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"Ich möchte danke sagen": Ahmad Souliman hat einen Ausbildungsplatz gefunden

Vergangenen Samstag berichteten wir über Ahmads schwierige Situation - eine Woche später freut sich der syrische Flüchtling über einen Ausbildungsplatz
kb. Rosengarten. kb. Rosengarten. „Wenn der Artikel nicht erschienen wäre, hätte ich mit großer Sicherheit ausreisen müssen.“ Ahmad Souliman (20) kann sein Glück kaum fassen. Vor einer Woche hatte der gebürtige Syrer noch die ständige Angst vor einer Abschiebung nach Bulgarien im Nacken, jetzt hat er einen Ausbildungsvertrag in der Tasche und darf bleiben. In jedem Fall so lange die Ausbildung dauert. „Ich bin sehr glücklich und unglaublich dankbar für die Hilfsbereitschaft“, sagt Ahmad.
Nach dem WOCHENBLATT-Artikel am vergangenen Samstag hatten sich zahlreiche Unternehmen gemeldet, die dem jungen Mann eine Ausbildungsstelle anbieten wollten. Denn die ist Ahmads derzeit einzige Chance in Deutschland zu bleiben. Das Problem: Weil der damals 16-Jährige auf seiner Flucht in Bulgarien genötigt wurde, bereits dort einen Asylantrag zu stellen und dieser dann genehmigt wurde, entschied das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dass Ahmad nicht in Deutschland bleiben darf, sondern zurück nach Bulgarien muss. Besonders kurios: Ahmads Eltern und sieben Geschwister, mit denen er in der Gemeinde Rosengarten lebt, sind anerkannte Flüchtlinge. Ahmad hat einen Realschulabschluss, spricht fließend Deutsch und ist bestens integriert. Sein Traum: Eine Ausbildung bei einem Steuerberater.
Dass Ahmad abgeschoben werden sollte, wollten auch die WOCHENBLATT-Leser nicht einfach hinnehmen. In der Redaktion liefen die Telefone heiß, viele Unternehmer boten ihre Unterstützung an. So auch Sandra Junge, Chefin der Steuerkanzlei Münster-Junge in Hamburg. Bei ihr absolviert bereits Reza Abbasian, ebenfalls aus Rosengarten, eine Ausbildung. Der gebürtige Iraner stand vor drei Jahren vor demselben Problem wie Ahmad. Auch damals reagierte Sandra Junge auf einen WOCHENBLATT-Artikel. Ein Schritt, den sie nicht bereut hat. „Wir haben mit Reza wirklich gute Erfahrungen gemacht. Er ist ein Top-Mitarbeiter“, erzählt Junge. „Ich habe mich deshalb ganz spontan entschieden, mich wieder zu melden. Eigentlich wollten wir erst im kommenden Jahr neue Azubis einstellen“, so die Dipl.-Kauffrau und Steuerberaterin. Sie weiß, dass Ahmad sich anstrengen muss, um die anspruchsvolle Ausbildung erfolgreich zu bestehen. „Aber ich finde, dass man diesem jungen Mann einfach eine Chance geben muss. Und ich hoffe natürlich, dass er auch danach in Deutschland bleiben darf.“
Dass Ahmad Souliman mit dem Ausbildungsvertrag auch eine Duldung erhält, bestätigt Landkreis-Sprecher Bernhard Frosdorfer. Er sieht noch eine weitere Möglichkeit: „Herr Souliman kann einen Antrag auf eine humanitäre Aufenthaltsgenehmigung stellen. Dann bekommt die Ausländerbehörde die Möglichkeit, den Fall noch einmal mit all seinen Begleitumständen zu prüfen. Im besten Fall bekäme er dann eine Aufenthaltsgenehmigung, was deutlich besser wäre als eine bloße Duldung.“
Weitere Rückendeckung bekommt Ahmad von den Ehrenamtlichen der Flüchtlingsinitiativen, die sich mit einem gemeinsamen Schreiben an die Ausländerbehörde wenden. Sogar eine Online-Petition wurde gestartet. Innerhalb weniger Tage kamen auf change.org über 660 Unterschriften zusammen. Auch diese Liste soll an die Ausländerbehörde weitergeleitet werden.
Für Ahmad geht es jetzt sofort ums Ganze: Schon am gestrigen Freitag absolvierte er seinen ersten Berufsschultag. „Ich werde mich richtig anstrengen, damit ich die Ausbildung schaffe“, sagt er.