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Schwule und Lesben bei der Polizei: Schon lange kein Tabuthema mehr

Svenja Schuhmann und Jan Meier beraten Kollegen und Bürger
 
"Die Polizei ist ein Spiegelbild der Gesellschaft", sagt Uwe Lehne

"Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen" beraten Kollegen und Bürger

(kb). Gutes Timing: Wenige Tage nach dem Medienrummel um das Outing von Ex-Fußballnationalspieler Thomas Hitzlsperger präsentierte die Polizeidirektion Lüneburg der Öffentlichkeit zum ersten Mal ihre "Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen". "Der Zeitpunkt der Pressekonferenz stand schon weit länger fest", erklärte Uwe Lehne, Leiter der Polizeiinspektion Harburg, gleich zu Beginn. Es sei jetzt einfach an der Zeit gewesen, die Bürger über das Angebot zu informieren.
Bereits seit 2006 gibt es die "Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen" bei allen Polizeidirektionen in Niedersachsen, das dieses Angebot als eines der ersten Bundesländer in Deutschland flächendeckend einführte. Die Ansprechpartner der Polizeidirektion Lüneburg, Svenja Schuhmann (33) und Jan Meier (35), sind selber homosexuell. Sie wissen, wie es sich anfühlt, sich zu outen. Kennen Vorurteile, aber haben auch viele positive Erfahrungen gemacht.
Die Aufgaben der beiden Polizeibeamten, die im Nebenamt als Ansprechpartner rund um das Thema Homosexualität tätig sind, sind vielfältig. "Wir beraten zum Beispiel innerhalb des Kollegenkreises, wenn es Probleme mit dem Outing gibt oder Kollegen Schwierigkeiten im Umgang miteinander haben", erzählt Jan Meier, der bei der Polizei in Winsen arbeitet. Außerdem unterstützen die beiden ihre Kollegen mit ihrem Hintergrundwissen bei Ermittlungsarbeiten im Homosexuellen-Milieu, führen Vernehmungen durch und sind nicht zuletzt Ansprechpartner für Bürger. "Wenn Schwule oder Lesben Opfer von homophoben Gewalttaten werden, trauen sie sich vielleicht aus Angst vor einem ungewollten Outing nicht auf die örtliche Dienststelle", so Jan Meier. "Da wollen wir Ansprechpartner sein." Denn: Die Dunkelziffer bei homophoben Gewalttaten sei hoch. Auch, weil die Taten oft nicht als solche angezeigt würden. Schätzungen gingen davon aus, dass rund 35 Prozent der erwachsenen und 63 Prozent der jugendlichen männlichen Homosexuellen Opfer von verbalen und tätlichen Attacken geworden seien.
Und welche Erfahrungen haben die beiden Beamten selbst gemacht? Als er selbst mit 16 Jahren zur Polizei gekommen sei, habe er noch gar nicht gewusst, dass er schwul sei, erzählt Meier. "Mit 19 habe ich dann gemerkt, dass ich auf Männer stehe. Aber mich zu outen, habe ich mich nicht gleich getraut. Ich hatte das Gefühl, mich erst einmal beweisen zu müssen", so der Polizeikommissar. Kollegen hätte ihn dann darauf angesprochen, ob er schwul sei. "Ich habe gute Erfahrungen mit meinem Outing gemacht", erzählt Meier. Allerdings - es habe auch einen Kollegen gegeben, der sich danach zurückgezogen habe.
Auch für Svenja Schuhmann, die ihren Dienst beim Polizeikommissariat in Buxtehude versieht, war das Outing ein wichtiger Schritt. "Nachdem ich offen mit dem Thema umgegangen bin, hatte auch das Gerede ein Ende", erzählt sie. "Natürlich gab es vorher schon Gerüchte. Ich war oft nur 'die Lesbe'", so Schuhmann. Offen abgelehnt worden sei sie nie, "aber Stereotype begegnen einem natürlich häufig", so die Polizistin.
Sie und ihr Kollege gehen davon aus, dass es bei der Polizei - ebenso wie im Rest der Bevölkerung - einen Anteil von sechs bis acht Prozent Homosexuelle gibt. Davon lebe aber nur ca. ein Drittel geoutet. Dabei steht für Jan Meier fest: "Nur wenn ich frei und geoutet leben kann und mich wirklich wohlfühle, kann ich mit ganzer Kraft arbeiten."
• Sie haben Beratungsbedarf oder sind Opfer einer homophoben Straftat geworden? Die Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen sind unter der Tel. 04131 - 291380 zu erreichen.