Petra Bardenhagen, Wolfgang Nicolai (beide BI Salzhausen), Dr. Oliver Olsson (Leuphana Lüneburg) sowie Hartmut Horn, Wilfried Wildeboer und Jochen Richert (alle BI Rotenburg/Wümme)
 
Neue Recherchen zum Fracking-Unternehmen: Dr. Ingo Engelmann von der Buchholzer Bürgerinitiative "Kein Fracking in der Heide"
ce. Salzhausen. "Das Thema Fracking ist nicht vom Tisch! Der Umsetzung des Kreistagsbeschlusses steht noch das derzeit geltende Bergrecht entgegen." Das sagt Wolfgang Nicolai, Sprecher der Unabhängigen Bürgerinitiative (UBI) Salzhausen. Der Kreistag hatte kürzlich den Einsatz der umstrittenen Technologie zur Erdöl- und Erdgasförderung in der Region angelehnt (das WOCHENBLATT berichtete). Die Salzhäuser BI veranstaltete nun gemeinsam mit anderen Initiativen und Wissenschaftlern einen Infoabend, um auf die Gefahren des von vielen Gegnern als lebensfeindlich angesehenen Förderverfahrens hinzuweisen.
Beim Fracking wird bis zu 4.000 Meter tief ins Erdreich gebohrt, um Schiefergestein zu sprengen und so im Gestein gelagertes Gas freizusetzen. Auf für die Umwelt zum Teil schädliche Chemikalien, die bei den Bohrungen zum Einsatz kommen, wies Dr. Oliver Olsson vom Institut für nachhaltige Chemie und Ressourcen der Lüneburger Leuphana Universität hin. Laut Olsson sollen Biozide das Wachstum von Bakterien innerhalb des Bohrgebietes verhindern, Korrosionsschutzmittel bei Zugabe von Säuren zum Schutz der Bohranlage dienen sowie Schäume den Fließvorgang des verwendeten Bohrwassers beschleunigen. Als "großes Problem" sah Olsson die Entsorgung der Fracking-Abwasser, deren Auswirkungen "nicht hinreichend erforscht" seien. Aufgrund dieser und anderer noch offener Fragen seien Fracking-Vorhaben derzeit "nicht zu befürworten".
Für "Frack-loses Gasbohren im Landkreis Rotenburg/Wümme" setzt sich die gleichnamige BI ein, die auch nach Salzhausen kam. Die Initiative engagiert sich, seit den Einwohnern von Bötersen 2011 ein knapp 60 Meter hoher Bohrturm vor die Nase gesetzt wurde, mit dem auch gefrackt werden soll. BI-Gründer Hartmut Horn brannte in Salzhausen ebenfalls das Abwasser-Problem unter den Nägeln. Die Abwässer könnten nach den Förderungen in den freigewordenen Erdgas- und Öl-Lagerstätten verpresst werden. Bei einer allzu großen Abwasser-Anhäufung könnte es jedoch zu Gefährdungen des Grund- und Trinkwassers oder sogar zu Gasaustritten an der Erdoberfläche kommen. BI-Mitglied Jochen Richert prangerte vor diesem Hintergrund die "skrupellose Er(d)pressung der Kommunen durch Fracking betreibende Energiekonzerne" an.
Mit neuen Erkenntnissen bezüglich der Förderpläne für den Kreis Harburg wartete schließlich Ingo Engelmann, Sprecher der Buchholzer BI "Kein Fracking in der Heide", auf. Die BI fand heraus, dass das New Yorker Unternehmen "Blue Mountain Exploration LLC", das ursprünglich unter anderem im sogenannten "Feld Oldendorf" in den Kreisen Harburg und Lüneburg nach Erdgas und Öl suchen wollte (das WOCHENBLATT berichtete) inzwischen offenbar von der Firma "Kimmeridge Energy", die ebenfalls in New York ihren Stammsitz hat, aufgekauft wurde. Engelmann bat hierzu vor wenigen Tagen das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover, das "Blue Mountain" die Ressourcensuche gestattet hatte, schriftlich um eine Stellungnahme. Eine Antwort stand bei Redaktionsschluss noch aus.
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