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Hier läuft alles nach Fahrplan: Ein Besuch bei der KVG

Michael Mankowski gefällt der Mix aus Busfahren und Büroarbeit. Er freut sich besonders, wenn Kinder ihn nach längerer Zeit wieder erkennen und freudestrahlend begrüßen
 
Ein Bus kommt von einer Tour zurück. Gleich wird er gesäubert, kontrolliert und betankt
kb. Seevetal. Fast 17 Millionen Fahrplan-Kilometer, über 760 Angestellte und 3.500 Haltestellen, die angefahren werden: Bei der KVG Stade, dem größten Anbieter von Omnibusverkehrsleistungen in Niedersachsen, denkt man in großen Dimensionen. Davon, dass bei der KVG viel mehr passiert, als nur Busse zu lenken, hat sich WOCHENBLATT-Redakteurin Katja Bendig auf dem Betriebsgelände in Hittfeld überzeugt. Und musste feststellen: Busfahrer erzählen zwar spannende Geschichten, sind aber etwas kamerascheu.
Wenn man die KVG zur richtigen Uhrzeit besucht, erhält man eine leichte Ahnung davon, wie viele Busse für das Unternehmen unterwegs sind - auch wenn auf dem Betriebshof in Hittfeld nur ein Bruchteil der insgesamt über 450 Fahrzeuge, die im Schul- und Berufsverkehr, auf Stadt- und Überlandlinien unterwegs sind, steht. Ich ahne, warum viele kleine Jungen als Traumberuf Busfahrer nennen. Ein so großes Fahrzeug zu lenken, ist sicher beeindruckend.
Schnell stelle ich fest: Kaum jemand, mit dem ich spreche, hat nur ein Aufgabengebiet. Es gibt Busfahrer, oder richtig "Fachkräfte im Fahrbetrieb", die gleichzeitig in der Verwaltung tätig sind, andere arbeiten auch in der Werkstatt oder kümmern sich um das Betriebsgelände. Bei der KVG arbeiten außerdem Bürokräfte und Verkehrsplaner, Mechatroniker und Informatiker, Disponenten und Fahrmeister. Beschwerden werden entgegengenommen, Umleitungen geplant und neue Fahrpläne ausgehängt.
Damit auch die kleinen Mitbürger den Bus eigenständig nutzen können, setzt die KVG auf Schulungen. Einer, der Kindergartenkindern, die Angst vor dem Schulbus nimmt, ist Hendrik Arndt. Er erklärt den Kleinen, warum es für eine reibungslose Fahrt wichtig ist, sich ordentlich zu verhalten. "Das klappt wirklich sehr gut", erzählt Arndt. Beim geordneten Einstieg setzen er und seine Kollegen auf ein altbewährtes Mittel: "Jedes Kind stellt seinen Ranzen in die Reihe und wenn der Bus dann da ist, wird in dieser Reihenfolge eingestiegen." Ein echter Klassiker, der auch schon in meiner Grundschulzeit bestens funktioniert hat.
Der Bus ist nicht nur Transportmittel - er ist auch ein beliebter Ort, um Turnbeutel, Handys, Einkaufstaschen, Regenschirme, Skateboards oder Laptops zu vergessen. Mit Michael Mankowski (25), der seine Ausbildung bei der KVG gemacht hat und jetzt in der Verwaltung und als Fahrer tätig ist, werfe ich einen Blick in den Raum, in dem die Fundsachen aufbewahrt werden und stelle fest: Der Mix ist tatsächlich bunt, auch ein Fußball ist dabei. "Wir haben sogar schon einmal ein Saxophon gefunden", erinnert sich Mankowski.
Wenn die Busfahrer von ihren Touren - die übrigens immer wieder wechseln, um Routine zu vermeiden - zurückkommen, kontrollieren sie den ganzen Bus nicht nur nach Fundsachen. Es wird gründlich durchgefegt, der Bus wird gegebenenfalls gereinigt und die Flüssigkeiten werden kontrolliert. Auch getankt wird auf dem KVG-Gelände. Der Tank umfasst 60.000 Liter Diesel, das reicht für maximal zehn Tage. In einen Bus passen zwischen 300 und 450 Liter Kraftstoff. Das Volltanken dauert trotzdem maximal drei Minuten - dank der großen Zapfpistole.
In der Werkstatt "schwebt" ein etwas älteres Bus-Modell auf der Hebebühne. Er muss von Rost befreit werden. Bei den Fahrern sind die alten Busse durchaus beliebt, auch wegen ihrer Verlässlichkeit. "Die haben schon mal 1,5 Millionen Kilometer auf dem Buckel", erzählt ein Werkstatt-Mitarbeiter. Ausgemustert werden sie oft nicht, weil die Busse defekt, sondern unmodern geworden sind.
Busfahren sei übrigens ganz einfach, behauptet Michael Mankowski. "Nur beim Abbiegen muss man daran denken, dass das Heck mit rumkommt", erklärt er.
Ich lasse es besser nicht auf einen Versuch ankommen, sondern beschränke mich weiterhin aufs Mitfahren.