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Entscheidung ist gefallen: May-Gruppe ist in Hittfeld am Zug

So könnte es in Hittfeld künftig aussehen: Zwischen Scheune (li.) und "100-jähriger" (re.) führt ein Fußweg Richtung Aldi und Edeka (Foto: SKAI/May & Co.)
 
Blick vom Parkplatz Richtung Aldi (li.) und Edeka (re.) (Foto: SKAI/May & Co.)
kb. Hittfeld. Seit 2012 beschäftigt sich die Unternehmensgruppe May &. Co. aus Itzehoe mit der Umgestaltung von Hittfelds Ortsmitte rund um das Areal des Traditionsgasthauses "Zum 100-jährigen" - jetzt hat sie dafür auch einen politischen Auftrag. Der Planungs- und Umweltausschuss hat sich auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig für das Konzept der May-Gruppe ausgesprochen, das neben dem Erhalt des "100-jährigen" und der dazugehörigen Scheune auch die Erweiterung des örtlichen Edeka-Marktes, einen neuen Aldi-Markt und acht barrierefreie Wohneinheiten über dem Aldi vorsieht. Die Melchert GmbH konnte mit ihrem Vorschlag, der u.a. den Bau von 45 Wohnungen beinhaltete, nicht überzeugen. Die terra Real Estate aus Buchholz hatte sich, wie berichtet, schon vorher aus dem Verfahren zurückgezogen.
Mit der Entscheidung im Ausschuss ist das jahrelange Tauziehen um die bestmögliche Lösung für das Areal beendet. Doch auch wenn das Votum einstimmig ausfiel, echte Begeisterung konnte man auf der Sitzung nicht ausmachen. Bei dem nun beschlossenen Konzept handelt es sicher eher um eine Vernunftentscheidung - zu deren Zustandekommen auch die Nachbesserungen von May & Co. beigetragen haben. Ursprünglich waren im May-Konzept keine Wohnungen vorgesehen. Auch die aufwendigere Fassadengestaltung mit einem Mix aus Materialien dürfte als Entgegenkommen des Investors gewertet werden. Auschlaggebend war letztlich auch, dass sich die May-Gruppe in einem städtebaulichen Vertrag für den Erhalt des "100-jährigen" verpflichten will.
Auf der Sitzung präsentierte Projektmanager Jörg Ravens noch einmal das Konzept der May-Gruppe. Der "100-jährige" und die Scheune werden nicht länger durch eine Straße getrennt und sollen künftig gastronomisch genutzt werden. Die Anbauten an der Destille werden abgerissen, die Destille selbst könnte z.B. für den Verkauf regionaler und saisonaler Produkte, für eine Eisdiele oder auch Dienstleistungsgewerbe genutzt werden. Die Wohnungen werden über dem Aldi gebaut, dessen restliches Flachdach eingegrünt wird. "Vom Parkplatz aus wirkt die Bebauung durch den Materialmix bei den Fassaden wie eine gewachsene Stadtstruktur", so Ruschmeyer. Wenn es nach dem Investor geht, wird sich das Innere des "100-jährigen" nur wenig verändern. "Natürlich erneuern wir Küche und sanitäre Einrichtungen, aber die historische Einrichtung, Wand und Bodenbeläge sollte man erhalten. Alles andere wäre Unfug", machte Ruschmeyer deutlich. Die Anzahl der Parkplätze zwischen Aldi und Edeka wird zwischen knapp 60 und 70 liegen - je nachdem, ob der Aldi-Markt mit oder - wahrscheinlicher - ohne Arkaden gebaut wird.
Bauamtsleiter Gerd Rexrodt regte an, im Zuge der Maßnahme auch über eine Umgestaltung der Rathaus-Parkplätze nachzudenken. "Eventuell könnten wir dadurch eine bessere Verbindung zwischen dem neuen Areal und der Kirchstraße schaffen", so Rexrodt.
Als nächstes wird der Verwaltungsausschuss Mitte Juni den Aufstellungsbeschluss fassen, dann startet das Bauleitverfahren inklusive Bürgerbeteiligung, das voraussichtlich ca. eineinhalb Jahr dauern wird. Mit ersten Baumaßnahmen ist damit nicht vor Frühjahr 2019 zu rechnen.

Kommentar:

Mühlen mahlen zu langsam

Die Hittfelder können aufatmen, der Erhalt des "100-jährigen" ist gesichert. Doch wer dachte, dass es nun zügig vorangeht, irrt. Mindestens eineinhalb Jahre wird sich das Verfahren samt Änderung des Bebauungsplanes noch hinziehen - für ein Projekt, an dem die May-Gruppe bereits seit fünf (!) Jahren arbeitet. Als Laie fragt man sich, warum diese Maßnahme nicht schneller auf den Weg gebracht werden kann - trotz gesetzlicher Fristen und Verfahrensvorgaben. Die groben Planungen lagen schließlich schon lange vor und auch wenn bisher nicht endgültig entschieden war, WAS passiert, so war doch klar DAS etwas passiert. Das Beispiel "100-jähriger" zeigt wieder einmal, wie langsam die Mühlen von Politik und Verwaltung mahlen. Dass manch Investor mit guten Ideen bei solchen Aussichten vielleicht lieber gleich die Finger von einem solchen Projekt lässt, dürfte nicht verwundern. Katja Bendig