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"Gibt noch einiges zu klären"

Die von der Landesregierung geplante beitragsfreie Kita stellt nicht nur die Gemeinde Seevetal vor Probleme (Foto: Fotolia/GennadiyPoznyakov)
Beitragsfreie Kita: Seevetal drohen 300.000 Euro Defizit

kb/as. Seevetal.
Die von der Landesregierung angekündigte beitragsfreie Kita und die damit für die Kommunen verbundenen Konsequenzen waren jetzt Thema im Ausschuss für Familie, Schulen und Soziales der Gemeinde Seevetal. Aktuell schießt die Gemeinde Seevetal jährlich etwa 60.000 Euro für das bereits beitragsfreie letzte Kindergartenjahr zu. Wird die Beitragsfreiheit auf alle Jahrgänge im Elementarbereich ausgeweitet, droht ein Defizit in Höhe von etwa 300.000 Euro. „Mit der vom Land angekündigten Kostenübernahme können wir nicht einmal den Status quo erhalten“, sagt Andreas Eddelbüttel von der Gemeindeverwaltung. Grundsätzlich sei der Gedanke, das System komplett auf eine Personalkostenförderung umzustellen kein schlechter. „Aber die derzeit geplante Förderung in Höhe von 52 Prozent ist für Seevetal nicht annähernd angemessen. Wir bräuchten mindestens 58,2 Prozent“, so Eddelbüttel. Für ihn hat die derzeit geplante Förderung gleich mehrere Schwachstellen. Zum einen müsste die Höhe der Quote angehoben werden, zum anderen dürften bestimmte Personalbereiche nicht von der Förderung ausgeschlossen werden. „Quereinsteiger oder Vertretungskräfte fallen im Moment noch aus dem Raster, dabei sind sehr viele Kitas auf diese Kräfte angewiesen, weil es schlicht an Personal fehlt“, weiß Eddelbüttel. Eine weitere Kostensteigerung ist durch ausgeweitete Betreuungszeiten zu erwarten. „Derzeit kalkulieren Eltern noch ganz genau, wie viele Stunden sie ihre Kinder betreuen lassen. Wenn aber der Ganztag beitragsfrei wird, ist davon auszugehen, dass deutlich mehr Eltern als bisher von diesem Angebot Gebrauch machen“, so Andreas Eddelbüttel. Von einer grundsätzlichen Steigerung bei der Kinderbetreuung in Kitas geht er allerdings nicht aus. „Wir liegen schon jetzt bei einer Quote von 100 Prozent.“
Für den Verwaltungsvertreter steht fest: „Es gibt noch einiges, was man mit dem Gesetzgeber klären muss.“ Und auch die Politik sei gefragt. „Wir regen verwaltungsseitig dazu an, sich die Seevetaler Sozialstaffel zur Berechnung der Beiträge einmal vorzunehmen und zu schauen, ob dort noch alles zeitgemäß ist“, sagt Eddelbüttel. Das betreffe z.B. die Bereiche der Kinder- und Geschwisterermäßigung, die Früh- und Spätdienste und auch die Krippenbeiträge.
Auf der Ausschuss-Sitzung wurde deutlich, dass das das Defizit noch weiter anwachsen könnte. „Gilt die Beitragsfreiheit auch für Tagesmütter? Wenn nicht, melden womöglich noch mehr Eltern ihre Kinder für die Kita an“, merkte ein Ausschussmitglied an. Auch durch das vierte beitragsfreie Jahr für die später eingeschulten werde die Nachfrage nach Kita-Plätzen steigen.
Deutliche Kritik äußerte Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen: „Wenn man die Beitragsfreiheit der Kitas verspricht, dann muss die Finanzierung auch sichergestellt sein. Die Kommunen müssen jetzt ein Versprechen ausbaden, dass die Landesregierung gegeben hat. Ich erwarte aus Hannover, dass wir nicht auf den Kosten sitzen bleiben!“