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Seit zwei Jahren auf der Suche: Tagesmütter finden keine Räume

Nicola Kariofilis (re.) und Ramona Kipp hoffen, dass sie noch eine Wohnung für ihr "Kinderhaus" finden
kb. Seevetal. "Man braucht schon eine gehörige Portion Idealismus, um am Ball zu bleiben", da sind sich Ramona Kipp (35) und Nicola Kariofilis (37) einig. Die beiden ausgebildeten Tagesmütter aus Fleestedt sind seit rund zwei Jahren auf der Suche nach einer Wohnung, um darin Kinder zu betreuen. Gefunden haben sie bisher nichts. "Wir haben zum einen mit den Vorurteilen vieler Vermieter zu kämpfen, auf der anderen Seite muss eine Wohnung zahlreiche Auflagen erfüllen", erklärt Ramona Kipp. Kontrolliert wird das vom Bauamt des Landkreises.
Die beiden Frauen kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit als Betreuerinnen im Montessori Kindergarten, seit fünf Jahren arbeiten sie gemeinsam als Tagesmütter. Zunächst in der Privatwohnung von Nicola Kariofilis, derzeit werden sieben Kinder in Räumen des TuS Fleestedt betreut. Doch abgesehen davon, dass die Räumlichkeiten dort nicht gerade ideal sind, sind die Tages des Sporthauses am Höpen gezählt. Nach dem Umzug des Sportvereins in das neue Sportzentrum soll das Gebäude abgerissen werden, um Platz für Wohnbebauung zu schaffen. Viel Zeit, eine neue Bleibe für ihr "Kinderhaus" zu finden, haben die Freundinnen nicht mehr.
In all den Monaten der vergeblichen Wohnungssuche haben die Tagesmütter einiges gelernt. "Wir sagen z.B. erst bei der Besichtigung wofür wir die Wohnung brauchen, sonst werden wir nämlich gar nicht erst eingeladen", erzählt Nicola Karofilis. Die Reaktion der Vermieter, wenn sie vom Zweck der geplanten Anmietung erfahren, reiche von schlichter Ablehnung bis hin zu Bemerkungen wie: "Ach Du meine Güte, Sie Arme müssen den ganzen Tag mit Kindern verbringen." Dabei geht es im "Kinderhaus" weder zu wie im Taubenschlag, noch herrschen Lärm und Krawall. "Im Grunde muss man sich das vorstellen, wie in einer größeren Familie", erzählt Nicola Kariofilis. Die Kinder werden von 8 bis 14 Uhr, an zwei Nachmittagen bis 16 Uhr betreut. "Wir sind aber nicht ununterbrochen zu Hause, sondern gehen mit den Kindern viel raus", so Ramona Kipp. Mittags werden zudem zwei Stunden Mittagsschlaf gehalten.
Einmal standen die Frauen kurz davor, eine Wohnung zu mieten. Hier scheiterte das Vorhaben an den Auflagen vom Bauamt. "Natürlich müssen die Räumlichkeiten gewisse Voraussetzungen erfüllen, aber dann kam ein Riesen-Aufriss mit Notar, Architekt und Anträgen - das kostet uns viel Geld und den Vermieter Zeit und Arbeit", sagt Nicola Kariofilis. "Das macht kaum jemand mit." Sie und ihre Kollegin fühlen sich allein gelassen. "Wir müssen ganz viel investieren, dabei erfüllen wir einen gesellschaftlichen Auftrag", so Ramona Kipp. Denn Betreuungsplätze werden dringend benötigt, die Nachfrage ist riesig.
Wie schwer es für Tagesmütter ist, eine Wohnung zu finden, in der sie eine Großtagespflege, so die offizielle Bezeichnung, einrichten können, weiß auch Brigitta Wagner, 1. Vorsitzende vom Verein "Tagesmütter und -väter des Landkreises Harburg". "Leider haben Nachbarn und Vermieter oft Probleme mit Kindern. Und seitens des Bauamtes wird der vorhandene Ermessensspielraum nicht immer ausgenutzt", so Wagner. Sie würde sich zudem Auflagen wünschen, die sich stärker an der Realität orientieren.
"Die Förderung der Kinder-Tagespflege hat einen hohen Stellenwert für uns", sagt dazu Kreissprecher Bernhard Frosdorfer. Das stehe jedoch in keinerlei Widerspruch zu den geltenden Bauvorschriften. "Die Sicherheit von Kindern und Betreuern vor allem in Hinblick auf den Brandschutz hat oberste Priorität."
Nicola Kariofilis und Ramona Kipp hoffen, dass sie vielleicht doch noch eine geeignete Wohnung (ab 55 Quadratmeter, eineinhalb Zimmer aufwärts), möglichst in Fleestedt oder der näheren Umgebung, finden. Wer den Tagesmüttern helfen kann, wendet sich an Tel. 01577 - 2005462 (Kariofilis) oder 0177 - 9603651 (Kipp) oder schickt eine E-Mail an nicola@goldidee.com bzw. ramonakipp@gmx.de.