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Keine gemeinsame Sache: Ausschuss folgt Empfehlung des Hittfelder Ortsrates nicht

Hinter der Wiese "Am Göhlenbach" könnte sich bald Haus an Haus drängen
kb. Seevetal. Es kam, wie es kommen musste: Der Umwelt- und Planungsausschuss der Gemeinde Seevetal hat den Beschluss des Ortsrates Hittfeld zur Bebauung des Areals „Küstergarten/Schwarzer Weg“ nördlich der Straße „Am Göhlenbach“ kassiert. Der Ortsrat hatte sich nach langwierigen Diskussionen einstimmig zu dem Kompromiss durchgerungen, nur den südlichen Teil des Gebietes zu bebauen und den nördlichen als Wohngebiet aus dem Flächennutzungsplan herauszunehmen. Dieser Einschätzung wollte das Gemeindegremium auf seiner Sitzung am Mittwoch in der „Burg Seevetal“ nicht folgen. Zwar wurde zunächst nur der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für den südlichen Bereich zwischen Göhlenbach und Peperdieksberg empfohlen, der nördliche Teil bleibt jedoch im F-Plan - und könnte damit ebenfalls bebaut werden. Ein Entwurf für die Gesamtfläche existiert bereits.
Im aktuellen Planungsentwurf, den das Büro Mehring auf der Sitzung vorstellte, sind im nördlichen wie im südlichen Teil bis zu 120 Wohneinheiten vorgesehen. Mehr als doppelt so viele wie ursprünglich angedacht. Ein Schlag ins Gesicht besonders für die Bürger, die sich Ende 2011 an der Bürgerbefragung, im Bürgerforum und im Bürgerworkshop beteiligt hatten. Das deutliche Votum damals: Die Hittfelder wollen lediglich eine moderate Bebauung des Gebietes. „Ich weiß nicht, wie über 200 Wohneinheiten in Einklang zu bringen sind mit dem Ergebnis der aufwendigen Bürgerbeteiligung“, so Heiner Steeneck Orts- und Gemeinderatsmitglied der SPD. „Dann hätten wir uns das auch sparen können“, so Steeneck weiter, der lauten Applaus von den Zuhörern erntete.
Besonders gespannt waren viele Bürger, wie sich Hittfelds Ortsbürgermeister Norbert Fraederich (CDU) bei der Abstimmung über den Antrag der Freien Wähler und der Grünen verhalten würde. Dieser beinhaltete in Anlehnung an den einstimmigen Ortsratsbeschluss die Herausnahme des nördlichen Areals aus dem F-Plan. Doch obwohl Fraederich im Ortsrat am Montag noch betont hatte, dass dies der einzige Kompromiss gewesen sei, mit dem alle Parteien leben könnten, stimmte er im Planungsausschuss gegen den Antrag. Die Schuld dafür schob er vor allem dem Vorsitzenden der Freien Wähler, Willy Klingenberg, in die Schuhe. Er habe sich auf der Ortsratssitzung - bei der es zu einer Auseinandersetzung zwischen Fraederich und Klingenberg über die Informationspolitik der Freien Wähler gekommen war - unmöglich verhalten. „Die Sitzung hat mir gezeigt, dass die Gemeinsamkeit ein Ende hat“, so Fraederich.

Kommentar:


Der Bürgerwille zählt nicht

Viele Bürger sind politikmüde, beteiligen sich nicht an Entscheidungsprozessen, klagen nur, statt sich einzubringen. Warum das so ist, konnte man jetzt in Hittfeld sehen. Jahrelang wurde über das dortige Baugebiet „Küstergarten/Schwarzer Weg“ diskutiert. Schließlich wurden die Bürger in einem umfangreichen Beteiligungsverfahren ins Boot geholt. Doch anscheinend gefiel deren Votum für eine moderate Bebauung des Areals nicht. Denn jetzt wird doch alles anders gemacht. „Das ist doch alles Beschiss“, ärgerte sich ein aufgebrachter Zuhörer nach der Sitzung. In der Tat kann man sich fragen, was in den Hinterzimmern gemauschelt wird, um am Ende zum „richtigen“ Ergebnis zu kommen. Lust auf Politik macht dieses Verhalten der sogenannten Volksvertreter nicht. Katja Bendig