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Decatur-Brücke: Suche nach Alternativen / Mega-Schulden drohen

Hat die Belange Seevetals im Blick: Bürgermeisterin Martina Oertzen neben Vertretern der DB beim Dialogforum
kb. Seevetal. 74 Millionen Euro: Ein Raunen ging am vergangenen Dienstag beim zweiten Dialogforum zur Decatur-Brücke im Helbach-Haus durch den Saal, als die Summe genannt wurde, die ein Brücken-Neubau über dem Rangierbahnhof Maschen kosten würde. Die Vorstellung möglicher Alternativen zur derzeitigen Verbindung zwischen Maschen und Hörsten und deren Machbarkeit stand bei der Veranstaltung, zu der rund 100 Bürger erschienen waren, im Mittelpunkt. Deutlich wurde: Eine wirklich günstige Alternative zur Decatur-Brücke wird es nicht geben - egal für welche Variante sich die Politik am Ende entscheidet.
Vorschläge aus Politik, Verwaltung und von den Bürgern waren in die Erarbeitung möglicher Alternativvarianten zur Decatur-Brücke eingeflossen. Das Planungsbüro Sweco, das den Prozess zur Entscheidungsfindung begleitet, hatte diese Vorschläge auf Machbarkeit und Kosten hin überprüft. Übrig blieben letztlich fünf Varianten: der Bau einer ähnlichen Brücke an ungefähr derselben Stelle (74 Mio. Euro), eine verkürzte Brücke an anderer Stelle (73 Millionen Euro), der Bau einer Fuß- und Radwegbrücke (36 Mio. Euro), der Ausbau der Viehtrift zum Fuß- und Radwegtunnel (11,4 Mio. Euro) und ein Ausbau der Straßen "Am Hörstenfeld" und "Hinter der Bahn" auf Steller Gebiet (10,4 Mio. Euro). Schwierigkeit bei den letzten drei Varianten: Sollte die Gemeinde verpflichtet werden, der Deutschen Bahn (DB) eine Zuwegung zum Werksgelände zu schaffen, das zwischen den Gleisen liegt, müsste zusätzlich eine Brücke für die DB gebaut werden. Die geschätzten Kosten: zwischen 28 und 31 Millionen Euro.
Immer wieder Thema bei den Kosten: mögliche Fördergelder. Grundsätzlich gilt, dass bei einem Brückenneubau der Abriss der alten Brücke und die Baukosten förderfähig wären, bei den anderen Varianten könnten zumindest für die Baukosten Fördergelder eingeworben werden. Die Kosten für den DB-Zubringer zum Werksgelände müsste die Gemeinde im schlimmsten Fall voll tragen - Fördergelder gibt es keine, weil die Brücke nicht der Allgemeinheit dient.
Für Seevetal bedeutet jede der möglichen Varianten einen rapiden Anstieg der Verschuldung - denn ohne Kredite ist eine Finanzierung nicht denkbar. Bürgermeisterin Martina Oertzen appellierte daher erneut an Bund und Land: "Nur gemeinsam können wir hier eine Lösung finden." Mit der Deutschen Bahn bleibt man im Dialog, das bestätigten auch die anwesenden Bahn-Vertreter.
Weniger Dialogbereitschaft herrschte zum Teil in der Zuhörerschaft. "Vielleicht müssen wir den Bahnhof einfach mal für einen Tag lahmlegen, damit etwas passiert", so ein Bürger. Immer wieder kam auch die Forderung, die Decatur-Brücke zumindest für Fußgänger und Radfahrer freizugeben. Diesem Wunsch erteilte Bauamtsleiter Gerd Rexrodt eine deutliche Absage: "Die Gutachten lassen eine Nutzung nicht zu, wir müssen uns an die rechtlichen Vorgaben halten."
Martina Oertzen zieht trotz aller Schwierigkeiten ein positives Fazit aus der Veranstaltung. "Es war wichtig, die Bevölkerung über die technischen Möglichkeiten, die Kosten und die Realisierungszeiträume möglicher Alternativen zu informieren." Sie zeigte sich zudem erfreut darüber, dass auch DB-Vertreter "trotz der unterschiedlichen juristischen Ansichten" am Abend dabei waren.
Wie geht es weiter? Die Sweco wird einen Bericht zu den verschiedenen Handlungsoptionen erstellen, der als Entscheidungsgrundlage dienen soll. Dieser wird am 13. September im Wege- und Verkehrsausschuss präsentiert. Weiterhin besteht die Maßgabe, auf der Gemeinderatssitzung am 13. Dezember einen politischen Beschluss herbeizuführen.

Kommentar:

Entscheidung kaum möglich

Die Vorstellung der Alternativen zur derzeitigen Decatur-Brücke brachte neben den enormen Kosten, die drohen, eine wesentliche Erkenntnis zum Vorschein: In dieser Gleichung gibt es eine Unbekannte zu viel. Wie soll der Gemeinderat im Dezember eine Entscheidung treffen, wenn bislang nicht klar ist, ob Seevetal der DB auf ihre Kosten eine Zuwegung zum Werksgelände bauen muss und wie diese auszusehen hat?
Die Bahn wird auf diese Forderung - so sieht es derzeit aus - nicht verzichten, die Gemeinde hat bislang deutlich signalisiert, dass sie nicht bereit ist, dem nachzukommen. Ob das Ganze vor Gericht landet oder es doch noch zu einer Einigung kommt - unklar. Es wäre an der Zeit, dass Bund und Land endlich aus der Deckung kommen und der Gemeinde für den Ernstfall verbindlich finanzielle Unterstützung zusagen - nur dann ließe sich planen. Dass die Seevetaler Bürger und Gewerbetreibenden mit ihren Steuern dem Unternehmen Bahn ein 30 Millionen Euro schweres Geschenk machen - dieser Gedanke ist absurd. Katja Bendig