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Abriss oder Sanierung? Entscheidung über Burg Seevetal noch offen

Die Burg Seevetal ist das einzige große Veranstaltungszentrum in der Gemeinde. Wird Seevetal darauf verzichten?
kb. Seevetal. Die Zukunft der Burg Seevetal ist weiter offen. Der Bauausschuss der Gemeinde konnte sich am vergangenen Donnerstag zu keiner klaren Entscheidung durchringen. In der streckenweise emotional geführten Debatte wurde deutlich, wie schwierig die Thematik ist. Wie berichtet, muss die Burg für rund 6,5 Millionen Euro umfassend saniert werden, wenn die derzeitige Nutzung aufrecht erhalten werden soll. Findet die Sanierung nicht statt, darf dort nur noch ein Bruchteil der jetzt möglichen Veranstaltungen stattfinden. Die Verluste, die die „Burg“ ohnehin jedes Jahr macht, wären noch größer.
Ausgangspunkt der Diskussion war die von der Verwaltung erarbeitete, umfangreiche Vorlage, die die notwendigen Maßnahmen, zu denen u.a. der Einbau einer vollautomatischen Brandmeldeanlage, die Erneuerung der Lüftungsanlage und die energetische Sanierung auflistet. Die veranschlagten Kosten seien realistisch, so Ingo Knedel, Leiter Gebäudewirtschaft. Trotz der immensen Summe plädiert die Verwaltung für eine Sanierung der „Burg“. „Die gute Auslastung führt zu diesem Votum“, so Knedel.
Anders sieht das die Gruppe CDU/FDP. Einen Tag vor dem Ausschuss reichte der Fraktionsvorsitzende Walter Schulz den Antrag ein, die Sanierung der Burg abzulehnen. Stattdessen solle eine „Planungswerkstatt Hittfeld Mitte“ eingerichtet werden, um die Frage der Ersatznutzung für das Grundstück zu klären. Geprüft werden solle u.a., ob sich das „Burg“-Gelände für eine Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtung eignet. Dass sich CDU und FDP so klar gegen eine Sanierung der Burg Seevetal aussprechen kam für viele Ausschussmitglieder und auch für Bürgermeisterin Martina Oertzen überraschend.
„Man muss sich einfach fragen, ob so eine Einrichtung wichtig für die Bevölkerung ist oder in die Kategorie ‚nice to have‘ fällt“, sagte Walter Schulz. Die „Burg“ habe nie wirklich im Fokus der Bürger gestanden, die Kosten für die Sanierung seien nicht vertretbar. „Wir dürfen die Verschuldung der Gemeinde nicht ungezügelt fortsetzen“, so Schulz. Unterstützung für ihre Position bekamen CDU und FDP von den Grünen. „Wir haben uns lange in der Fraktion beraten und werden die Sanierung ablehnen, die Idee für eine Planungswerkstatt finden wir gut“, so der Fraktionsvorsitzende Kay Kelterer.
Die SPD will die Burg nicht abschreiben, sondern sanieren lassen. „Das ist der einzige Veranstaltungsort in dieser Größe in der Gemeinde und ihr kultureller Mittelpunkt“, so Heiner Steeneck. Man müsse die Möglichkeiten sehen, die durch die „Burg“ entstehen. „Zu einer Gemeinde unserer Größe und unseres Anspruchs gehört ein großes Veranstaltungszentrum“, machte Steeneck deutlich. Die Burg sei zwar sanierungsbedürftig, aber eben nicht abbruchreif. Klar müsse zudem sein, dass auch alles, was statt der Sanierung gemacht werde, Geld koste.
Welche Haltung Bürgermeisterin Martina Oertzen vertritt, war im Ausschuss nur schwer einzuschätzen. Auf der einen Seite betonte sie die Bedeutung der „Burg“ als Aushängeschild für das Mittelzentrum Seevetal, auf der anderen Seite machte Oertzen noch einmal deutlich, wie schlecht es um die Finanzen der Gemeinde gestellt ist. „Die Zahlen sind bedrückend, viele Maßnahmen, die durchgeführt werden müssen, stehen noch gar nicht in der mittelfristigen Finanzplanung“, so die Bürgermeisterin.
Spannend wurde es, als über die Beschlussvorschläge von CDU und Verwaltung abgestimmt wurde. Doch wer sich ein klares Votum aus den Reihen der Politik gewünscht hatte, wurde enttäuscht. Weder der CDU/FDP-Antrag gegen eine Sanierung noch die Empfehlung der Verwaltung für eine Sanierung fanden eine Mehrheit. Die Entscheidung wird nun am Donnerstag auf der Sitzung des Gemeinderates (ab 18.30 Uhr in der Burg Seevetal) fallen. Denn eines wurde im Ausschuss auch deutlich: Zeit, ewig zu diskutieren und die Sache noch eine Weile auszusitzen, gibt es nicht.