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Landratswahlen im Kreis Harburg: Die Kandidaten im WOCHENBLATT-Interview

Shakehands: Rainer Rempe und Thomas Grambow liefern sich einen fairen Wahlkampf (Foto: mum)
 
Thomas Grambow (re.) und Rainer Rempe im Gespräch mit den WOCHENBLATT-Redakteuren Mitja Schrader (li.) und Katja Bendig (Foto: mum)
 
Der Landkreis muss sich stärker in der Metropolregion Hamburg positionieren, sagt Thomas Grambow: „Noch sind wir keine gleichberechtigten Partner.“ (Foto: mum)
(kb). Zum gemeinsamen Interview trafen sich jetzt die beiden Landratskandidaten Thomas Grambow (50, SPD, verheiratet, zwei Kinder) und Rainer Rempe (51, CDU, verheiratet, zwei Kinder) im WOCHENBLATT-Haus in Buchholz. Dabei sprachen die Kandidaten unter anderem auch über ihre persönlichen Schwerpunkte, die sie im Amt setzen wollen.
Für Thomas Grambow stehen insbesondere eine bessere Gesundheitsversorgung vor Ort, der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen wirtschaftlichem Wachstum und dem Erhalt grüner Oasen ganz oben auf der Agenda.
Rainer Rempe ist vor allem ein regelmäßiger Austausch u.a. mit Bürgern, Ehrenamtlichen und Unternehmen und die Dienstleistungsorientierung des Landkreises wichtig. Sein Ziel: Gewisse Leistungen z.B. für Senioren sollen vom Kreis künftig aus einer Hand angeboten werden. Außerdem strebt Rempe u.a. Servicegarantien z.B. bei Fristen für Baugenehmigungen im Wohnbereich an.

Hier das in Themenkomplexe gegliederte Interview:

Die Schulen im Landkreis
WOCHENBLATT: Angesichts sinkender Schülerzahlen bangen immer mehr Schulen im Kreis um ihre Existenz. Wollen Sie trotzdem an der Wahlfreiheit der Eltern festhalten?
Rempe: Die Wahlfreiheit der Eltern ist ein Vorteil und fördert den Wettbewerb zwischen den Schulen. Ich bin überzeugt davon, dass jede Schule die Chance hat, von ihren Qualitäten zu überzeugen.
Grambow: Ich denke, sinkende Schülerzahlen sind vielleicht gar nicht das Problem. Es könnte z.B. darüber nachgedacht werden, ob nicht kleinere Klassen eine Lösung wären.
WOCHENBLATT: Aber dafür ist das Land zuständig.
Grambow: Das stimmt. Aber grundsätzlich muss die Frage gestellt werden.
Rempe: Wir müssen die Entwicklung auf jeden Fall im Auge behalten. Zwar finde ich es richtig, an einer Vielfalt der Schulformen und der Wahlfreiheit festzuhalten, aber wenn wirklich die Schließung von Schulen droht, muss man das auch vor dem Hintergrund unserer erheblichen Investitionen noch mal überdenken.

Drohendes Fracking
WOCHENBLATT: Sehen Sie eine Chance, Fracking auf Landkreis-Gebiet zu verhindern?
Grambow: Wir lehnen Fracking auf ganzer Linie ab und ich habe Hoffnung, dass die rot-grüne Landesregierung dafür sorgen wird, dass in Niedersachsen nicht gefrackt wird.
Rempe: Der Kreistag und auch ich persönlich lehnen umweltgefährdendes Fracking konsequent ab. Deshalb müssen wir uns als Landkreis intensiv mit dem Landesbergamt auseinandersetzen. Leider hat man immer das Gefühl, dass da Informationen zurückgehalten werden. Das ist sehr befremdlich. Es muss deutlich mehr Transparenz geben.

