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Menschen mit Handicap zu Selbstständigkeit verhelfen: Mechtild Stevens leitet das Haus Huckfeld

"Wir sind ein tolles Team": Mechtild Stevens
kb. Seevetal. "Man sollte nicht so viel von Inklusion reden, sondern wirkliche Akzeptanz herstellen", findet Mechthild Stevens (60). Seit 30 Jahren ist Stevens Bereichsleiterin im Haus Huckfeld, einer Einrichtung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in Hittfeld. In dieser Zeit hat sich in der Betreuung von Menschen mit Behinderung viel bewegt. Auch durch Menschen wie Mechtild Stevens.
Die studierte Soziologin stammt aus dem Emsland. Früh mussten sie und ihre Geschwister im elterlichen Betrieb mit anpacken. "Da hatte jeder seine Aufgaben zu erledigen", erinnert sich Stevens. Nach dem Besuch des Gymnasium entschloss sie sich, die ländliche Idylle zu verlassen, und zum Studieren nach Berlin zu gehen. "Ich war politisch und gesellschaftlich stark interessiert, da lag Soziologie als Fach nah", erzählt Stevens, die sich mit dem Wahl ihres Studienfachs gegen den Wunsch ihrer Eltern - die hatten Medizin im Blick - durchsetzte.
Mit ihrem Käfer ging es auf in die große Stadt - zu einer Zeit, als politisch und gesellschaftlich vieles im Wandel war. "Wir waren im Grunde jede Woche auf irgendeiner Demo", erinnert sich Mechtild Stevens. Um ihr Studium zu finanzieren arbeitete sie nebenbei in der Behindertenhilfe und in der Psychiatrie. "Das hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht", sagt Stevens. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Studiums stand sie vor der Wahl - Doktorarbeit oder Berufsleben, Forschung oder Praxis. "Ich las die Stellenausschreibung vom Haus Huckfeld und da mein späterer Mann damals schon in Hamburg wohnte und ich ohnehin überlegte in den Norden zu gehen, bewarb ich mich einfach", so Stevens. In grüner Breitcordhose und mit Berliner Lässigkeit im Gepäck fand sich die damals 29-Jährige vor dem Bewerbungsgremium wieder. Das suchte eine pädagogische Leiterin für die Einrichtung in Hittfeld und forderte Stevens auf, ein neues Konzept für die Einrichtung zu schreiben. "Damals lebten die Bewohner noch in Mehrbettzimmern mit bis zu zehn Personen zusammen, streng nach Geschlechtern getrennt. Es gab keine Tagesstruktur, kaum Selbstständigkeit. Der Fokus lag im pflegerischen und nicht im pädagogischen Bereich", erinnert sich Stevens.
Bei der Umgestaltung des neuen pflegerischen Konzeptes mussten nicht nur die Bewohner, sondern auch die Mitarbeiter mitgenommen werden. "Ich bin da durchaus auf Widerstand gestoßen", so Stevens rückblickend. Schrittweise wurde die Selbstständigkeit der Bewohner gestärkt, Einzelzimmer eingeführt, Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen. "Es ging einfach darum, Normalität zu erwerben", sagt Mechtild Stevens. Das Leben der Bewohner im Haus Huckfeld ist heutzutage weitestgehend an familiäre Strukturen angenähert. Es gibt mehrere Wohngruppen, in denen die Bewohner zusammenleben und sich - so weit es eben geht - selbst versorgen.
"Wir haben hier gemeinsam viel verändert. Ich bin sehr zufrieden damit, was wir erreicht haben", zieht Mechtild Stevens nach 30 Jahren beim Haus Huckfeld Bilanz. Dass sie inzwischen drei Jahrzehnte in Hittfeld tätig ist, hatte sie so eigentlich nicht geplant. "Aber die Arbeit hat mich einfach gefesselt, es tut sich immer etwas Neues auf. Außerdem haben wir ein tolles, sehr motiviertes Team", sagt Stevens.
Zum Ausgleich zu ihrem anspruchsvollen Beruf treibt sie gerne Sport, singt in einem Chor, liest gerne oder verbringt Zeit in der Natur. Daran, in ein paar Jahren in Rente zu gehen, mag Stevens noch gar nicht denken: "Das wird ein schwerer Schritt."