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"Wir sind so dankbar"

Nadja (7) wird einmal in der Woche für einige Stunden von Deborah Hof betreut. Gemeinsam verbringen sie dann Zeit in der Friedenskirche Buchholz
 
"Es ist großartig zu erleben, wie sie Fortschritte macht.": Anja und Oswin Fricke mit ihrer Tochter Nadja Fotos: kb/Fricke
Leben mit einem schwerbehinderten Kind: Anja und Oswin Fricke wollen anderen Mut machen

kb. Buchholz. Nadja ist sieben Jahre alt, doch erst seit ein paar Wochen geht sie erste Schritte an der Hand. Für ihre Eltern Anja (43) und Oswin Fricke (55) ist das ein echtes Wunder. "Sie stehen und gehen zu sehen, ist unglaublich", sagt Anja Fricke.
Nadja ist das dritte Kind des Paares. Als sie geboren wird, ist das kleine Mädchen kerngesund. "Als Nadja vier Monate alt war, ging sie plötzlich immer weiter weg von uns", beschreibt ihre Mutter die damalige Situation. Nadja verliert all ihre Fähigkeiten und ihre ganze Kraft, kann nicht mehr greifen, nicht schlucken, ihr Blick wird leer. "Es war, als ob ihr ganzes Bewusstsein fort ist. Wir hatten plötzlich ein ganz anderes Kind", so Anja Fricke. Gleichzeitig entwickelt Nadja starke Schmerzen, schon bei kleinsten Berührungen schreit das kleine Mädchen, leidet unter epileptischen Anfällen. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel, einer wagt die Prognose, dass Nadja ihren zweiten Geburtstag nicht überleben wird.
Anja und Oswin Fricke setzen alle Hebel in Bewegung, um ihrer Tochter zu helfen. Zunächst geht es ums schlichte Überleben, später um die Suche nach den besten Therapiemöglichkeiten. An der Medizinischen Hochschule in Hannover finden sie einen Experten, der ihnen eine spezielle, sehr fettreiche und kohlehydratarme Diät empfiehlt. Naja ist zwei als ihre Eltern mit der Ernährungsumstellung beginnen. "Nach einer Weile machte Nadja erste Entwicklungsschritte", erinnert sich ihr Vater. Er und seine Frau gehen mit Nadja viel in die Natur und zu Tieren, geben dem Kind möglichst viele Reize von außen, machen sensorische Übungen und Bewegungstraining - und das täglich. "Wir haben Nadja auch mit zu Konzerten genommen. Sie liebt Musik", sagt Anja Fricke. Gleichzeitig bekommt das Kind alle erdenklichen Therapien Ergo-, Physio-, Pferde- und Fördertherapie, macht logopädische Übungen. Mit immer mehr Erfolg. "Seit einem Jahr akzeptiert Nadja einen Löffel in ihrem Mund und ich muss sie nicht mehr mit den Fingern füttern", schildert ihre Mutter.
Eine große Freude ist für Nadjas Eltern, dass ihre Tochter einmal in der Woche die Krabbelgruppe des Familienzentrums in der Friedenskirche Buchholz besuchen kann. Die Begegnung mit vielen Menschen ist aufgrund ihrer Krankheit sehr schwierig für das Mädchen. "Wir sind so dankbar, dass wir hier so herzlich und mit offenen Armen aufgenommen wurden. Nadja wird hier voll akzeptiert, das ist nicht selbstverständlich", sagt Anja Fricke. Die anderen Kinder in der Gruppe sind zwischen einem und drei Jahren alt - weil Nadja derzeit etwa auf dem Entwicklungsstand eines 14 Monate alten Kindes ist, passt das. Die offene und positive Art von Birgit Reige, der Leiterin des Eltern-Kind-Bereichs, habe sich auf die Gruppe übertragen, Nadja wird voll integriert. Betreut wird das Mädchen in dieser Zeit von Deborah Hof im Rahmen der sogenannten Verhinderungspflege, die Angehörige entlasten soll. Zwischendurch geht sie mit Nadja in den großen Saal oder in den Kletteraum, um motorische Übungen zu machen - und dem Kind etwas Abstand zu ermöglichen.
Die Erleichterung der Eltern, ihre Tochter zumindest für einige Stunden gut aufgehoben zu wissen und selbst kurz entlastet zu werden, ist groß. Birgit Reige weiß wie wichtig das ist. Und freut sich gleichzeitig darüber, dass Nadja regelmäßig in die Gruppe kommt. "Das ist für alle eine Bereicherung. Und die Kinder haben ihr gegenüber keinerlei Berührungsängste."
Dass Nadja sich selbstständig an Möbeln hochzieht und aufsteht, gehen kann, an der Gitarre zupft und offensichtlich Interesse an ihrer Umwelt hat, freut ihre Eltern unglaublich. "Seit zwei Jahren umarmt sie uns auch und sagt Mama und Papa", erzählt Anja Fricke glücklich. "Und der Blick, den wir so vermisst haben, ist wieder da."
Als Last haben die Frickes ihr Schicksal nie empfunden, sondern als Aufgabe. Kraft finden sie in ihrem Glauben und durch die Unterstützung in der Gemeinde. Sie wollen andere Eltern behinderter Kinder ermutigen, ihre Hoffnung nicht zu verlieren und nicht aufzugeben. Und auch immer weiter nach modernen Therapiemöglichkeiten zu suchen. Sie sind überzeugt: "Kinder wie Nadja haben das Recht, die Welt zu erforschen wie jeder andere auch."