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Weniger Geld für Lebensmittel: Über den "Handel im Wandel" und das Verschwinden der "Tante-Emma-Läden"

Beim Vortrag: Von den alten Berufen, die Hans Dieter Müller vorstellte, ist "Höker" noch am geläufigsten
ce. Salzhausen. "Handel im Wandel" lautete das Thema eines Vortrages, den Hans Dieter Müller jetzt vor dem Verkehrs- und Kulturverein Salzhausen hielt. Müller war lange Jahre Vorsitzender des Verkehrsvereins seines Heimatortes Garstedt und ist Archivar der Samtgemeinde Salzhausen. In seinem Vortrag ging er auch der Frage nach, warum die von den 50er bis in die 70er Jahre vielerorts bestehenden "Tante-Emma-Läden" heute nahezu aus den Dörfern verschwunden sind.
Im ländlichen Raum im Landkreis Harburg fand laut Müller die Versorgung für den täglichen Bedarf noch vor einigen Jahrzehnten im "Hökerladen" ("Höker" ist plattdeutsch für "kleiner Händler") statt. In den kleinen dörflichen Geschäften, auch "Tante-Emma-Läden" genannt, gab es Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs. Alles anderen Waren kauften die Dorfbewohner von fahren Händlern, die in die Orte kamen, oder bei eigenen Touren nach Winsen, Lüneburg und Hamburg.
"Etwa ab Mitte der 70er Jahre wandelte sich die Einkaufsmentalität aus verschiedensten Gründen", so Hans Dieter Müller. Als eine Ursache nannte er die wachsende Ansiedlung von Discountern, Hofläden und Fast-Food-Ketten, wo es alles gibt, was täglich gebraucht wird. Zudem deckten Factory-Outlet-Center und das Internet einen großen Teil des Kundenbedarfs ab. "Etwa 30 Prozent des Handels läuft heute online ab", gab Müller zu bedenken.
Darüber hinaus werde immer weniger Geld für Grundnahrungsmittel ausgegeben. Müller verwies auf Angaben des Statistischen Bundesamtes, wonach der Anteil der Ausgaben von Privathaushalten für Nahrungsmittel an Konsumausgaben von 38 Prozent im Jahr 1960 auf nur 15,2 Prozent in 2013 sank. "Wenn weniger gekauft wird, muss man mehr umsetzen. Das ist in kleinen Läden aber nur bedingt möglich", gab Müller zu bedenken. Auch die Tatsache, dass die Zahl der Ein-Personen-Haushalte, in denen keine großen Einkäufe erforderlich sind, stetig zunehme, mache den Ladenbetreibern das Leben schwer. Hinzu komme der demografische Wandel inklusive Geburtenrückgang und Alterungsprozess in der Gesellschaft.
Als gutes Zeichen für eine Rückbesinnung auf das Ladengeschäft sah Hans Dieter Müller eine kürzlich erschienene eBay-Studie, wonach für 77 Prozent von 1.000 befragten Personen die Läden eine wichtige Rolle spielen. Die Mehrheit der Befragten erklärte, dass sie diese Geschäfte künftig nutzen und sich vom Angebot inspirieren lassen wolle. Ladengeschäfte der Zukunft - so der Tenor - würden vor allem als Showrooms funktionieren, um Waren erlebbar zu machen.