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Geplante Asylbewerberunterkunft: Emotionen bei Info-Abend in Fleestedt kochten hoch

Bei der Info-Veranstaltung in Fleestedt (v. li.): Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen, Erster Kreisrat Kai Uffelmann, Kreissprecher Johannes Freudewald und Reiner Kaminski, Bereichsleiter Soziales
kb/bim. Fleestedt/Heidenau. Verständnis, aber auch Wut und Ablehnung: Beim Info-Abend des Landkreises Harburg zur geplanten Asylbewerber-Unterkunft in Fleestedt am Mittwoch schlugen die Emotionen zum Teil hoch. Mehrere hundert Bürger waren zur Veranstaltung erschienen und machten aus ihrer Ablehnung gegenüber dem geplanten Standort der Einrichtung zum Teil keinen Hehl. Dabei schwangen oft deutliche Ressentiments gegenüber den Flüchtlingen mit.
Die Asylbewerberunterkunft in Fleestedt mit 88 Plätzen ist die erste in Seevetal, die in unmittelbarer Nähe zu einer Grundschule gebaut werden soll. Mehrere Alternativ-Standorte wurden vom Landkreis zwar geprüft, aber für ungeeignet befunden, u.a. aus baurechtlichen Gründen. Das Problem: der Lärmschutz. Als Reiner Kaminski, Bereichsleiter für Soziales beim Kreis, diesen Punkt erläuterte, schlug ihm zum Teil blanker Hohn entgegen. "Auf Lärmschutz wird Rücksicht genommen, aber auf unserer Kinder nicht. Die müssen sich das Elend mit anschauen", so ein wütender Bürger. Andere Anwohner forderten mehr Flexibilität bei der Auslegung der gesetzlichen Vorschriften, schließlich habe Kanzlerin Merkel selbst kürzlich "deutsche Flexibilität" angemahnt. Doch so einfach sei das nicht, so Kaminski. "Der Kreis kann sich nicht über geltendes Recht hinwegsetzen." Eine Botschaft, die nicht jeden erreichte.
Sogar das Wort "Propaganda" fiel, als Kai Uffelmann, Erster Kreisrat, von seinen eigenen Erfahrungen mit Flüchtlingen berichtete und schilderte, wie offen seine eigenen Kinder auf die Fremden zugehen. "Wir sprechen hier nicht über Gefahren, wir sprechen über Menschen", machte Uffelmann deutlich.
Die Stimmung schlug erst um, als Ehrenamtliche aus den Reihen der Flüchtlingshilfen von ihrer Arbeit berichteten und schilderten wie motiviert die Asylbewerber die deutsche Sprache lernen, wie dankbar sie für jede Unterstützung sind und wie viel Spaß der Austausch mit ihnen macht. "Sie haben mir einen Teil meiner Ängste genommen", sagte ein Zuhörer.
In Fleestedt werden die Asylbewerber vermutlich im November die neue Unterkunft beziehen, der Bau der Containeranlage soll Mitte September beginnen. Für dieses Jahr rechnet der Kreis noch mit rund 1.000 weiteren Flüchtlingen, doch nur für rund 700 Personen gibt es laut Kaminski derzeit Unterkünfte in gesicherter Planung. Die Suche nach geeigneten Standorten geht also weiter.