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Adolf Wendt scheidet nach 40 Jahren als Ortsbürgermeister von Fleestedt aus der Politik aus

Freut sich auf ein bisschen mehr Freizeit: Adolf Wendt (Foto: kb)
kb. Fleestedt. Für Fleestedt endet eine Ära: Nach 40 Jahren im Amt scheidet Ortsbürgermeister Adolf Wendt (CDU) aus der Kommunalpolitik aus. Dort ist er sogar noch länger vertreten - seit 1968 ist Wendt Mitglied verschiedener politischer Gremien. Für sein unermüdliches politisches Engagement wurde er kürzlich von Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen mit dem "Seevetaler" geehrt, auch mit der Ehrenmedaille des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes und einer Medaille für 20 Jahre als Kreistagsabgeordneter wurde Wendt bereits ausgezeichnet. Zum Ende seiner Amtszeit sprach WOCHENBLATT-Redaktionsleiterin Katja Bendig mit Adolf Wendt über seine Zeit als Ortsbürgermeister, die Entwicklung Fleestedts und seine Motivation, sich seit Jahrzehnten politisch zu engagieren.
WOCHENBLATT: 48 Jahre Kommunalpolitik, davon 40 Jahre als Ortsbürgermeister - warum sind Sie als junger Mann in die Politik eingestiegen?
Wendt: Ich war als Landwirt stark mit dem Ort verbunden und wollte mich einbringen und die Entwicklung Fleestedts mitgestalten.
WOCHENBLATT: Was hat Ihnen in Ihrem Amt am meisten Spaß gemacht?
Wendt: Es macht Freude, wenn man den Menschen helfen kann. Ich war gern Ansprechpartner. Die Zusammenarbeit im Ortsrat war außerdem immer sehr konstruktiv. Wir haben uns gemeinsam bemüht, etwas für Fleestedt zu erreichen - ohne dabei nur den eigenen Kirchturm im Blick zu haben.
WOCHENBLATT: Gab es Momente, in denen Sie die Nase voll hatten von der Kommunalpolitik?
Wendt: Die Art und Weise, wie ich und ein Parteikollege im Zuge des Baus des neuen Sportzentrums kritisiert wurden, war nicht schön. Da habe ich mich angegriffen gefühlt.
WOCHENBLATT: Ihnen wurde damals vorgeworfen, dass Ihre Grundstücke zu überteuerten Preisen an die Gemeinde verkauft zu haben.
Wendt: Wir hätten das Sportzentrum auch an einem anderen Standort gebaut, aber dort waren die Besitzer der Flächen entweder gar nicht bereit, zu verkaufen, oder die Grundstücke waren viel zu teuer. Kritik an einer solchen Entscheidung zu äußern, ist vollkommen in Ordnung, aber dabei sollte man gewisse Grenzen nicht überschreiten.
WOCHENBLATT: Was wünschen Sie sich für den Fleestedt?
Wendt: Ich hoffe, dass sich der Ort auch künftig behutsam weiter entwickelt. Derzeit tut sich mit der Bebauung des alten Sportplatzes, dem Lidl-Neubau und dem geplanten Autohaus einiges in Fleestedt. Die geplante Bebauung des alten Sportplatzes bietet eine tolle Chance, auch barrierefreies Wohnen in der Ortsmitte zu ermöglichen. Viele ältere Menschen möchten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, wenn Sie im Alter in eine kleinere Wohnung ziehen wollen.
WOCHENBLATT: Fällt Ihnen der Gedanke schwer, künftig an politischen Entscheidungen nicht mehr beteiligt zu sein?
Wendt: Nein, überhaupt nicht. Man muss loslassen können. Das fiel mir noch nie schwer.
WOCHENBLATT: Haben Sie einen Rat für Ihren Nachfolger?
Wendt: Ein Ortsbürgermeister sollte immer ein offenes Ohr für die Bürger haben. Sicher kann man nicht jedes Problem auf die Schnelle lösen, aber zuzuhören und die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen, ist ein erster wichtiger Schritt.
WOCHENBLATT: Und was fangen Sie nun mit der neu gewonnen Freizeit an?
Wendt: Da habe ich noch gar keine Pläne gemacht. Ich bin in vielen Vereinen, arbeite gern im Garten und freue mich einfach darauf, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.
WOCHENBLATT: Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person Adolf Wendt

Adolf Wendt wurde im Mai 1941 in Hamburg-Sinstorf geboren. 1954 zog seine Familie nach Fleestedt, nachdem Wendts Mutter das Haus ihrer Eltern geerbt hatte. Adolf Wendt begann eine Lehre in der elterlichen Landwirtschaft. Mitte der 1960er Jahre legte er seine Prüfung zum Landwirtschaftsmeister ab, übernahm 1974 den elterlichen Betrieb. Fünf Jahre später wechselte Wendt ins Versicherungsfach, gab die Landwirtschaft nach und nach auf. 2005 übergab er die Versicherungsagentur an seinen Nachfolger.
Seit 1968 engagiert sich Wendt politisch, zunächst im Gemeinderat Fleestedt, nach Gründung der Gemeinde Seevetal im Jahr 1972 im Ortsrat. Seit 1980 ist Adolf Wendt Mitglied im Seevetaler Gemeinderat, seit 1996 Kreistagsabgeordneter. Zudem engagiert er sich in zahlreichen Vereinen und Verbänden, darunter das DRK, die Kreisjägerschaft, die Kriegsgräberfürsorge, im Förderverein Kiekeberg und der Flüchtlingsinitiative "Hand in Hand" in Fleestedt. Besonders am Herz liegt Wendt die Feuerwehr, bei der er selbst 43 Jahre aktives Mitglied war.
Adolf Wendt ist verheiratet und hat drei Kinder.