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Ein Jahr informelles Handlungskonzept: Verwaltung der Gemeinde Seevetal ist zufrieden

"Im Bereich seniorengerechtes Wohnen hat sich nichts getan": Martina Oertzen
kb. Seevetal. Seit 2012 hatten Verwaltung und Politik in Seevetal darüber diskutiert, wie sich die Entwicklung der Gemeinde am besten planen lässt. Schließlich wurde vor gut einem Jahr weder ein neuer Flächennutzungsplan aufgestellt, noch der alte fortgeschrieben, sondern ein sogenanntes "informelles Handlungskonzept" verabschiedet (das WOCHENBLATT berichtete). Es enthält sowohl potenzielle Wohnbau- wie auch Gewerbeflächen unterteilt in drei verschiedene Kategorien. Während einige Flächen sofort in die Planung gehen könnten, ist bei einigen nur eine mittelfristige Realisierung denkbar, andere werden nur auf Initiative der Eigentümer entwickelt.
In der Gemeindeverwaltung ist man nach dem ersten Jahr zufrieden mit dem Flächenpool. "Das informelle Handlungskonzept hat sich bewährt", so Bürgermeisterin Martina Oertzen gegenüber dem WOCHENBLATT. Schwachstellen hätten sich bisher nicht gezeigt, allerdings gebe es bei grundsätzlich entwicklungsfähigen Flächen naturgemäß Hemmnisse, wie beispielsweise die Interessenlagen der beteiligten Grundeigentümer. Notwendig sei auch, dass die Gemeinde an einigen Stellen in Vorleistung gehen müsse und ein Mehrwert erst später erreicht würde.
Eine große Nachfrage besteht in Seevetal im Bereich des seniorengerechten und betreuten Wohnens. Hier hat das informelle Handlungskonzept bisher keine neuen Möglichkeiten ergeben. "Die Nachfrage konnte bisher nicht annähernd befriedigt werden, eine kurzfristige Umsetzung ist derzeit nicht denkbar", stellt Martina Oertzen fest. Eine Fläche in Emmelndorf, auf der ein "Senioren-Therapiezentrum" angedacht war, ist gar aus dem Konzept geflogen. Zu überdimensioniert schienen der Politik die Pläne des Unternehmens HVVG.
Eng wird es in Seevetal auch was die Gewerbeflächen angeht. In diesem Jahr scheint sich nun zumindest etwas zu bewegen. "Wir werden die planerischen Grundlagen für die Erweiterung der Gewerbegebiete in Hittfeld und Beckedorf schaffen", so Oertzen. Eine weitere kleine Fläche soll in Hittfeld in der Nähe der Autobahnauffahrt entstehen. "Wir haben aber deutlich mehr Nachfragen als wir derzeit Flächen anbieten können", sagt die Bürgermeisterin.
In der finalen Abstimmungsphase zwischen Investor und dem Land Niedersachsen befindet sich der geplante Umzug der Seevetaler Polizei auf das sogenannte "Sonnenblumenfeld" in Maschen. Hier könnte demnächst das offizielle Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden.
In direkter Nähe zum "Sonnenblumenfeld" liegt die potenzielle Gewerbefläche "Maschen Ost/Winsener Straße". Dazu hieß es im informellen Handlungskonzept, dass kurzfristig mit der Detailplanung begonnen werden könnte - doch hat sich in den vergangenen zwölf Monaten tatsächlich etwas getan? Ja, zumindest auf dem Papier. "Uns liegt seit Kurzem ein Gutachten zur inneren und äußeren Erschließung bezogen auf Straßen und Oberflächenwasser vor", so Bauamtsleiter Gerd Rexrodt. Die Ergebnisse würden jetzt mit allen Beteiligten ausgewertet.
Bleibt abzuwarten, was sich in diesem Jahr in Sachen Flächenplanung tut. Vielleicht bringt die Kommunalwahl klarere Mehrheiten und damit schnellere Entscheidungen.


Kommentar:


Die Mühlen mahlen langsam

Als vor gut einem Jahr das informelle Handlungskonzept verabschiedet wurde, konnte man in Seevetal beinahe so etwas wie Aufbruchstimmung spüren. Dieser konkrete Pool mit entwicklungsfähigen Flächen - ein nicht geringer Teil davon sogar mit kurzfristiger Realisierungschance - suggerierte, dass sich etwas zügig bewegen lässt. Nun ist ein Fazit nach erst einem Jahr vielleicht etwas verfrüht, aber eines kann man doch feststellen: So wirklich aufs Gas getreten ist man in Seevetal trotz dringend benötigter Wohn- und Gewerbeflächen nicht. Stattdessen werden Projekte wie die Bebauung des Gebietes "Nördlich Göhlenbach" endlos diskutiert, bis sich die Politik auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt hat. Bei den Gewerbegebieten sind derzeit auch keine großen Würfe in Sicht. Dabei ist die Gemeinde mehr denn je auf Steuereinnahmen angewiesen. Gründlich abzuwägen ist sicher gut, manchmal braucht es aber auch einfach den Mut für Entscheidungen.

Katja Bendig