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"Wir fühlen uns diskriminiert"

Um dieses Gebäude dreht sich der Streit: Im vorderen Teil wohnt Familie Oschlies, der hintere Teil wird u.a. als Lagerhalle für Möbel genutzt
 
Ali Oschlies hat Angst, dass er und seine Familie bald auf der Straße stehen

Vorwurf der illegalen Wohnnutzung: Ali Oschlies und seine Familie sollen ihr Haus räumen / Urteil gibt Landkreis recht

kb. Meckelfeld. "Wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir nicht hierher gezogen", sagt Ali Oschlies (46). Der gebürtige Türke lebt mit seiner Frau Barbara (46) und Sohn Kevin (16) seit knapp sechs Jahren im Bramweg in Meckelfeld. Doch nun sollen sie ihre Wohnung räumen. Denn: Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburgs lebt die Familie illegal in ihrem Haus. "Die Nutzung des Gebäudes für Wohnzwecke ist nicht genehmigungsfähig", heißt es dort.
Doch wie konnte es soweit kommen? 2007 kaufte Barbara Oschlies gemeinsam mit einem ehemaligen Geschäftspartners ihres Mannes das Grundstück am Bramweg samt darauf befindlichem Gebäude. Sie waren im Internet auf die Immobilie aufmerksam geworden, die früher einmal der Deutschen Bahn gehörte. Ali Oschlies Idee war es, im hinteren Teil des Gebäudes, einer Lagerhalle, einen Veranstaltungssaal einzurichten. "Für Hochzeitsfeiern und ähnliches", erzählt Oschlies. Als Familie Oschlies das Gebäude kaufte, lebten dort zwei junge Paare. Nach deren Auszug bezogen Ali und Barbara Oschlies die Wohnung. "Wir haben nie daran gezweifelt, dass wir hier wohnen dürfen", erzählt Oschlies. Ordnungsgemäß und ohne Probleme meldete die Familie ihren Wohnsitz unter der neuen Adresse an und begann das Haus zu renovieren.
Doch schon bald gab es erste Probleme. Die Gemeinde habe seine Pläne, einen Hochzeitssaal einzurichten, abgelehnt, so Ali Oschlies. Außerdem habe man ihm, als er mit den Renovierungsarbeiten begonnen habe, vorgeworfen, er würde einen Schwarzbau betreiben. Davon, dass die Familie dort gar nicht wohnen dürfe, sei zu dieser Zeit aber nie die Rede gewesen. Im Laufe der Jahre setzte Familie Oschlies neue Fenster in das Haus ein, erneuerte Bodenbeläge und Leitungen, renovierte Bad und Wohnzimmer, pflanzte Blumen und Bäume und ließ eine vollbiologische Kläranlage bauen. "Die Nachbarn haben sich gefreut, dass es hier endlich ordentlicher aussieht", erzählt Barbara Oschlies.
Dann der Super-GAU: Im September 2010 untersagte der Landkreis Harburg der Familie die weitere Wohnnutzung ihres Hauses. Die Begründung: Das Gebäude befände sich im Außenbereich, außerdem sei eine Wohnnutzung im Flächennutzungsplan nicht vorgesehen. "Dabei wird das Haus bereits seit Jahrzehnten bewohnt und direkt gegenüber wohnen unsere Nachbarn in einer Doppelhaushälfte", erzählt Ali Oschlies. Das beeindruckte den Landkreis wenig. Und das Verwaltungsgericht Lüneburg gab der Verwaltung recht: Die Klage der Familie gegen die Nutzungsuntersagung wurde im vergangenen Dezember abgewiesen. Jetzt stehen die Oschlies vor dem Ruin. "Wir wissen nicht, wohin wir ziehen sollen, außerdem zahlt meine Frau noch den Kredit für das Haus ab", so Ali Oschlies. Hinzu kommt: Barbara Oschlies ist schwerkrank, muss jeden zweiten Tag zur Dialyse.
Davon, in der Lagerhalle einen Veranstaltungssaal einzurichten, ist schon lange keine Rede mehr, aber dass sie nun ihre Wohnung verlieren sollen, versteht die Familie nicht. "Hier durften immer Leute wohnen und plötzlich ist es verboten? Wir fühlen uns diskriminiert", sagt Ali Oschlies. Er und seine Frau wollen jetzt noch einmal versuchen, das Urteil des Verwaltungsgerichts juristisch anzufechten. Was sie tun sollen, wenn auch dieser Kampf verloren geht, wissen sie nicht.