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Maschen: Beerdigung geplatzt, weil die Urne fehlte

Familie Hanke wurde die Möglichkeit genommen, in Würde Abschied zu nehmen (Foto: Harald Gebel@fotolia)
 
Bernd Hanke erwartet eine Entschuldigung von der Friedhofsverwaltung

Familie erwartet eine Entschuldigung / Gemeindeverwaltung weist Schuld von sich


kb. Maschen. „Eine muffige, dunkle Kapelle, niemand wusste wohin mit den Kränzen, alle standen ratlos herum, es war furchtbar und beschämend“, so beschreibt Bernd Hanke (56) die Beerdigung seines Bruders. Dessen Asche sollte am Freitag vergangener Woche in einer Urne auf dem Maschener Friedhof beigesetzt werden. Doch als es soweit war, fehlte das Wichtigste: die Urne.
Bernd Hankes Bruder, der in Essen als Arzt tätig war, verstarb Ende Mai plötzlich. Die Familie beschloss, die Urne in Maschen beisetzen zu lassen, wo seine Mutter lebt. Zwei Kinder des Verstorbenen wohnen in der Nähe, seine Frau will nach Hamburg ziehen. „Ich rief bei der Friedhofsverwaltung an, um zu erfragen, was wir wegen der Überführung regeln müssen“ erzählt Bernd Hanke. Dort habe man ihm gesagt, dass nur die Verwaltung die Urne vom Bestatter anfordern könne. „Mir und meiner Schwägerin wurde mitgeteilt, dass alles geregelt wird“, so Hanke. „Ich kenne mich mit Beerdigungen nicht aus, ich habe mich darauf verlassen.“
Am Tag der Beerdigung dann der Schock. „Zwei Stunden vor der Bestattung bekam meine Schwägerin einen Anruf von der Friedhofsverwaltung: Die Urne sei nicht da“, erzählt Bernd Hanke. Es gab keine Zeit mehr, den Trauergästen abzusagen. Eine Trauerfeier in der Kapelle, die die Gemeinde schnell noch zur Verfügung stellte, war ursprünglich nicht geplant und geriet so zum Debakel.
Bernd Hanke ist noch immer empört über das Geschehene. „Unserer Familie wurde die Möglichkeit genommen, in Würde von meinem Bruder Abschied zu nehmen. Besonders meine Mutter leidet darunter sehr“, erzählt er.

Die Beerdigung für seinen plötzlich verstorbenen Bruder hatte die Familie extra für Mitte Juni geplant, um den Trauergästen und den fünf Kindern des Verstorbenen, die in ganz Deutschland und im Ausland leben, eine Anreise zu ermöglichen. In der Woche vor der Beisetzung suchte die Familie die Kränze aus, richtete das Haus für die Trauerfeier her. „Als es am Tag der Beerdigung hieß, die Urne sei nicht da, waren wir alle fassungslos“, erzählt Hanke.
Hanke beschwerte sich bei der Gemeindeverwaltung, erwartet zumindest eine Entschuldigung. „Wenn wir ein oder zwei Tage vorher Bescheid gewusst hätten, hätte man ja noch etwas regeln können. Aber zwei Stunden?“ Er wirft der Friedhofsverwaltung vor, nicht früher kontrolliert zu haben, ob die Urne angekommen sei. „Wenn uns klipp und klar gesagt wird, es werde alles geregelt, dann muss ich mich doch darauf verlassen können.“
Die Asche des Bruders von Bernd Hanke ist übrigens inzwischen in Maschen angekommen.

• Die Gemeindeverwaltung in Seevetal weist alle Vorwürfe von sich. „Es ist die Aufgabe der Familie mit dem Bestatter zu kommunizieren, nicht die der Verwaltung“, erklärt Fred Patzwaldt, Leiter des Bauamtes zu dem die Friedhofsverwaltung gehört. Es sei nicht unüblich, dass eine Urne erst am Tag der Bestattung ankommt, daher habe die zuständige Mitarbeiterin so lange gewartet. „Wir haben dann noch möglich gemacht, was möglich zu machen war.“

• In Deutschland gilt, anders als in den meisten anderen Ländern, auch für die Asche eines Verstorbenen der Friedhofszwang. Mit Ausnahme der Seebestattung und „Naturbestattungen“ (auf speziell genehmigten Flächen / „Friedwald“) muss die Asche auf einem Friedhof aufbewahrt werden. Die Urne an sich zu nehmen, ist den Hinterbliebenen in keinem Fall gestattet. Die Überführung einer Urne wird daher zwischen Friedhofsverwaltung und Bestatter geregelt - die Familie darf diese nicht selber durchführen, die Urne wird per Paketdienst der Behörde zugestellt.
Befürworter des Friedhofszwangs argumentieren u.a. damit, dass nur auf einem Friedhof die Totenruhe gewahrt werden kann, Kritiker sehen einen unzulässigen Eingriff des Staates in das private Verhältnis zwischen Toten und Hinterbliebenen.