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Vor Umzug in neues Sportzentrum: Mitgliederschwund beim TuS Fleestedt / "Hebel muss umgelegt werden"

Die neue Sporthalle steht kurz vor der Fertigstellung. Um sie voll auszulasten, muss der TuS Fleestedt dringend neue Mitglieder gewinnen (Foto: Otto)
kb. Fleestedt. "Hüte Dich vor Deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen." Dass an diesem Sprichwort etwas dran sein könnte, spürt man derzeit beim TuS Fleestedt. Jahrelang hatte der Verein um ein neues Sportzentrum gekämpft, weil die Kapazitäten auf den eigenen Anlagen nicht mehr ausreichten. Viele Sportangebote fanden quer über die Gemeinde Seevetal verteilt auf den Sportanlagen anderer Vereine statt. Im Dezember 2012 fasste der Gemeinderat schließlich den Beschluss für den Neubau des Sportzentrums mit einer Zweifeldhalle, zwei Fußballplätzen und vier Tennisplätzen am Mühlenweg. Zuvor hatte der TuS Fleestedt versucht, mit Plakataktionen und der Drohung, Hunderte Mitglieder aus dem Verein ausschließen zu müssen, Druck auf die Politik auszuüben.
Kurz vor der Fertigstellung des insgesamt rund 8 Millionen Euro teuren Sportzentrums sieht sich der Verein nun mit stark rückläufigen Mitgliederzahlen und Zoff im Vorstand konfrontiert. Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Verein im Sommer nur rund 30 Prozent der Hallenkapazität füllen kann. Im Winter ist die Auslastung etwas höher, weil die Fußballsparte die Halle teilweise nutzt. Seit 2011 hat der Verein stetig Mitglieder verloren. Der Spitzenstand lag 2011 bei 1.709, derzeit sind es noch 1.430 Mitglieder.
Vor diesem Hintergrund hatte der sich zu diesem Zeitpunkt noch im Amt befindliche Finanzvorstand Wolfgang Ohrt auf der Jahreshauptversammlung des Vereins beantragt, einen neuen Vorstandsposten für Mitgliedergewinnung und Marketing zu schaffen. "Wir stehen vor einem Umzug in eine Sportanlage mit sechsfacher Hallenkapazität bei schwindenden Mitgliederzahlen - wir müssen den Hebel umlegen und gezielt neue Mitglieder gewinnen", so Ohrt. Besonders die Vormittagszeiten müssten durch speziell auf Zielgruppen, wie z.B. Senioren, zugeschnittene Sportangebote gefüllt werden. Diese Aufgabe sei dringend im Vereinsvorstand anzusiedeln.
Das sahen seine Vorstands- und Vereinskollegen offensichtlich anders. Der Antrag scheiterte. Eine Abstimmung mit Konsequenzen: Wegen fehlender Unterstützung schmiss Wolfgang Ohrt seinen Posten hin und stellte sich nach 21 Jahren im Amt nicht erneut zur Wahl. Zu seinem Nachfolger wurde schließlich Stefan Frommann bestimmt.
Ohrt ist enttäuscht. "Leider wird im Verein nicht die Notwendigkeit zum Handeln gesehen", bemängelt er, spricht von "der Trägheit der Masse". Der 1. Vorsitzende Walter Hagemann sieht die Sache scheinbar gelassener. "Die Notwendigkeit, neue Mitglieder zu gewinnen, ist unstrittig", so Hagemann. Den Wechsel im Amt des Finanzvorstands sieht er gleichzeitig als Verjüngungsprozess. In den kommenden Tagen würden Gespräche zu geeigneten Maßnahmen der Mitgliedergewinnung geführt. "Bei uns ist alles im Fluss."

Kommentar:

Hätte eine Nummer kleiner gereicht?


Von Beginn an war der Bau des Sportzentrums in Fleestedt umstritten. Die immensen Kosten und nicht zuletzt die Tatsache, dass ein Großteil der von der Gemeinde teuer erkauften Flächen CDU-Ratsherr Walter Schulz und seinem Parteikollegen, Ortsbürgermeister Adolf Wendt, gehörten, sorgten für Kritik. Auf den letzten Metern wurde der Neubau noch in "Sportzentrum Seevetal" umbenannt, um für mehr Akzeptanz zu sorgen und zu signalisieren, dass es allen Vereinen offen steht und kein Geschenk an den TuS Fleestedt ist. Nun steht das Sportzentrum kurz vor der Fertigstellung und es stellt sich heraus: Zumindest die Hallenkapazitäten kann der TuS Fleestedt nicht ansatzweise füllen. Dass die anderen Seevetaler Vereine in Massen in das Sportzentrum am Mühlenweg strömen werden, obwohl sie eigene Anlagen haben, darf bezweifelt werden. Bleibt die Frage, ob es eine Nummer kleiner nicht auch getan hätte. Dem Verein ist kaum ein Vorwurf zu machen - es ist legitim, sich optimale Bedingungen zu wünschen. Die Politik hätte aber ganz genau hinschauen müssen, bevor zig Millionen für ein Projekt ausgegeben wurden, dass sich jetzt als überdimensioniert erweisen könnte. Denn bezahlt hat den Spaß der Steuerzahler. Katja Bendig