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Seevetal: Neue Hundestationen nur mit Paten

Viele Hundestationen in Seevetal sind in schlechtem Zustand (Foto: Grundt)
kb. Seevetal. Es ist eine Frage, an dem sich die Geister offensichtlich scheiden: Wie lässt es sich vermeiden, dass Beete, Fußwege und Grünflächen mit Hundekot oder achtlos weggeworfenen Hundekotbeutel verunreinigt werden? Während die einen darauf pochen, dass es an den Hundehaltern ist, ihr Verhalten zu ändern und der Allgemeinheit keine Kosten für z.B. Hundestationen, an denen es Beutel und auch eine Wegwerfmöglichkeit gibt, zumuten wollen, sehen es andere pragmatischer: "Zahlreiche Beispiele zeigen, wie viel sauberer die Landschaft ist, wenn es schlicht mehr Hundestationen gibt", sagt Marlis Grundt vom Verein Hundelobby Seevetal.
Nachdem die Ortsräte der Gemeinde zum Thema befragt wurden, stand die Diskussion um zusätzliche Stationen nun erneut im Finanzausschuss auf der Tagesordnung. Das Votum aus den Ortsräten war zuvor unterschiedlich ausgefallen. Während es in einigen Ortsratsbereichen, z.B. Hittfeld, laut Ortsratsbeschluss durchaus Bedarf für neue Stationen gibt, sehen andere Ortsräte lediglich die Notwendigkeit, die vorhandenen Stationen auszubessern. Für Klaus Prigge von den Freien Wähler, die das Thema kürzlich aufs Tapet brachten, unverständlich: "Es ist bedauerlich, dass keine zusätzlichen Bedarfe festgestellt wurden. Es wäre ja relativ einfach, Lösungen zu schaffen und die Landschaft sauberer zu halten." Für Stephanie Gildemeister-Fuchs (CDU) kein Thema: "Ich verstehe nicht, warum die Gemeinschaft dafür aufkommen soll, dass Hundehalter sich so rücksichtslos verhalten." Bürgermeisterin Martina Oertzen beschrieb den derzeitigen Zustand als beklagenswert, zusätzliche Ausgaben für Hundestation sah aber auch sie kritisch. "Vielleicht sollten wir eher eine Öffentlichkeitskampagne starten und an die Vernunft der Hundehalter appellieren", so Oertzen.
Der Ausschuss sprach sich letztlich dafür aus, dass die Gemeinde die bestehenden Station überprüfen und gegebenenfalls ausbessern soll. Neue Stationen sollen hingegen nur aufgestellt werden, wenn sich dafür Paten finden. Dieses System hat sich jedoch bereits in der Vergangenheit als unpraktikabel erwiesen. Viele Paten waren abgesprungen, weil sie nicht nur die Stationen mit Beuteln bestücken, sondern auch die gefüllten Beutel in ihrem Hausmüll entsorgen sollten.
Marlis Grundt von der Hundelobby Seevetal ist von diesem Ergebnis enttäuscht. "Es ist sehr schade, dass der Vorschlag, auch von einzelnen Ortsräten, die gemeindlichen Müllkörbe um die kostengünstigen Hundekotbeutelboxen zu erweitern, gar nicht zur Abstimmung stand", sagt Grundt. Für sie wäre das die einfachste Lösung gewesen: "Für nur 45 Euro könnten vorhandene Mülleimer mit Beutelspendern nachgerüstet werden", so Grundt.

Kommentar:

Investieren statt Moral predigen

Warum soll die Allgemeinheit für das Fehlverhalten Einzelner einstehen? Ich finde diese Frage in der Diskussion um die Hundestationen verfehlt. Zum einen zahlen Hundebesitzer eine - wenn auch nicht zweckgebunden zu verwendende - Extra-Steuer, zum anderen ist es grundsätzlich so, dass längst nicht alle Steuerausgaben allen Bevölkerungsgruppen zugute kommen.
Millionen für Sportzentren - da könnten alle auf die Barrikaden gehen, die keine Lust auf Sport haben oder lieber im Wald laufen und zu Hause trainieren. Ganztagsschulen, Kitas und Krippen - wichtige Einrichtungen, die Kinderlose mitfinanzieren, aber nicht nutzen. Kulturförderung und Büchereien - für Theater-, Kunst- und Lesemuffel sicher obsolet.
Mit einer tatsächlich überschaubaren Summe Hundehaltern das Leben zu erleichtern und im Zuge dessen dafür zu sorgen, dass Landschaft und Gehwege sauberer bleiben, davon profitieren alle und nicht nur "Herrchen" und "Frauchen". Deshalb sage ich: Lieber investieren, als den moralischen Zeigefinger zu heben. Katja Bendig