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"Islamismus ist keine Religion": Mark Schonnop vom Verfassungsschutz hielt Vortrag

Mark Schonnop arbeitet seit 2002 beim Niedersächsischen Verfassungsschutz
kb. Seevetal. Was hat der Islamismus mit dem Islam zu tun? Wer sind die Salafisten? Wie groß ist die Gefahr terroristischer Anschläge in Deutschland? Fragen wie diese bewegen derzeit viele Menschen. Antworten gab jetzt Mark Schonnop (48) vom Niedersächsischen Verfassungschutz, der auf Einladung der Senioren Union Seevetal zu einem Vortrag nach Hittfeld gekommen war. Der studierte Islamwissenschaftler machte vor allem eines deutlich: Der Islamismus ist keine Religion. "Islamismus ist eine politische Ideologie, ein politischer Extremismus", so Schonnop.
In Deutschland leben derzeit nach Schätzungen zwischen vier und fünf Millionen Muslime. "Weniger als ein Prozent davon zählen zu den Islamisten", so der Experte. Der Verfassungsschutz beobachtet verschiedene islamistische Organisationen und Bewegungen in Deutschland. 2013 zählten diese bundesweit knapp 40.000, in Niedersachsen ca. 3.200 Anhänger. Die Hintergründe der islamistischen Organisationen sind sehr unterschiedlich ebenso wie ihre Haltung zur Gewalt. "Extremismus ist nicht zwangsläufig Terrorismus", so Schonnop. Zwar würden alle islamistischen Organisationen dasselbe Ziel verfolgen - die Errichtung eines Staates auf Grundlage der sogenannten Scharia, die in einer sehr rigiden Form ausgelegt wird - die Wege dorthin seien aber unterschiedlich. "Während sich die einen die Macht im Staat mit Gewalt erkämpfen wollen, versuchen die anderen über gesellschaftliches Engagement Einfluss zu nehmen", so Schonnop. "Terrorismus ist nur die Spitze des Eisberges."
Eine Strömung unter den Islamisten bilden die Salafisten. Ihr Ziel ist die Errichtung eines Staates wie zur Zeit des Propheten Mohammed im siebten Jahrhundert. "Die Salafisten sind die Radikalsten unter den Radikalen", so Schonnop. Jedes Jahr würden zahlreiche salafistische Gruppen in Deutschland verboten. Hassprediger wie Pierre Vogel seien juristisch jedoch nur schwer zu fassen. "Die wissen genau, was sie wie sagen müssen", so Schonnop. Auch wenn nicht alle salafistischen Gruppierungen Gewalt befürworten, sei der Salafismus der Nährboden für den Terrorismus. Fast alle islamistischen Terroristen kämen aus dem Bereich des Salafismus, erklärte der Experte. In Deutschland gebe es ca. 6.000 Anhänger, mit steigender Tendenz. Die Gefahr: Die Salafisten predigen in deutscher Sprache und versuchen Jugendliche gezielt zu radikalisieren. Sie geben eine feste Orientierung und einfache Regeln vor. "Im Grunde ist das ähnlich wie im Rechtradikalismus", so Schonnop. "Die Jugendlichen finden Halt und eine starke Gemeinschaft, alles wird schwarz-weiß gemalt, es muss nichts selber entschieden werden." In einer komplizierter werdenden Gesellschaft sei dies ein durchaus attraktives Angebot.
Was die Gefährdungslage durch den islamistischen Terror in letzter Zeit verschärfe, sei die Unvorhersehbarkeit der Taten. "Die radikalisierten Einzeltäter schlagen ohne Vorwarnung zu, sie greifen zum Teil mit einfachen Mitteln an", so Schonnop. Während groß angelegte Terroranschläge durch viele Mitwisser und eine lange Planungszeit in der Vergangenheit mehrfach verhindert werden konnten, sei dies bei den sogenannten "lone wolf"-Attentaten kaum möglich. "Das macht uns wirklich Sorgen", so Schonnop.
Ein Patentrezept, diese Terroranschläge zu verhindern, gebe es nicht. Um Salafisten zu erschweren, junge Menschen zu radikalisieren, sei es aber in jedem Fall sinnvoll, mit muslimischen Verbänden zusammenzuarbeiten. Auch gezielte Jugendarbeit, die Verhinderung von Ausgrenzung und die Aufklärung über die Gefahren des Extremismus seien wichtig.
Weitere Informationen zum Islamismus und anderen extremistischen Ausrichtungen finden Sie auf http://www.verfassungsschutz.niedersachsen.de.