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Mehr Einbrüche als jemals zuvor: Polizeiinspektion Harburg präsentiert Kriminalstatistik

Präsentierten die PKS: Frank Freienberg (li.) und Uwe Lehne
kb. Landkreis. Jetzt ist es amtlich: Wohnungseinbruch hat Hochkonjunktur im Landkreis Harburg. 1.146 Fälle wurden im vergangenen Jahr erfasst. "Das ist die höchste Zahl, die wir je hatten", so Uwe Lehne, Leiter der Polizeiinspektion Harburg, jetzt im Rahmen der Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik 2015 (PKS). In der PKS selbst tauchen von diesen Delikten zwar lediglich 966 auf, weil nur abgeschlossene Fälle in der Statistik erfasst werden, aber auch diese Zahl stellt eine deutliche Steigerung um knapp 33 Prozent zum Vorjahr (727 Taten) dar. Bei gut 38 Prozent der Taten bleibt es bei einem Versuch.
Zwar ist bei den Wohnungseinbrüchen im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg ein genereller Anstieg zu verzeichnen, den Landkreis Harburg suchen die Täter aber besonders gerne auf. Schuld daran ist u.a. die gute Infrastruktur. "Die meisten der Täter wohnen nicht hier, sie kommen über die Autobahn oder mit dem Zug, begehen die Straftaten und sind auch schnell wieder weg", erklärte Frank Freienberg, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes.
Gerade dieser Umstand mache die Ermittlungen häufig sehr schwierig. Die Aufklärungsquote lag im vergangenen Jahr bei knapp 23 Prozent - ein im Vergleich eher niedriger Wert. "Uns reicht das nicht, wir wollen besser werden", so Freienberg dazu. "Wir wissen wie sehr es die Bevölkerung belastet, wenn in den intimsten Bereich eingegriffen wird."

Bandenstrukturen aufdecken

Nicht nur die Zahl der Wohnungseinbrüche im Landkreis Harburg ist im vergangenen Jahr gestiegen, auch generell wurden mehr Straftaten begangen. Insgesamt erfasst die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2015 14.639 Delikte, das sind 1.107 Straftaten mehr als im Vorjahr. Das sei jedoch nicht besorgniserregend, so Uwe Lehne, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Harburg. Rechne man die Anzahl der Straftaten auf die Bevölkerungsdichte um, so ergebe sich ein Wert von 5.940 Delikten pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In ganz Niedersachsen liegt die Häufigkeitsziffer bei 7.263, in Hamburg lag der Wert in 2014 sogar bei 13.743. "Das zeigt, dass die Menschen im Landkreis Harburg sicher leben. Und sich auch sicher fühlen können", sagt Uwe Lehne.
Die Aufklärungsquote der PI Harburg liegt insgesamt bei etwas über 58 Prozent, schwankt zwischen den einzelnen Deliktgruppen aber erheblich. "Beim Ladendiebstahl oder bei Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden die Täter immer gleich mitgeliefert, beim Wohnungseinbruch ist es hingegen sehr schwer, überhaupt einen Täter zu ermitteln", erläutert Frank Freienberg, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Dabei arbeite die PI Harburg gerade in diesem Bereich mit Hochdruck und in speziellen Ermittlungsgruppen. "Uns geht es vor allem auch darum, Serien und Bandenstrukturen zu erkennen, um die Täter möglichst lange hinter Gitter zu bringen", so Freienberg.
Den Ruf vieler Bürger nach mehr Polizeipräsenz auf den Straßen können die Beamten nachvollziehen, sinnvoll sei dies aber nur bedingt. "Wenn wir mit den Streifenwagen unterwegs sind und an einem Wohnhaus vorbeifahren, an dem ein Einbrecher lauert, duckt er sich kurz weg und bricht dann einfach zwei Minuten später ein", so Freienberg. Die Anzahl der Polizisten sei begrenzt und die Hintergrundermittlungen gerade bei bandenmäßig organisierten Einbruchsserien seien sehr wichtig, aber auch sehr aufwändig.
Viele der Täter stammen laut Polizei aus Süd-Ost- und Ost-Europa, aus dem Kosovo und vom Balkan, aus Georgien, Serbien und Albanien. Etwa die Hälfte der Einbrüche finde am Tag statt, sagt Freienberg. Abgesehen hätten die Täter es vor allem auf Schmuck, Bargeld und Klein-Elektronik. "Im Prinzip alles, was sich leicht abtransportieren lässt", so der Experte.
Um den Tätern das Leben zu erschweren, setzt die PI u.a. auf Prävention. In diesem Jahr hat die Polizeidirektion Lüneburg außerdem einen Schwerpunkt auf den Bereich des Wohnungseinbruchs gelegt und arbeitet an Wegen und Möglichkeiten, die Aufklärung der Taten zu verbessern, aber auch Straftaten zu verhindern. Ein Mehr an Einsatzkräften bedeute das aber nicht zwangsläufig. "Es könnte sein, dass das Personal in diesem Bereich temporär aufgestockt wird, aber man darf nicht vergessen, dass diese Leute dann an anderer Stelle fehlen", so Uwe Lehne. Das Ziel sei klar definiert: "Die Täter sollen die Lust verlieren, in den Landkreis zu kommen."

Flüchtlinge und Kriminalität

Seit Anfang November 2015 werden Straftaten in Zusammenhang mit Flüchtlingen statistisch gesondert erfasst. Dabei zeigt sich bisher, dass die begangenen Straftaten im Bereich der Rohheitsdelikte wie Körperverletzung von den Flüchtlingen hauptsächlich untereinander begangen werden. Auffällig sei die im Vergleich hohe Zahl der Ladendiebstähle. "Hier machen uns allerdings wenige Personen viele Probleme", so Uwe Lehne. Der Großteil der Flüchtlinge sei völlig unauffällig. "Wir brauchen in diesen Fällen die Justiz, um den Tätern Konsequenzen aufzuzeigen", fordert Lehne. Ein weiteres Problem seien Kriminelle u.a. aus Gegorgien, die gezielt innerhalb der Flüchtlingsströme anreisen, aber zu organisierten Banden gehören. "Wir erkennen das u.a. anhand der Art und Menge des Stehlguts", so Frank Freienberg. Tatorte seien vor allem Supermärkte und Discounter, die gestohlene Ware wird häufig gesammelt und ins Ausland transportiert.