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Gegenwind für Einbahnstraße: Gewerbetreibende wollen "Verkehrs-Experiment" in der Kirchstraße nicht

Knapp 5.000 Fahrzeuge sind am Tag auf der Kirchstraße in Hittfeld unterwegs
kb. Hittfeld. Doch keine gute Idee? Im Mai hatte sich der Ortsrat Hittfeld nach langen Diskussionen einstimmig dafür ausgesprochen, nach Fertigstellung der Westumfahrung in der Hittfelder Kirchstraße probeweise eine Einbahnstraße einzurichten. Ziel war es, herauszufinden, wie sich die Regelung auf die Verkehrssituation in der vielbefahrenen, aber ziemlich unübersichtlichen Straße durch Hittfelds Ortsmitte auswirkt. Die Aufenthaltsqualität in der Straße für Radfahrer und Fußgänger sollte verbessert werden. Jetzt wenden sich die Anlieger der Kirchstraße mit einer Unterschriftenliste gegen das Experiment. Auch beim Gewerbeverein Hittfeld stößt die Idee auf wenig Gegenliebe. "Uns erschließen sich die Gründe für eine Einbahnstraße nicht", so Matthias Graf, 2. Vorsitzender des Gewerbevereins.
Eine überraschende Wendung, denn im Mai schien es, als seien alle Beteiligten mit der vorübergehenden Einbahnstraßenregelung einverstanden. Der Entscheidung im Ortsrat vorausgegangen waren mehrere Gespräche im zuständigen Arbeitskreis, bei denen auch Vertreter von Grundeigentümern und Geschäftsinhabern an der Kirchstraße dabei waren. "Bei der jetzigen Versuchslösung ziehen alle an einem Strang", sagte Heiner Steeneck (SPD), Sprecher des Arbeitskreises, damals.
Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. "Die Geschäftsinhaber an der Kirchstraße sind zufrieden, es gibt keine Notwendigkeit, etwas an der Verkehrsführung zu ändern", sagt Matthias Graf. "Wenn sich das Bild derart geschlossen zeigt, dann sollte das berücksichtigt werden." Die Kirchstraße sei eine funktionierende und wichtige Verkehrsader. "Die Anlieger befürchten einen Umsatzeinbruch, wenn die Einbahnstraße kommt", so Graf.
Ortsbürgermeister Norbert Fraederich und die CDU-FDP-Ortsratsfraktion sind vom plötzlichen Votum gegen den Versuch "irritiert". "Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das nur machen, wenn die Betroffenen dafür sind, genau deshalb haben wir uns ja mehrfach mit Vertretern aus den Reihen der Geschäftsinhaber und Grundeigentümer im Arbeitskreis zusammengesetzt", so Fraederich. In dieser Runde seien die Pläne vorgestellt und verschiedene Optionen diskutiert worden. "Gegen den im Mai verabschiedeten Vorschlag gab es zu dieser Zeit keinerlei Widerspruch", sagt Fraederich.
Wie geht es jetzt weiter? Das Thema "Kirchstraße" steht auf der Ortsratssitzung am Dienstag, 8. September, um 19 Uhr erneut auf der Tagesordnung. Laut einer Verkehrszählung von Mitte Juli sind pro Tag knapp 5.000 Fahrzeuge auf der Kirchstraße unterwegs, im Zeitraum zwischen 8 und 19 Uhr sind es rund 300 Fahrzeuge pro Stunde. "Wir wollen jetzt zunächst abwarten, wie sich die Westumfahrung auf den Verkehr in der Ortsmitte auswirkt und dann noch einmal zählen", sagt Fraederich. Mit belastbaren Zahlen werde man das Thema dann erneut aufnehmen.

Kommentar:


Chance nicht verpassen

Ich finde die Idee der "Einbahnstraße auf Probe" gut. Die Kirchstraße ist eine vielbefahrene Straße, für Fußgänger und Radfahrer allerdings nicht besonders attraktiv. Dass sich die Gewerbetreiben von einer Fußgängerzone vor ihrer Ladentür nicht überzeugen lassen - obwohl laut Verkehrsexperte Prof. Peter Pez von der Leuphana Universität in Lüneburg durchaus einiges dafür spricht - kann ich noch verstehen. Aber die einmalige Chance, durch ein zeitlich befristetes Provisorium herauszufinden, ob sich eine Einbahnstraßenregelung positiv auf die Verkehrsbelastung auswirkt, sollte nicht verpasst werden. Vielleicht steigt die Aufenthaltsqualität in der Kirchstraße und es kommen mehr statt weniger Kunden. Das findet man jedoch nur heraus, wenn man das Experiment wagt.
Katja Bendig