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Abfall-Deponie mit grüner Zukunft: Hinter den Kulissen bei Dörner

Tilmann Quensell vor den typischen Dörner-Lkw. Etwa 55 davon sind vor Ort in Hittfeld stationiert
 
Mit schweren Fahrzeugen sind die Arbeiter auf der Deponie unterwegs
kb. Seevetal. Eine Million Quadratmeter mitten zwischen Autobahn, Bahnstrecke, kleinen Orten und Natur: Das Areal des Kieswerks samt Deponie von Otto Dörner bei Hittfeld ist riesig und doch sieht man von außen kaum etwas. Das einzige was auffällt, sind die vielen Lkw, die unermüdlich die Kies­trasse ansteuern, die zum Deponie-Gelände führt. Ausnahmsweise fahre auch ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Katja Bendig, heute mal die Trasse entlang, die eigentlich nur für den Werksverkehr zugelassen ist, reihe mich zwischen zwei Laster ein und bin gespannt. Tilmann Quensell, Mitglied der Geschäftsführung bei Dörner, wird mir heute das Areal zeigen, auf dem nicht nur Kies abgebaut, sondern auch Baustoffe wie Boden, Steine, Baustoffe auf Gipsbasis und Ziegel, Kompost und diverse Abfallarten eingelagert werden.
Tilmann Quensell empfängt mich an einer spartanisch wirkenden Containeranlage - hier sind Büros untergebracht. Feste Gebäude zu errichten lohnt nicht - die Deponie ist ein Betriebsgelände auf Zeit. „Spätestens 2040 wird hier Schluss sein, dann wird alles renaturiert“, erklärt Quensell. Angesichts der Ausmaße des Areals kann ich mir kaum vorstellen, dass hier irgendwann nichts mehr von den Industrienalagen, Schutthaufen und Kiesbergen zu sehen sein wird.
Das Gelände von Dörner teilt sich in zwei wesentliche Bestandteile: Auf der einen Seite wird Kies abgebaut, auf der anderen Seite Abfälle u.a. aus industriell oder gewerblicher Vornutzung eingelagert - das können z.B. Reste von Abbrucharbeiten an Straßen und Gebäuden sein. Unscheinbar wirkende Haufen aus Erde, Steinen und Baustoffen liegen in einer riesigen Mulde. Schilder an jedem Haufen weisen den Herkunftsort aus. Denn die Deponie wird streng überwacht. „Hier kommt kein Abfall rein, der nicht vorher von den Unternehmen angemeldet wurde“, so Quensell. In Hittfeld dürfen nur mäßig belastete Abfälle gelagert werden. Bevor ein Lkw z.B. Reste aus einem Straßenabbruch in Hamburg abkippt, wird noch einmal kontrolliert. Wenn etwas auffällt, wird nachbeprobt. Wie neulich. „Da haben wir einen seltsamen Geruch festgestellt und bei der Kontrolle im Labor stellte sich heraus, dass der Abfall für eine Deponie der Kategorie I zu hoch belastet war. In einem solchen Fall muss der Abfall in eine Deponie der nächst höheren Klasse umgelagert werden“, erzählt Quensell.
Kontrolle wird groß geschrieben auf der Deponie. „Im Grunde wird alles untersucht“, sagt Tilmann Quensell. Die Drainage-Leitungen werden jedes Jahr mit Kameras durchleuchtet, es findet ein Grundwasser-Monitoring statt, jährlich muss ein Bericht über die Deponie verfasst werden, Fremdlabore überprüfen die Abfälle auf Giftstoffe.
Das Verständnis in der Bevölkerung gegenüber der Notwendigkeit von Mülldeponien sei gestiegen, so Quensell. „Als das Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft getreten ist, hieß es, dass es bis 2020 keine Deponien mehr gibt. Inzwischen ist allen klar, dass das völlig unrealistisch war, tatsächlich fehlen sogar Deponien.“ Bei bestimmten Schadstoffe ginge es einfach darum, sie aus dem Kreislauf zu nehmen. Unter der Deponie in Hittfeld liegt eine dicke Tonschicht, die kein Wasser durchlässt. „Irgendwann wird die Deponie wasserdicht versiegelt und begrünt“, erklärt Quensell. Weil dort keine organischen Abfälle eingelagert werden, sei das Verfahren im Vergleich eher unkompliziert. Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, dass all die Erdhaufen und der Bauschutt unter grüner Natur verschwinden, aber einige Teile des Geländes wurden bereits rekultiviert. Und tatsächlich: Man ahnt nichts von der früheren Nutzung.
Weiter geht es in die riesige „Sandkiste“ zum Kiesabbau. Woher man überhaupt weiß, wo Kies unter der Erde schlummert, worauf es beim Abbau ankommt und wo all der Kies bleibt, lesen Sie in Kürze im zweiten Teil der Dörner-Reportage.
Katja Bendig