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Spürnasen für gefräßige Krabbler

Diana Mattke und Bernard Roeingh-Wegner mit den Spürhunden "Charly" (li.) und "Abby"
 
Gefräßiger Exot: Der Asiatische Laubholzbockkäfer
Die Anoplophora-Spürhunde "Abby" und "Charly" sind eingeschleppten Käfern auf der Spur

kb. Buchholz.
Drogen, Sprengstoff, Vermisste: Spürhunde werden bekanntermaßen in vielen Bereichen eingesetzt. Doch dass sich die Vierbeiner auch auf die Spur von exotischen Krabblern begeben, wissen wohl die wenigsten. Labrador Retriever "Abby" und der Deutsch-Kurzhaar-Labrador-Mischling "Charly" sind zwei dieser Spürnasen, für die es kaum etwas Schöneres gibt, als sich auf die Fährte des Asiatischen Laubholzbockkäfers und seines Verwandten, den Citrusbockkäfer, zu machen. Dabei spüren die Hunde nicht nur die Käfer auf, sondern auch ihre Larven, Eier und Bohrgänge. Der Hintergrund dieser Suche ist ernst: Die Käfer sind aus Asien eingeschleppte, gefährliche Schädlinge, die Laubbäume befallen und diese innerhalb weniger Jahre absterben lassen.

Bernard Roeingh-Wegner und Diana Mattke aus Buchholz sind die Besitzer der Käfer-Fahnder "Abby" und "Charly". Roeingh-Wegner arbeitet u.a. für den TÜV Rheinland, ist Jäger, Falkner und engagiert sich für den Hegering Buchholz. Er kam durch eine zufällige Begegnung auf das Thema. "Durch meine berufliche Tätigkeit bin u.a. im Hamburger Hafen unterwegs, wo z.B. Container kontrolliert werden, und traf dabei auf eine Jagdkollegin, die ihren Hund zum Schädlings-Spürhund hatte ausbilden lassen", erzählt der Naturfreund. Gemeinsam mit "Abby" fuhr er nach Österreich, wo die Ausbildung der Hunde im Bundesforschungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft stattfindet. Hier lernen die Vierbeiner die Spur der gefräßigen Schädlinge aufzunehmen und die Funde anzuzeigen. Die Anoplophora-Spürhunde, so der Fachjargon, die in Deutschland noch eher eine Seltenheit darstellen, sind in Österreich und der Schweiz regelmäßig erfolgreich im Einsatz, um die Wälder nach eingeschleppten Käfern zu durchsuchen. "Das Problem ist, dass ein befallener Baum für Menschen von außen kaum als solcher zu erkennen ist", sagt Bernard Roeingh-Wegner. Für die Hunde hingegen ist der Geruch ein eindeutiges Zeichen. Wird ein Befall entdeckt, muss nicht nur der betroffene Baum gefällt werden, sondern auch alle übrigen Bäume im Umkreis von 100 Metern. Außerdem muss eine zwei Kilometer umfassende Quarantänezone um den befallen Baum eingerichtet werden, die dann regelmäßig kontrolliert wird. "Das Holz der befallenen Bäume kann nicht weiterverwendet werden, sondern muss direkt in die Verbrennung", so Diana Mattke. Der wirtschaftliche Schaden für den Waldbesitzer könne enorm ausfallen - umso wichtiger sei es, den Befall zu entdecken, bevor der Käfer sich noch weiter ausbreiten kann.

Die zertifizierten Spürhunde kommen aber nicht nur im Wald, in Parks oder Baumschulen zum Einsatz, auch Flughäfen, Speditionen oder der Hamburger Hafen gehören zu ihrem "Schnüffel-Terrain". "Die Käfer werden z.B. über billig produzierte und unbehandelten Paletten aus Asien eingeschleppt", erkärt Roeingh-Wegner. "Es reicht wenn da Eier drin sind." Und das Risiko steigt: Eine flächendeckende Kontrolle sei angesichts der enormen Container-Umsschläge kaum machbar. Immerhin: In norddeutschen Wäldern gab es bisher keinen Befund, allerdings ist der Einsatz der Spürhunde hier auch eher noch die Ausnahme. In Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen wurden die Käfer bereits entdeckt.

Für die Hunde ist die Suche nach den Schädlingen keine Arbeit, es macht ihnen schlicht Spaß. Regelmäßiges Training mit sogenannten "Dummys" ist wie bei allen Spürhunden Voraussetzung für den Erfolg bei der Suche. Bernard Roeingh-Wegner und Diana Mattke müssen "Abby" und "Charly" nicht lange überreden, auf "Schnüffel-Tour" zu gehen. "Die beiden sind ganz wild darauf, den Käfern auf die Spur zu kommen."

Gefährliche Schädlinge

Der Asiatische Laubholzbockkäfer und der Citrusbockkäfer gelten in der EU als gefährliche Quarantäneschädlinge. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, Einwanderung und Ausbreitung zu verhindern, das Auftreten von Quarantäneschädlingen ist der zuständigen Behörde zu melden. Von der Eiablage bis zum Käferstadium durchläuft der Schädling eine etwa zwei Jahre dauernde Entwicklung. Die Eier werden unter der Rinde abgelegt, als Larve bohrt sich der Käfer durch das Holz und schädigt den Baum extrem. Runde Ausbohrlöcher mit einem Durchmesser von etwas einem Zentimeter sind ein Indiz dafür, dass ein Baum befallen ist. Gefährdet sind fast alle Laubbaumarten, besonders Ahorn, Rosskastanie, Birke, Weide und Pappel, aber auch Buche, Esche, Platane und Erle. Der Citrusbockkäfer befällt auch Rosen, Hisbiskus und Zwergmispeln.
Der Käfer ähnelt mehreren einheimischen, teils seltenen bis streng geschützten Bockkäferarten. Umweltorganisationen empfehlen daher, Exemplare keinesfalls sofort zu töten, sondern von Fachstellen bestimmen zu lassen.