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Herzensangelegenheit: Eine Organstransplantation rettete Ralf Struckhofs Leben / Wartezeit wird oft zum Risiko

Ralf Struckhof hält ein Herz aus Speckstein in der Hand. Der Glücksbringer von seiner Tochter begleitete ihn durch die Zeit im Krankenhaus
kb. Seevetal. ""Haben Sie sich schon einmal Gedanken über eine Herztransplantation gemacht?" Ralf Struckhof (50) war geschockt, als er diesen Satz im Januar 2015 von seinem Arzt hörte. Der sportbegeisterte Familienvater hatte wenige Jahre zuvor erfahren, dass er unter einer angeborenen Herzkrankheit leidet. Jahrzehntelang war diese unbemerkt geblieben. Auch nach der Diagnose ging es ihm lange gut. Plötzlich hing sein Leben am seidenen Faden. "Die Transplantation war die einzige Chance, die ich hatte", sagt Struckhof rückblickend.
Dass etwas mit seinem Körper nicht stimmt, merkte Ralf Struckhof im Sommer 2010. Er hatte an einem Radrennen teilgenommen, brauchte anschließend eine ganze Woche, um zu regenerieren. Zufällig bot sein Arbeitgeber genau zu diesem Zeitpunkt einen umfassenden Gesundheits-Check an. Dabei fiel auf, dass Struckhofs Herz nicht so aussah, wie es sollte. Weitere Untersuchungen folgten. Diagnose: Non-compaction Kardiomyopathie. "Mein Herz hatte im Grunde einen fehlerhaften Bauplan, bestimmte Herzmuskeln werden nicht so ausgebildet, wie es eigentlich notwendig wäre", erklärt Ralf Struckhof. Relativ typisch sei, dass die Betroffenen davon bis Mitte 40 wenig merken. So auch der passionierte Sportler Struckhof. Erste Anzeichen wie Erschöpfung oder Konzentrationsschwierigkeiten tat er damals ab.
Die Diagnose veränderte zunächst nicht viel. Ralf Struckhof bekam Herzmedikamente, betrieb weiterhin Sport, auch im Beruf lief alles problemlos. Bis sich 2014 die Anzeichen mehrten, dass sich sein Zustand verschlechtert. Anfang 2015, wenige Tage nach seinem Geburtstag und einer schlaflosen Nacht, in der ihr Mann von Atemnot geplagt wurde, beschloss Struckhofs Frau, dass etwas unternommen werden müsse. "Bettina bestand darauf, mich ins Krankenhaus zu fahren. Zum Glück." In der Notaufnahme des Universitätsklinikums Eppendorf brach Ralf Struckhof zusammen, wenig später stand fest, dass er ein neues Herz benötigt.
Damit begann ein monatelanger Krankenhausaufenthalt und schier endloses Warten. Der Grund: Es gibt in Deutschland viel zu wenig Organspender. Die Anzahl der benötigten Organe übersteigt die der Spenderorgane um ein Vielfaches. "Ich hatte zu Beginn überhaupt keine Ahnung, wie lange das dauern wird", sagt Ralf Struckhof. Die Wartezeit versuchte er mit mehr oder weniger sinnvollen Beschäftigungen zu füllen. Trotz der großen Unterstützung durch seine Familie, Freunde und Kollegen gab es manchen Tiefpunkt. Schlimm war es, wenn es Mitpatienten schlecht ging oder sie sogar starben.
In einem solchen Moment, im September 2015, bekam Ralf Struckhof die erlösende Nachricht: "Ihr neues Herz ist da!" Schon wenige Stunden später lag er auf dem Operationstisch. Alles lief glatt. Als Struckhof auf der Intensivstation aufwachte, war er hellwach, geradezu aufgedreht. Bereits am nächsten Tag lief er einige Schritte. "Das Herz muss in Bewegung kommen", so der zuständige Arzt.
Nach neun Monaten Krankenhaus- und drei Wochen Reha-Aufenthalt durfte er endlich wieder nach Hause. "Unbeschreiblich schön", so Struckhof. In der ersten Zeit musste er Mundschutz tragen, noch immer sind zahlreiche Nahrungsmittel wie z.B. Salat tabu. Dauerhaft wird er Medikamente einnehmen müssen. "Aber das nehme ich gerne in Kauf", sagt er.
Inzwischen arbeitet Ralf Struckhof wieder Vollzeit, treibt Sport, unternimmt viel mit der Familie. "Ich bin einfach glücklich und freue mich über viele kleine Momente", erzählt er. "Und ich bin sehr stolz darauf, wie tapfer meine Frau und unsere Kinder diese schwere Zeit überstanden haben."
Wer ihm das Herz gespendet hat, weiß Ralf Struckhof übrigens nicht. Alles läuft absolut anonym ab. Aber die Transplantierten bekommen die Chance, den Angehörigen des Verstorbenen einen Brief zu schreiben. Das hat der Familienvater getan. "Ich wollte einfach danke sagen."
• Über seine Erfahrungen hat Ralf Struckhof das Buch "Ihr neues Herz ist da!" geschrieben. Damit will er nicht nur seine Geschichte erzählen, sondern auf das Thema Organspende aufmerksam machen. "Für viele Menschen, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind, ist die lange Wartezeit ein lebensbedrohliches Risiko. Das müsste nicht sein, wenn mehr Menschen einen Organspendeausweis hätten", sagt Struckhof.

Infos: http://www.organspendeausweis.org