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"Keinen Hofknicks vor Aldi": Stimmen aus Politik und Verwaltung zum Wegzug des Zentrallagers

Schon im kommenden Jahr könnte der Standort des Zentrallagers in Ohlendorf aufgegeben werden, wenn alles nach Plan läuft
kb. Seevetal. Die Kassen sind leer und jetzt verliert Seevetal auch noch einen seiner größten Gewerbesteuerzahler: Der Wegzug des Aldi-Zentrallagers von Ohlendorf nach Stelle dürfte die Gemeinde schmerzen. Wie berichtet, könnte der Bau des neuen Zentrallagers auf der Gesamtfläche des Gewerbegebietes Fachenfelde-Süd schon im kommenden Jahr beginnen.
Bevor der Zuschlag für Stelle fiel, hatte Seevetal dem Unternehmen als neuen Standort ein rund 20 Hektar großes Gelände an der Winsener Straße bei Maschen angeboten. Die Gemeinde wollte jedoch nicht in Vorleistung gehen und in die genauere Untersuchung des Areals investieren, ohne eine Zusage von Aldi zu haben. Eine grundsätzliche Entwicklung der Fläche als Gewerbestandort hatten Fach- und Verwaltungsausschuss abgelehnt. Nur für das Aldi-Zentrallager hätte es eine Ausnahme gegeben.
Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen bedauert den Wegzug des Zentrallagers. "Besonders enttäuscht bin ich darüber, dass sich bis zum heutigen Tag kein Vertreter der Firma Aldi direkt mit uns in Verbindung gesetzt hat, um uns die Entscheidung und die Beweggründe dafür mitzuteilen", so Oertzen auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Jeder Weggang eines attraktiven Arbeitgebers sei zunächst einmal negativ und müsse aufgefangen werden. Im Hinblick auf die jetzt schon angespannte Verkehrssituation an der Anschlussstelle Maschen, die sich durch einen Umzug des Zentrallagers ins nahe gelegene Gewerbegebeit Fachenfelde-Süd noch verschärfen wird, kündigte Oertzen an, dass die Gemeinde im Rahmen der üblichen Beteiligung am Planverfahren das Hauptaugenmerk darauf legen wird, dass die Interessen der Gemeinde gewahrt werden.
In den Gemeinderatsfraktionen beurteilt man den Umzug des Zentrallagers ähnlich. "Mit dem Wegzug der Firma Aldi musste seit einiger Zeit gerechnet werden, da die Geschäftsleitung die Gespräche mit der Gemeinde trotz entsprechender Alternative nicht weitergeführt hat", sagt Walter Schulz (CDU-Fraktionsvorsitzender). Bei den Verhandlungen seien Verwaltung und Politik bis an die Grenze der noch vertretbar erscheinenden Lasten gegangen. Probleme sieht auch Schulz durch die zusätzliche Verkehrsbelastung am neuen Standort. "Das betrifft Seevetal erheblich, zumal die Gemeinde im informellen Handlungskonzept im Bereich der Autobahnanschlussstelle Maschen eigene Gewerbeentwicklungen plant", so Schulz. Er plädiert dafür, dass für die Logistik-Zentralen von Rewe und Aldi ein eigener Autobahnanschluss errichtet wird. "Eine Ertüchtigung der Anschlussstelle Maschen für die gewerbliche Entwicklung von Stelle unter finanzieller Beteiligung der Gemeinde Seevetal wird politischen Widerstand hervorrufen", ist sich Schulz sicher.
"Wir kriegen den Verkehr an der Anschlussstelle Maschen jetzt schon kaum gebändigt, da muss dringend ein Verkehrskonzept her", sagt Willy Klingenberg (Fraktionsvorsitzender Freie Wähler). Die Ansiedlung des Zentrallagers bei Maschen hätten die Freien Wähler von vornherein kritisch gesehen. "Steuereinnahmen sind das eine, aber wir haben ja auch eine städtebauliche Verantwortung", so Klingenberg. Das Risiko für einen derartigen Steuerausfall ließe sich künftig durch die Ansiedlung kleinerer Gewerbebetriebe vermeiden.
Auch Klaus-Dieter Kirchhoff (SPD-Fraktionsvorsitzender) sieht bei den Verhandlungen mit Aldi keinerlei Versäumnisse auf Seevetaler Seite. "Die Verwaltung hat genug getan", so Kirchhoff. Der Wegzug von Aldi bedeute sicher ein kurzfristiges Minus bei den Steuereinnahmen, der jetzige Standort in Ohlendorf werde jedoch sicher nicht lange leerstehen.
Auch wenn es niemand offen sagen will: Hinter vorgehaltener Hand wird deutliche Kritik am Verhandlungsstil des Discounters geübt. Aldis Forderungen seien nicht zu erfüllen gewesen. "Wir können hier keinen Hofknicks vor Aldi machen und alles funktioniert in deren Sinn", so ein Ratsmitglied.