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Alternative zur Decatur-Brücke: Es gibt keinen Favoriten

Eine echte Alternative für die Decatur-Brücke zeichnet sich derzeit noch nicht ab
kb. Seevetal. kb. Seevetal. Es ist ein bisschen wie das Fischen im Trüben, was Politik und Verwaltung in Seevetal derzeit betreiben müssen. Im Wege- und Verkehrsausschuss wurde erneut deutlich, dass die Suche nach einer Alternative zur Decatur-Brücke über dem Rangierbahnhof Maschen vor allem ein Jonglieren mit Unbekannten ist. Zu den Kosten von möglichen Alternativ-Bauwerken liegen naturgemäß nur Schätzungen vor, unklar ist, ob die Gemeinde der Deutschen Bahn (DB) eine Zuwegung innerhalb des Rangierbahnhofs bauen muss, damit das dort gelegene Betriebsgelände erreicht werden kann, und auch in welcher Höhe Fördergelder für einen Brückenneubau fließen werden, ist derzeit offen. Und zu allem Überfluss zeichnet sich auch bei der Alternativsuche keine zu favorisierende Variante ab.
Anja Urbanek vom Planungsbüro Sweco präsentierte im Ausschuss noch einmal die bisherigen Ergebnisse aus dem Abwägungsverfahren. Mögliche Alternativen - u.a. der Bau einer neuen Brücke am selben Ort oder die Errichtung einer Fuß- und Radwegebrücke - wurden im Verfahren anhand bestimmter Kriterien - z.B. Kosten, Umsetzungsdauer, Erreichbarkeit der Bahnhöfe - mit Punkten versehen. „In der Gesamtschau sind alle Varianten recht nah beieinander“, so das Fazit von Urbanek. Eine klare Vorzugsvariante gebe es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Wie berichtet liegen die geschätzten Gesamtkosten für den Bau einer neuen Brücke bei rund 74 Millionen Euro. Selbst nach Abzug möglicher Fördergelder blieben nach derzeitigen Schätzungen rund 40 Millionen Euro bei der Gemeinde hängen - eine Summe, die den Haushalt Seevetals schlicht sprengt.
Im Hinblick auf die gerichtliche Auseinandersetzung mit der DB gaben sich die Ausschussmitglieder kämpferisch. „Die Frage ist, ob und was wir der DB bauen müssen. Die haben doch damals mit dem Rangierbahnhof Ortschaften geteilt und in eine bestehende Struktur hineingebaut“, so der Ausschussvorsitzende Willy Klingenberg (Freie Wähler). Knut-Michael Wichalski (AfD) sagte, ihm sei kein Fall bekannt, in dem eine Kommune verpflichtet wurde, eine Binnenerschließung für einen Dritten zu schaffen. „Wir können ja gerne eine Straße an das Bahn-Gelände heran bauen, aber ich bezweifle, dass wir die Erschließung innerhalb des Areals übernehmen müssen“, so Wichalski. Deutlich wurde auch Angelika Tumuschat-Bruhn (SPD): „Wenn alle - Hamburg, Niedersachsen, der Bund und die Bahn - eine Brücke wollen, dann sollen sie sich gefälligst auch alle Gedanken darüber machen, wie sich das finanzieren lässt.“ Ihr Vorschlag, um einer Lösung näher zu kommen: die Einsetzung eines unabhängigen Schlichters. Eine konkrete Idee, wer das sein könnte, hatte Tumuschat-Bruhn allerdings auch nicht.
Kritik aus allen Parteien kam auch in Bezug auf den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg (das WOCHENBLATT berichtete), das der DB in der vergangenen Woche die Nutzung des ersten Teilstücks der Brücke erlaubt hatte - wenn auch unter hohen Sicherheitsauflagen. Wichalski fand klare Worte: „Der Beschluss ist juristisch falsch, die Kammer hat sich vor den technischen Frage gedrückt, es wurde unsauber gearbeitet.“
Die möglichen Alternativen zur Decatur-Brücke sollen nun in den Fraktionen beraten werden. Ziellinie ist weiterhin, dass der Gemeinderat im Dezember einen richtungsweisenden Beschluss fasst.