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Güterumgehungsbahn: Lärmschutz für Maschen kommt

Durch die neue Lärmschutzwand (gelb) reduziert sich der Bahnlärm für das gesamte dahinter liegende Wohngebiet (Foto: Google Maps/MSR)
kb. Seevetal. Gute Nachrichten von der Deutschen Bahn hörte man zuletzt selten in Seevetal. Eine erfreuliche Ausnahme gab es jetzt auf der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Gemeinde Seevetal: Freya Sieger und Uwe Kortylak von der DB Netz AG informierten über den geplanten Lärmschutz an der Güterumgehungsbahn in Maschen. Der fällt, und damit hätte vor kurzer Zeit noch niemand gerechnet, sehr viel besser aus als erwartet. Nicht nur passiver Schallschutz an Gebäuden ist vorgesehen, sondern auch der Bau einer 790 Meter langen Schallschutzwand in 2019. Auf allzu große Resonanz stieß diese Botschaft jedoch nicht: Ins Helbach-Haus nach Meckelfeld, in das die Gemeindeverwaltung die Sitzung wegen des erwarteten Besucheranstroms verlegt hatte, verirrten sich nur zwei Handvoll Bürger.
Dabei können sich die Anwohner in der Maschener und Horster-Heide auf eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität freuen. Die Strecke der Güterumgehungsbahn Buchholz-Maschen gehört zu den insgesamt 3.700 Kilometern Schienennetz, an denen nachts eine Lärmimmission von über 65 dB (A) herrscht. Diese Streckenabschnitte arbeitet die DB Netz AG bis 2030 ab. Anders als bei Strecken, die neu gebaut oder verändert werden, ist die Bahn hier jedoch nicht zu Lärmschutz verpflichtet - die Maßnahmen finden freiwillig statt. 150 Millionen Euro fließen dafür jährlich vom Bundesverkehrsministerium. Neben passivem und aktivem Lärmschutz entlang der Gleise investiert die Bahn zudem in die Ausstattung der Güterwagen mit leiseren Bremsen. 40.000 Wagen wurden bereits umgerüstet, bis 2020 sollen alle der insgesamt über 60.000 Wagen mit den sogenannten Flüsterbremsen ausgestattet werden. Da längst nicht nur deutsche Güterzüge über das hiesige Schienennetz rollen, sollen auch ausländische Unternehmen zur Umrüstung bewegt werden.
Laut Berechnungen der DB sind an dem Streckenabschnitt im süd-östlichen Bereich von Maschen bis etwa zum Hof Freschenhausen so viele Häuser von einer Überschreitung des nächtlichen Grenzwerts betroffen, dass sich beim Bau einer Schallschutzwand ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis ergibt. Anders sieht es z.B. im Bereich Ramelsloh aus. Bei den Berechnungen berücksichtigt werden allerdings nur Häuser, die vor 1974 gebaut wurden oder, z.B. durch einen Bebauungsplan, zulässig waren.
Die geplante, 790 Meter lange Schallschutzwand verläuft etwa parallel zum Fachenfelder Weg und wird direkt auf dem Bahndamm gebaut. Die Höhe der schallabsorbierenden Wand liegt bei zwei Metern ab Schienenoberkante. Für den Bau wird die DB Netz AG voraussichtlich eine Fläche des Ponyclubs Ohlendorf nutzen, um von dort aus die Baustelle einzurichten. Baubeginn ist im Juli 2019. Vom 1. bis 14. Juli sowie 29. Juli bis 11. August wird die Wand in insgesamt vier Wochen errichtet. Dafür werden die Gleise tagsüber gesperrt und die Züge umgeleitet, nachts läuft der Güterverkehr wie gewohnt. Erste Vorarbeiten, wie z.B. der Rückschnitt von Gestrüpp und Vermessungen, finden bereits ab Januar 2019 statt.
In Ramelsloh, wo keine Lärmschutzwand gebaut wird, ist in den Straßen "Hinter den Höllen", Menkenbruch, Harmstorfer Straße und Horster Landstraße ab 2020 passiver Lärmschutz z.B. durch den Einbau von Schallschutzfenstern möglich. Dabei tragen die Anwohner 25 Prozent der Kosten, 75 Prozent werden vom Bund gefördert.
"Wir freuen uns, dass die Bahn tätig wird, die Belastung für die Bürger ist enorm", begrüßte Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen die Maßnahme. Letzte Zweifel daran, dass die Lärmschutzwand auch wirklich kommt, versuchte Freya Sieger auszuräumen: "Wir sehen nichts, was dem Bau der Schallschutzwand entgegenspricht."

Kommentar:

Wo waren die Anwohner?

Eine kämpferische Bürgerinitiative aus der Horster-Heide überreichte 2012 eine Liste mit 1.200 Unterschriften an die Gemeindeverwaltung. Alle Unterschreibenden forderten Lärmschutz für die Güterumgehungsbahn. Die BI ließ auch in der Zeit danach keinen Zweifel daran, wie dringend der Lärmschutz nötig sei und wie sehr die Lebensqualität der Anwohner unter den ständig vorbeirollenden, laut ratternden Güterzügen leide.
Nun kommt der lange geforderte Lärmschutz - sogar in Form einer Wand. Und trotzdem war nicht einmal ein Dutzend Anwohner bei der Vorstellung der Pläne zugegen. Über die Gründe lässt sich spekulieren - was bleibt ist der Eindruck, dass viele Menschen sich nur dann für das Geschehen vor ihrer Haustür interessieren, wenn es etwas zu meckern gibt. Katja Bendig