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Handlungskonzept statt F-Plan: Seevetal legt sich auf potenzielle Wohn- und Gewerbeflächen fest

Die Fläche an der Winsener Straße in Maschen, die für die Ansiedlung eines Aldi-Zentrallagers im Gespräch ist (rot), wurde als Sonderfläche in das Handlungskonzept übernommen. Sollte Aldi diese Fläche nicht nutzen, soll sie aus dem Flächenpool entfernt werden (Foto: Repro MSR)
kb. Seevetal. Wo können neue Wohn- und Gewerbegebiete entstehen? Wie sollen sich die Ortschaften weiterentwickeln? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich die Gemeinde Seevetal seit April 2012. Diskutiert wird seitdem, ob der alte Flächennutzungsplan der Gemeinde aus dem Jahr 2000 fortgeschrieben oder ob ein neuer F-Plan aufgestellt werden soll. Zumindest im Umwelt- und Planungsausschuss ist die Entscheidung gefallen. Mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung sprachen sich die Mitglieder jetzt weder für einen neuen F-Plan noch die Fortschreibung des alten, sondern für ein "informelles Handlungskonzept" aus, in dem die künftige Entwicklung der Gemeinde festgehalten ist. Nun muss noch der Gemeinderat zustimmen.
Grundlage für das Papier ist die Entscheidung, dass die Einwohnerzahl Seevetals langfristig konsolidiert werden soll. Dazu benötige die Gemeinde zusätzliche Wohnbauflächen, denn dieses Ziel sei nur durch Zuwanderung zu erreichen, so Torsten Wild vom zuständigen Planungsbüro Claussen-Seggelke. Um geeignete Areale auszuloten, wurden Flächenpools gebildet - nicht nur für Wohn- sondern auch für Gewerbegebiete. "Wir haben uns dann jede einzelne Fläche noch einmal genau angeschaut und bewertet", so Wild.
Anhand verschiedener Kriterien wurden die Flächen in drei Kategorien eingeteilt. Die oberste Kategorie stellen "ad hoc"-Flächen da, für die bereits Beschlüsse zur Bebauung oder konkrete Planungsabsichten vorliegen. Beispiele sind die Gebiete "Homsstraße West" in Maschen oder "Glüsinger Straße" in Fleestedt. Zur "Priorität I" gehören Gebiete, die das mittelfristige Baulandpotenzial für die Gemeinde darstellen, wie z.B. das Areal "Erdbeerfelder Meckelfeld". Die Flächen mit der "Priorität II" sollen nur nachrangig und auf Initiative der Eigentümer entwickelt werden. Diese sollen auch die Entwicklungskosten tragen. Zur letzten Kategorie gehört der nördliche Teil des Areals "Küstergarten/Schwarzer Weg", über das kürzlich noch im Planungsausschuss teils hitzig diskutiert wurde.
Insgesamt weist das "informelle Handlungskonzept" 37 Wohnbaugebiete mit knapp 80 Hektar Bruttofläche und elf potenzielle Gewerbeflächen mit insgesamt 77 Hektar aus. In die oberste Kategorie "ad hoc" fallen fünf Wohnbau- und zwei Gewerbeflächen.
"Wir haben den Grundstein gelegt. Aber am Ende zählt nur, was vor Ort wirklich umgesetzt wird", sagte Walter Schulz (CDU) zum neuen Konzept. Er nahm damit Bezug auf ein wesentliches Argument, das neben den erheblichen Kosten gegen die Aufstellung eines neuen F-Planes gesprochen hatte: Knapp die Hälfte der Flächen, die im alten F-Plan als Wohnbaugebiete ausgewiesen worden waren, wurden letztlich nicht entwickelt. Mit dem Handlungskonzept will man nun gezielter vorgehen.
Gerhard Nobis (Grüne) wollte dem Konzept dennoch nicht zustimmen. "Zu diesem Handlungskonzept gehört viel Vertrauen, das ist mir in den vergangenen Wochen abhanden gekommen", so Nobis in Anspielung auf den Streit rund um das Gebiet "Küstergarten/Schwarzer Weg". Klaus Prigge (Freie Wähler) enthielt sich bei der Abstimmung und kündigte eine abschließende Stellungnahme seiner Fraktion für die kommende Ortsratssitzung (Mittwoch, 17. Dezember, 18.30 Uhr, Burg Seevetal) an.
Kritik aus den Reihen der Zuhörer hagelte es vor allem dafür, dass der Umwelt- und Planungsausschuss ausschließlich in nichtöffentlichen Sitzungen am Konzept gefeilt hatte. Diese Entscheidung sei bewusst getroffen worden, so Fred Patzwaldt, Leiter der Planungsabteilung. Auch einige Ortsratsmitglieder zeigten sich unzufrieden über die fehlende Möglichkeit der Einflussnahme.