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Rémon Biermann erlebte Bombennacht in Hamburg 1943: "Als wenn ein Vulkan ausbricht"

"So etwas Schreckliches darf nie wieder geschehen": Rémon Biermann mit dem "Brandbild", das sein Vater zur Erinnerung an die Zerstörung Hamburgs malte
 
Historische Aufnahme aus dem Sommer 1943: ein Blick durch die Hausruinen auf den Hamburger Michel (Foto: Foto: Bundesarchiv, Bild 183-16012-0002/Hugo Schmidt/CC-BY-SA 3.0)
ce. Vierhöfen. Rund 40.000 Tote, mehr als 120.000 Verletzte, über 270.000 zerstörte Wohnungen - diese Zahlen stehen für die "Operation Gomorrha", bei der im zweiten Weltkrieg etwa 2.700 britische und amerikanische Bomber die Stadt Hamburg in der Nacht zum 25. Juli dem Erdboden gleichmachten. Rémon Biermann (77) aus Vierhöfen (Kreis Harburg), wohnte damals mit seiner Familie in Hamburg und war als siebenjähriges Kind Augenzeuge des Angriffs der Alliierten, der eine Woche lang dauerte und sich jetzt zum 70. Mal jährt. "Ich habe heute noch Albträume, in denen die schrecklichen Bilder wiederkehren", sagt Biermann. Im WOCHENBLATT erinnert er sich an die schlimmsten Tage seines Lebens.
Durch die Straßen Hamburgs marschierende Soldaten und Kolonnen von Militärfahrzeugen sind im Sommer 1943 an der Tagesordnung. "Ansonsten hatten wir Kinder bis dahin nicht viel vom Krieg mitbekommen", erinnert sich Rémon Biermann an die Zeit, als er mit Vater Leopold, Mutter Ursula und seiner drei Jahre älteren Schwester Ella in Eimsbüttel lebte. Der Horror für die Familie beginnt am 25. Juli gegen 1 Uhr in der Nacht, als die ersten Bomben auf Hamburg fallen. "Wir wussten gar nicht, wie uns geschieht. Als die Bomben krachten und die Flak-Geschütze der Wehrmacht das Feuer erwiderten, war es ein Lärm, als wenn ein Vulkan ausbricht", so Biermann.
Seine Familie und die übrigen Hausbewohner suchen während der ersten, halbstündigen "Bombenwelle" Schutz in der Brotkammer einer im Parterre befindlichen Bäckerei. Von dort werden sie in einen riesigen Bunker auf dem Heiligengeistfeld geschickt, der für die Biermanns und rund 1.200 weitere Hamburger für viele Monate zum Zuhause wird. Leopold Biermann, ein studierter Maler und Bildhauer, arbeitet auch aufgrund seiner hervorragenden zeichnerischen Fähigkeiten in der Rüstungsindustrie auf der Werft Bohm und Voss. Die Wehrmacht schickt den gebürtigen Belgier nicht an die Front. "Sie hatten Angst, dass er im Zweifelsfall auf deutsche Soldaten schießen könnte, um seine eigenen Landsleute zu schützen", berichtet der Sohn. Als mahnendes Vermächtnis des Vaters hängt heute im Haus von Rémon Biermann das in Öl gemalte "Brandbild". Es zeigt das Eingangsportal der Hamburger Michaeliskirche, über dem der Erzengel Michael als steinerne Statue gegen den Teufel kämpft. Beide sind umgeben von der Feuersbrunst der brennenden Stadt.
In den Trümmern der zerbombten Gebäude spielen Rémon Biermann und seine Freunde als Kinder. In einem Keller finden sie ein verbranntes Baby. "Das war ein furchtbares Erlebnis. In dem dunklen Verließ bekam ich Panik. Seitdem leide ich bis heute unter Klaustrophobie", erzählt Biermann.
Gegen Ende des Krieges kehren die Biermanns in ihr stark beschädigtes, aber nicht zerstörtes Haus zurück und bauen sich dort eine neue Existenz auf. Überschattet wird der Neubeginn von der Trauer um Angehörige und Freunde, die dem Krieg zum Opfer gefallen sind.
"Aus Machtgier und Glaubensgründen richten Machthaber auf unserem Globus bis heute großes Unheil an", sagt Rémon Biermann. "Dabei sollten uns die schrecklichen Kriege doch gelehrt haben, nie wieder die Waffen gegeneinander zu erheben."
- Von seinen Erinnerungen an den Bombenangriff und das Leben im Luftschutzbunker erzählt Rémon Biermann auch am Sonntag, 28. Juli, um 19.30 Uhr im "Hamburg Journal" des Norddeutschen Fernsehens.