Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Ohne Disziplin geht nichts": Adrian Ungemach aus Seevetal ist ausgebildeter Balletttänzer

Tanzt seit seinem sechsten Lebensjahr: Adrian Ungemach (Foto: privat)
 
Bis zu sechs Stunden am Tag wird trainiert, wenn Auftritte anstehen (Foto: Silvano Ballone)
kb. Seevetal. Zwischen drei und sechs Stunden Training am Tag, sechs Tage in der Woche: "Balletttänzer kann man nur sein, wenn man dafür brennt", sagt Adrian Ungemach (21). Der junge Mann aus dem kleinen Seevetal-Ort Bullenhausen hat im vergangenen Jahr seine Ausbildung an der Ballettschule von John Neumeier in Hamburg abgeschlossen. Seit seinem sechsten Lebensjahr trainiert Adrian Haltung, Sprünge und Positionen, stand schon als Junge vor Tausenden Zuschauern auf der Bühne der Hamburger Oper. Für seine Leidenschaft das Tanzen mussten Partys und Treffen mit Freunden oft ohne ihn stattfinden. "Ohne Disziplin geht nichts", sagt Adrian.
Das erste Mal Ballettluft schnupperte Adrian schon als Dreijähriger. Während seine ältere Schwester Ballett-Unterricht nahm, spielte Adrian auf dem Flur. Irgendwann schlich er sich zur Lehrerin und kündigte an: "Ich komme auch bald." Damit sollte er recht behalten: Adrian wurde Ballettschüler an der Vorschule von Hamburg Ballett. Spielerisch wird den Kindern hier beigebracht, auf den Rhythmus zu hören, sie lernen erste Fuß- und Armpositionen.
Ab dem zehnten Lebensjahr besuchen die Kinder an John Neumeiers Schule die sogenannten Ausbildungsklassen. "Da weht schon ein anderer Wind", sagt Adrian, der die Arbeit der Ballettlehrer an der Schule und das Gespür von John Neumeier sehr schätzt. "Nach jedem Schuljahr findet eine Abschlussprüfung für die Aufnahme in die nächst höhere Klasse statt", erklärt er." Das wird aber nicht gemacht, um die Kinder zu drillen, sondern um zu schauen, wer wirklich noch mit Leidenschaft und Spaß dabei ist", sagt Adrian. Denn beim Ballett wimmele es nur so von ehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder zum Training und auf die Bühne drängen.
Um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein, wiederholte Adrian die letzte der Ausbildungsklassen, um nebenbei sein Abi zu machen. Das war nur mit der Unterstützung seiner Familie möglich. "Meine Mutter hat mir warme Mahlzeiten zur Schule gebracht, ich habe schnell im Auto gegessen und dann hat sie mich zum Training gefahren", erzählt Adrian. Auch auf das Verständnis seiner Schule war Adrian angewiesen. "Wenn wir auf Tournee gefahren sind, dann war ich auch mal zwei, drei Wochen weg", erinnert er sich. Grund für Hohn und Spott bei Mitschülern war Adrians Tanzleidenschaft übrigens nie. "Da hat sich viel verändert, mit irgendwelchen Klischees hatte ich nicht zu kämpfen", sagt der Tänzer.
Nach dem Abi wechselte Adrian in die Theaterklasse der Ballettschule. In zwei Jahren werden die Teilnehmer zum professionellen Balletttänzer ausgebildet. Junge Menschen aus der ganzen Welt kommen dafür nach Hamburg. Sie trainieren knallhart, damit auf der Bühne alles federleicht aussieht. "Das ist das Magische am Ballett", sagt Adrian.
Er gehört inzwischen zu den Post-Graduierten und muss die Erfahrung machen, dass das jahrelange Training auch ermüden kann. "Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob ich wirklich weiter tanzen will", sagt Adrian. Er könnte sich vorstellen, eine Ausbildung zum Physiotherapeuten zu machen. "Wir haben schon in der Ausbildung viel über Anatomie gelernt", sagt er. Und? War all die Mühe und das jahrelange harte Training umsonst, wenn Adrian jetzt seine Tanzleidenschaft verloren hat? "Nein", sagt er. "Ich habe so viel gelernt und so viel Selbstbewusstsein gewonnen, das kann mir keiner mehr nehmen."