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Hausaufgaben für Agrarminister Christian Meyer nach Besuch der Behr-AG

bim. Seevetal. Die Sorgen der Landwirtschaft in Sachen Mindestlohn und Nachhaltigkeit hörte sich jetzt Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (40, Grüne) beim Besuch der Behr AG in Seevetal als einem der größten Gemüseanbaubetriebe Europas an. Von Firmenchef Rudolf Behr erfuhr er auch Interessantes über die Probleme bei der biologischen Schädlingsbekämpfung.
So hält Behr u.a. die biologische Bekämpfung mit Fressfeinden für gefährlich. „Weil wir Lebewesen in die Natur setzen, die wir nicht kontrollieren können“, so Behr. Wie wirkt es sich etwa aus, wenn Florfliegen zur Blattlausbekämpfung eingesetzt werden und es keine Läuse mehr zu fressen gibt? „Das Parlament der Pilze und Läuse hat nicht beschlossen, sich selbst zu dezimieren“, spielte Behr auf manche von der Politik beschlossene, aber für die Landwirtschaft unpraktikable Verordnung an. Bei der Behr AG setzt man u.a. auf einen breiten Kulturstand, der für eine gute Belüftung und weniger Pilzbefall sorgt, auf Netze für Kohlrabi und Brokkoli oder eine kameragesteuerte Hacke zur besseren Unkrautbekämpfung.
Die viel beschworene Regionalität sei Gift für Norddeutschland, so Rudolf Behr, weil das eine Beschränkung auf weniger Konsumenten bedeute. So vertraue der Verbraucher eher auf Produkte eines Landwirts, den er kennt, auch wenn der nicht nachhaltig produziere. Sein Salat sei z.B. in Bayern nicht gefragt, auch wenn in den dortigen Regalen teilweise minderwertigere, aber dafür regionale Waren liegen.
Auch das Mindestlohngesetz war Thema. Es mache für Saisonarbeitskräfte nur Sinn, wenn es auch kontrolliert werde, betonte Behr. Ansonsten gebe es eine Wettbewerbsverzerrung zwischen den Betrieben, die sich daran halten, und denen, die dennoch „Schlupflöcher“ finden, nicht nach Tarif zu bezahlen.
Kreislandwirt Willy Isermann und Kreislandvolkvorsitzendem Rudolf Meyer sprachen die sinkenden, für Landwirte besorgniserregenden Milchpreise an. Nach dem Wegfall der Milchquote im März werde nicht viel mehr produziert als zuvor. Dennoch hätten die Discounter schamlos mit Niedrigpreisen reagiert.
Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen war es ein großes Anliegen, Minister Christian Meyer auf die Probleme für die Gemeinde wegen der abgelehnten Knolle-Markt-Erweiterung und Discounter-Ansiedlung in Ramelsloh sowie den geplanten Bau der Tank- und Rastanlage an der A1 bei Meckelfeld hinzuweisen, der für die Landwirte wegen des Flächenverbrauchs zur Existenzbedrohung werde.
Mit diesen Informationen aus erster Hand hat Christian Meyer nun die Möglichkeit, Überzeugungsarbeit im Sinne der Landwirtschaft in Hannover zu leisten.