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Überschuldung in Deutschland nimmt zu

Wenn die Ausgaben dauerhaft die Einnahmen überschreiten: Immer mehr ältere Menschen sind von Überschuldung betroffen (Foto: archiv/mum)
(kb). Immer mehr Deutsche sind verschuldet, vor allem die Überschuldung bei älteren Menschen steigt an: Das ist das Ergebnis des aktuellen "Schuldneratlas" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Die Überschuldungsquote in Deutschland liegt laut der Daten bei rund zehn Prozent (Landkreis Harburg 8,01 Prozent/Landkreis Stade 9,28 Prozent), damit sind über 6,8 Millionen Bürger über 18 Jahren überschuldet. Ein Anstieg von knapp zwei Prozent (131.000 Personen) gegenüber dem Vorjahr.
Zur Erklärung: Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Kurz: Die zu leistenden Gesamtausgaben sind höher als die Einnahmen.
Was auffällt: Besonders bei der "Altersüberschuldung" zeigt sich ein deutlicher Trend nach oben. 2016 müssen laut Creditreform rund 174.000 Menschen im Alter ab 70 Jahre als überschuldet eingestuft werden. Das ist eine Zunahme von 16 Prozent. Die Überschuldungsquote (1,34 Prozent) in dieser Gruppe liege zwar weiterhin deutlich unter den Vergleichswerten der anderen Altersgruppen, der Anstieg sei im Mehrjahresvergleich 2013/2016 mit plus 58 Prozent allerdings überdurchschnittlich. Auch in der Altersgruppe der 60- bis 65-Jährigen sei ein Anstieg um sieben Prozent zu verzeichnen. In der jüngsten Altersgruppe sei die Zahl der Überschuldungen weiter zurückgegangen, die Quote liegt aber immer noch bei 14,5 Prozent. Rund 1,66 Millionen Deutsche unter 30 Jahre müssen laut der Studie derzeit als überschuldet eingestuft werden.
Die Gründe für eine Überschuldung sind vielfältig. Vorwiegend ökonomische Auslöser wie Arbeitslosigkeit und gescheiterte Selbstständigkeit hätten in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. Immer häufiger seien Erkrankungen, Sucht, Unfälle oder gescheiterte Immobilienfinanzierungen Auslöser dafür, dass den Menschen ihre Schulden über den Kopf wachsen. In der Regel seien unplanbare und gravierende Änderungen der Lebensumstände Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, nicht eine unwirtschaftliche Haushaltsführung. Letzteres sei zwar häufig der Einstieg in eine Schuldenspirale, jedoch eher bei Fällen mit geringer Verschuldungsintensität.
Was tun, wenn sich die Schulden anhäufen? Wer von Überschuldung betroffen ist, sollte sich möglichst frühzeitig an eine Schuldnerberatungsstelle wenden. Viele gemeinnützig arbeitende Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen bieten ihre Hilfestellungen kostenfrei an. Weil die Nachfrage oft groß ist, sollte man frühzeitig um einen Termin bitten. Fragen Sie nach einer offenen Sprechstunde. Viele Beratungsstellen bieten Kurzberatungen mit und ohne Termin an.
Bei der Beratung selbst geht es darum, sich zunächst einen detaillierten Überblick über die Situation zu verschaffen: Wie hoch sind die Schulden insgesamt? Welche Einnahmen stehen dem gegenüber? Wo kann gespart werden? Wie kann der Weg aus der Überschuldung aussehen?
• Schuldnerberatungsstellen in der Nähe findet man z.B. online auf http://www.forum-schuldnerberatung.de .