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Decatur-Brücke: Gericht weist Antrag der Deutschen Bahn gegen Vollsperrung ab

In eineinhalb Wochen soll die Vollsperrung der Decatur-Brücke inkrafttreten. Die letzte Entscheidung darüber liegt beim Gemeinderat
kb. Seevetal. Weil der Rat der Gemeinde Seevetal noch nicht abschließend über die Vollsperrung der Decatur-Brücke zum 1. Oktober entschieden hat, hat das Verwaltungsgericht Lüneburg jetzt Anträge der Bahn auf vorläufigen Rechtsschutz als unzulässig abgelehnt. Die Bahn wollte die Sperrung der Brücke für jedweden Verkehr verhindern, um weiterhin ungehinderten Zugang zum Betriebsgelände von DB Schenker zu haben. Das Gericht sah jedoch keinen Anlass zur Eile. Es sei zumutbar, die Entscheidung der Gemeinde abzuwarten, heißt es seitens des Gerichts. "Für uns steht weiterhin die Frage der Sicherungspflicht im Vordergrund. Insofern fühlen wird uns in unserem Handeln durch den Gerichtsbeschluss bestätigt", sagte Bürgermeisterin Martina Oertzen zu der Entscheidung.
Für einige Bürger dürfte der Antrag der Bahn gegen die Vollsperrung durchaus eine Art Hoffnungsschimmer gewesen sein. Mit der Maßnahme wird nicht nur der Maschener Bahnhof, sondern auch der kleine Ort Hörsten von Maschen, das auf der anderen Seite des Rangierbahnhofs liegt, abgeschnitten. Nur über große Umwege wird man künftig von Hörsten nach Maschen und umgekehrt fahren können. Die Vollsperrung trifft in weiten Teilen der Seevetaler Bevölkerung auf Unverständnis, das zeigt auch ein WOCHENBLATT-Leseraufruf, in dem um die Meinung der Seevetaler gebeten wurde:
Rainer Appelhoff aus Maschen kritisiert: "Das Thema ist mindestens seit einem halben Jahr bekannt, aber es gibt keine Lösungsansätze. Die Brücke wird gesperrt, ich vermute, um die Bahn zu erpressen. Warum gibt es keine Alternativen für eine neue Brücke, vielleicht an einer anderen Stelle? Es gibt auch die Möglichkeit der Ertüchtigung. Warum gibt es hier keine Kostenschätzung? Man kann den Lkw-Verkehr konsequent herausnehmen, dafür gibt es Beispiele. Und für mich ganz wichtig: Warum wird die Brücke zum 1. Oktober gesperrt und nicht eher, wenn dann eine Gefahr besteht?"
Frank Wrobinski aus Maschen hält die Sperrung der Brücke für unnötig: "Ich war auf der Infoveranstaltung im Schützenhaus. Mein Fazit ist, dass die Sperrung absolut nicht notwendig ist und lediglich auf einer völlig überzogenen Nachrechnungsrichtlinie des Bundes beruht, die offensichtlich an der Praxis vorbei geht. Von daher sehe ich beim Bund die Hauptverantwortung. Bis ein Ersatz geschaffen wird, ist die Brücke daher offen zu halten. Auch geht die Gemeinde völlig unvorbereitet in die fragwürdige Sperrung. Wohl wissend, dass der Parkraum an den alternativen Bahnhöfen nicht ausreichend ist, wurden die Kapazitäten vor allem in Meckelfeld nicht entsprechend erweitert."
Ral Krumm aus Maschen-Horst schreibt: "Spätestens nach der Info-Veranstaltung in Maschen habe ich den Glauben verloren, dass die Kommunalpolitiker in der Sache etwas bewegen können. Die regierenden Parteien in Seevetal hatten durchaus Zeit, sich dieser Ausnahmesituation früh genug zustellen und Pläne zu erarbeiten, und den Betroffenen (Schüler, Pendler, Hörstener Anwohner und alle übrigen Bahnnutzer) eine für eine geraume Zeit mitzutragende Alternativlösung vorzustellen."
Helmut Schmidt aus Hörsten hegt starke Zweifel an der Notwendigkeit eines Abrisses der Decatur-Brücke: "Es ist für einen Planungsablauf unverständlich, wenn kein Auftrag für Lösungswege (z.B. auch Ertüchtigungsmaßnahmen mit Lasteinschränkungen oder Ersatzbauten) erteilt wird, aber dem Eigentümer der Brücke den Abriss 'empfohlen wird'. Meines Erachtens handelt es sich hierbei um eine unprofessionelle, wenn nicht sogar wirtschaftlich fahrlässige Abarbeitung der Problematik und bedarf dringend einer Korrektur im weiteren Planungsvorgehen mit kompetenten Partnern."
Auf politischer Ebene beschäftigt sich als nächstes der Gemeinderat auf seiner Sitzung am Donnerstag, 29. September, um 18.30 Uhr in der Burg Seevetal wieder mit dem Thema Decatur-Brücke. Auf der Tagesordnung steht der Beschluss zur Vollsperrung der Brücke, die Planung des Abrisses und die Alternativenprüfung. Außerdem wird über einen Antrag aus dem Ortsrat Maschen, Horst, Hörsten entschieden. Der Gemeinderat soll die Stufen drei und vier der Brücken-Nachrechnung beauftragen. Hierbei werden nicht mehr nur theoretische Lastenmodelle angewandt, sondern am Bauwerk ermittelte Messergebnisse in der weiteren Nachweisführung berücksichtigt.