Raumplanung und Klimaschutz
WOCHENBLATT: Das Klimaschutzkonzept des Landkreises sieht vor, regenerative Energien stark zu fördern. Doch erst kürzlich regte sich in Gödenstorf und Toppenstedt Widerstand gegen Windkraftanlagen. Wie kann man dieses Dilemma lösen?
Grambow: Als Landkreis dürfen wir die Menschen nicht übergehen. Widerstände vor Ort lassen sich nur mit den Bürgern lösen. Hier sollten sich auch die betroffenen Gemeinden bemühen, den Anwohnern die Vorteile z.B. von Windkraft näherzubringen.
Rempe: Klimaschutz ist eine zukunftsträchtige Aufgabe und es gibt einen breiten politischen Konsens darüber, dass wir regenerative Energien ausbauen wollen. Dennoch ist es wichtig, mit Augenmaß vorzugehen und den Dialog vor Ort zu suchen. Ich bin mir sicher, dass es auch künftig zu Diskussionen kommen wird. Gerade deshalb ist der Dialog mit unsere Bürgerinnen und Bürgern wichtig.
WOCHENBLATT: Sind die Ziele des Kreises dann überhaupt zu verwirklichen?
Grambow: Es gibt ja verschiedene Szenarien und Abstufungen beim Klimaschutzkonzept - da muss man sehen, wie sich was umsetzen lässt.
Rempe: Grundsätzlich sollten wir immer versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber am Ende muss dann auch eine Abwägung zwischen Individualinteressen und dem Allgemeinwohl stattfinden. Das ist eine wichtige Aufgabe des Landkreises und des Kreistages.

Unterbringung und Integration von Asylbewerbern
WOCHENBLATT: Das Thema Asylbewerber beschäftigt den Landkreis seit vielen Monaten. Daran wird sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Wo hakt es besonders und wie lässt sich die Situation verbessern?
Rempe: Wir haben ein großes Problem, das uns jede Woche vor neue Herausforderungen stellt und das sind fehlende Wohnungen. Container sind zwar keine optimale Lösung, aber wenn wir schnell sein müssen, geht es nicht anders. Langfristig muss man darüber nachdenken, ob es aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen sinnvoll ist, auch auf eigene Gebäude zu setzen.
Grambow: Beim Thema Integration steht für mich die Sprachförderung ganz oben. Da ist jeder Cent gut investiert. Außerdem wäre es wichtig, den Menschen eine Beschäftigung zu geben.
Rempe: Diese Beschäftigungsmöglichkeit hat der Landkreis ja bereits vorbildlich umgesetzt.
WOCHENBLATT: Wer soll das bezahlen?
Rempe: Die Finanzierung ist schwierig. Wir haben in 2014 einen Ansatz von 8,3 Mio. Euro für die Unterbringung, Versorgung und Förderung von Asylbewerbern - davon übernimmt das Land nur 2,3 Mio. Förderung ist richtig und wichtig, aber das Land und der Bund dürfen uns damit nicht alleine lassen.
Grambow: Sicher ist die Finanzierung ein Problem, aber ich finde, man darf nicht sagen: „Soviel haben wir ausgegeben, mehr können wir nicht bezahlen.“

Metropolregion Hamburg
WOCHENBLATT: Die Metropolregion Hamburg wird wegen ihrer Vorteile gepriesen. Sehen Sie den Landkreis als gleichberechtigten Partner?
Grambow: Sicher geht es unserem Landkreis auch deshalb so gut, weil wir von der Nähe zu Hamburg profitieren, aber als gleichberechtigten Partner sehe ich uns nicht. Besonders auffällig wird das beim Thema Verkehr. Grundsätzlich müssen wir uns stärker positionieren.
Rempe: Vieles davon würde ich unterstreichen. Es gibt einen wechselseitigen Nutzen, aber wir tragen natürlich auch Lasten und haben gerade bei den für uns wichtigen Verkehrs- und Pendlerfragen das Gefühl, dass Hamburg unsere Probleme nicht ernst genug nimmt. Ich würde mich als Landrat dafür einsetzen, unsere Interessen zukünftig noch stärker zu vertreten und deutliche Ansprüche an Hamburg zu stellen.