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Soziales Engagement nach 18 Jahren vor dem Aus? Um Umzug der "Salzhäuser Tafel" ist ein Streit entbrannt

Engagieren sich bei der "Salzhäuser Tafel": Leiterin Wera Oßwald (mit blauer Bluse) und einige ihrer Mitarbeiter
 
"Wir brauchen eine Rampe und einen Schlechtwetter-Schutz": "Tafel"-Mitarbeiterin Renate Luckmann
ce. Salzhausen. Seit 18 Jahren versorgt die "Salzhäuser Tafel" Bedürftige aus der Region mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs. Womöglich steht die ehrenamtliche Initiative nun vor dem Aus, da um den Ende September geplanten Umzug der "Tafel" ein Streit entbrannt ist zwischen deren Aktiven und der St. Johannis-Kirchengemeinde, die der Initiative bislang Räume im Gemeindehaus zur Verfügung stellt.
Derzeit suchen bis zu 70 Menschen regelmäßig das Gemeindehaus auf, um sich bei der "Tafel" zu versorgen. Deren räumliche Kapazitäten sind im Gemeindehaus nahezu erschöpft. Deshalb wandte sich der Kirchenvorstand an die Gemeindeverwaltung und bat sie um Unterstützung bei der Suche nach einer Alternativ-Unterkunft für die "Tafel". Die Gemeinde bot an, das die "Tafel" im von der Kommune gepachteten ehemaligen Schwesternwohnheim am ZOB mit einziehen könne. Der Kirchenvorstand sprach sich grundsätzlich dafür aus. Die Installation einer Rampe, laut "Tafel"-Leiterin Wera Oßwald (82) für die Warenanlieferung und die Rollstuhlfahrer unter den "Tafel"-Kunden notwendig, sagte Vorstandsvorsitzende Malene Schröder zu.
Inzwischen ist laut Oßwald von der versprochenen Rampe keine Rede mehr. Der Kirchenvorstand habe erklärt, stattdessen könnten Asylbewerber, die in den Unterkünften am ZOB leben, mit anpacken. "Das geht nicht, wir sind auf eine Rampe angewiesen", kontert die "Tafel"-Chefin
Um ihrem Unmut über den geplanten Umzug der "Salzhäuser Tafel" Luft zu machen, haben sich Leiterin Wera Oßwald und ihre Mitarbeiter in einem Brief an Kirchenvorstand und Gemeindeverwaltung gewandt. "Der zwingend notwendige barrierefreie Zugang für gehbehinderte Bedürftige ist in keiner Weise gewährleistet", heißt es in dem Schreiben. Zudem sei das Anliefern der Waren am neuen "Tafel"-Standort über die fünfstufige steile Treppe für die zum Teil schon älteren freiwilligen Helfer "nicht zumutbar". "Hinzu kommt, dass es für alle, die auf die Ausgabe ihrer Waren warten, kein Vordach oder einen Flur gibt, um sich bei Regen unterzustellen", beklagt Mitarbeiterin Renate Luckmann (63). Für Wera Oßwald steht fest: "Wenn wir keine Rampe oder eine entsprechende Installation als Erleichterung für unsere Arbeit bekommen, machen wir den Umzug nicht mit. Entweder können wir dann im Gemeindehaus bleiben oder wir geben die 'Tafel' womöglich ganz auf."
"Auf die Forderung nach einer Rampe hatte ich mich zunächst eingelassen. Um Kosten zu sparen, hätte ich sie eigenhändig gebaut", erklärt Kirchenvorstands-Vorsitzende Malene Schröder gegenüber dem WOCHENBLATT. Eine Prüfung aller Fakten habe aber ergeben, dass eine Rampe am anberaumten Standort am früheren Schwesternwohnheim keinen Sinn mache. Sie müsste die erforderlichen Richtlinien für öffentliche Gebäude erfüllen und daher inklusive dreier Zwischenpodeste über 25 Meter lang sein.
Als Alternativlösung habe die Kirchengemeinde der "Tafel" die Unterstützung durch ein oder zwei Flüchtlinge vorgeschlagen, die die Kirche über das Beschäftigungsprogramm des Landkreises Harburg einstellen würde. "Die Flüchtlinge könnten nicht nur die Ware aus den anliefernden Autos in das neue 'Tafel'-Gebäude bringen, sondern die Mitarbeiter sogar in die Geschäfte begleiten und beim Beladen der Fahrzeuge helfen", so Malene Schröder. "Die 'Tafel' arbeitet dann nicht nur für Bedürftige, sondern auch mit ihnen."
Was die wenigen schwerbehinderten Kunden betrifft, so bekam Malene Schröder nach eigenen Angaben die Zusage einer "Tafel"-Mitarbeiterin, den mit Rollstühlen oder Rollatoren vor dem neuen Domizil wartenden Kunden die Waren hinauszubringen. Die Einrichtung der von der "Tafel" geforderten Warteräume für schlechtes Wetter sei Teil der Planungen, die gerade erst konkret begonnen hätten. "Deshalb ist mir die diesbezügliche Reaktion der Tafelmitarbeiter sehr unverständlich", erklärt Malene Schröder.
Gemeindedirektor Wolfgang Krause könnte sich die Unterstützung der "Tafel" durch Flüchtlinge gut vorstellen. "Die Gemeinde ist aber grundsätzlich auch bereit, die Möglichkeit der Installation einer Rampe zu prüfen", so Krause. Er räumt jedoch ebenfalls ein: "Ob es tatsächlich zu realisieren ist, hängt von den Bauvorschriften und Kosten ab."