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Ein Blick hinter die Kulissen: Deutschkursus für Flüchtlinge zu Gast beim WOCHENBLATT

Katja Bendig zeigt den Besuchern die "Gasse", in der die Seiten ein letztes Mal kontrolliert werden
kb. Buchholz. Wie gibt man eine Kleinanzeige auf? Welche Themen sind für die Zeitung interessant? Brauche ich richtige Beweise, wenn ich in der Redaktion anrufe und über ein Erlebnis berichte? Es waren viele ganz praktische Fragen, die die Teilnehmer des Kurses für berufsbezogene Deutschförderung jetzt bei ihrem Besuch im WOCHENBLATT-Verlag in Buchholz stellten.
Die elf Flüchtlinge, die u.a. aus dem Iran, Afghanistan und Pakistan stammen und in Buchholz, Seevetal und Rosengarten untergebracht sind, nehmen seit neun Monaten an dem Deutschkurs in Buchholz teil und besuchen in diesem Rahmen auch lokale Unternehmen, um einen direkten Einblick in den deutschen Arbeitsmarkt zu bekommen. Vom Kursleiter Markus Roßband, pädagogischer Mitarbeiter beim Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW), werden sie auch immer wieder ermutigt, deutsche Zeitungen zu lesen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. "Das WOCHENBLATT als kostenloses Medium spielt dabei eine wichtige Rolle", so Roßband.
"Ich hatte gedacht, dass es hier noch Schreibmaschinen gibt", sagte einer der Flüchtlinge beim Rundgang durch die Abteilungen, auf dem Redakteurin Katja Bendig die einzelnen Arbeitsabläufe erklärte. Neben Fragen zum Aufbau der Zeitung, zum Lektorat oder der Technik ging es dabei auch um ganz Grundsätzliches: Ein Teilnehmer, der aus dem Irak stammt, machte deutlich, wie froh die Deutschen sein können, dass es unabhängige Medien gibt. "In meiner Heimat werden die meisten Zeitungen kontrolliert", so der Flüchtling.
Spannend war für die Besucher auch der Blick in das WOCHENBLATT-Archiv. Hier fielen wieder ganz alltagsnahe Dinge ins Auge: Supermarktanzeigen aus den 70er Jahren mit Preisen in DM. "Gibt es die Produkte alle noch? Was kosten sie heute?", waren zwei von vielen Fragen.
• Der Sprachkurs "Berufsbezogene Deutschförderung für Migranten" wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und dem Europäischen Sozialfond (ESF) finanziert und dauert neun Monate. Der Unterricht findet täglich statt, Teil der Kurses ist auch ein vierwöchiges Praktikum, bei dem die Teilnehmer berufliche Erfahrungen sammeln können. Für viele Flüchtlinge sei dieser Kursus die erste Möglichkeit, Deutsch zu lernen, erklärt BNW-Standortleiterin Tanja Marquardt. Sie hätten keinen Anspruch auf die Teilnahme an Integrationskursen, es sei denn sie finanzieren diese selber. "Aber dazu fehlt das Geld", so Marquardt. Die Erfolge des Projektes seien messbar, viele Teilnehmer würden anschließend eine Arbeitsstelle finden. Umso unverständlicher, dass die Gelder für neue Kurse in 2014 kürzlich gestrichen wurden, lediglich laufende Projekte könnten noch zu Ende gebracht werden. "Wir hoffen sehr, dass sich da noch etwas ändert", sagt Tanja Marquardt.