Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Leselust nimmt ab

Hier ist die leselust groß: Die Schulbücherei in Horst hat neu eröffnet Fotos: Sulzyc
 
Die Bücherei in Meckelfeld wird gestärkt und samstags öffnen

Seevetal reagiert mit Büchereireform auf Lesekrise: Zweigstellen schließen, Schulbüchereien öffnen

ts. Meckelfeld. Immer weniger Menschen in der Gemeinde Seevetal leihen Bücher in den örtlichen Büchereien aus. Das betrifft vor allem die vier Bücherei-Zweigstellen in Fleestedt, Hittfeld, Maschen und Ramelsloh, dagegen kaum die größere Zentralbibliothek in Meckelfeld. Die Gemeinde reagiert jetzt mit einer Strukturreform auf die Lesekrise.
Die drastischen Rückgänge bei den Buchentleihungen sind alarmierend: In Maschen ist die Zahl der entliehenen Medien um 21,1 Prozent zurückgegangen, in Ramelsloh um 15,6 Prozent, in Hittfeld um 9,3 Prozent und in Fleestedt um 1,3 Prozent. In der größeren und attraktiveren Zentralbücherei in Meckelfeld waren es nur 0,4 Prozent.
Für ganz Deutschland gilt: Immer weniger Menschen greifen zu Büchern. Die Zahl der Menschen, die mindestens einmal in der Woche ein Buch in die Hand nehmen, ist nach einer Allensbach-Untersuchung von 49 Prozent in 2012 auf 42 Prozent im Jahr 2017 gesunken. Auf dem Smartphone, dem heute wichtigsten Begleiter des Menschen, lesen sich Bücher eben nur schwierig.
So will Seevetal seine Bewohner wieder zum Bücherlesen animieren: Die attraktive Zentralbibliothek in Meckelfeld wird gestärkt, sie wird auch samstags öffnen. Alle vier Zweigstellen werden aufgegeben, stattdessen die Schulbibliotheken gefördert. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Zusätzliche Kosten entstehen nicht. Bis auf eine Ausnahme: eine einmalige Investition, damit Kunden der Bücherei ihre ausgeliehenen Bücher selbst verbuchen können.
Der Zeitplan sieht vor, noch in diesem Jahr, spätestens aber im März 2019 die Zweigstellen mit den Schulbüchereien zusammenzuführen. Leseangebote gehen an die Kindertagesstätten. Die Bücherei in Meckelfeld öffnet zusätzlich an jedem ersten Samstag im Monat.
Ab Januar 2019 öffnet die Bücherei in Meckelfeld zusätzlich am Dienstagvormittag und jeden Samstag. Ab 2020 verbuchen Kunden ihre Ausleihe selbst. Zusätzliche digitale Angebote wird es geben. Eine Idee ist, ein Café in dem Altbau der Bücherei zu eröffnen.
Die Zahl der Entleihungen gingen in den vergangenen elf Jahren zurück, auch bei den Kindern, sagt Gabriele Maidorn. Die Ursachen dafür sieht Seevetals Büchereileiterin in der zunehmenden Ganztagsbetreuung. "Die Kinder sind teilweise bis 17 Uhr in der Schule. Sie haben keine Zeit, die Bücherei aufzusuchen", sagt sie. Ähnlich sei es bei jungen Müttern, die arbeiten.
Das Konzept "Zukunftsfähige Bücherei" der Gemeinde Seevetal bringt das Buch deshalb zu den Jungen und Mädchen. Im Ortsteil Horst hat in der vergangenen Woche die neue Schulbücherei eröffnet. Sie arbeitet nach dem gleichen System wie die Gemeindebücherei. "Die Idee ist, dass die Kinder früh lernen, wie sie ein Buch finden und ausleihen. Hier und später in Meckelfeld", sagt Schulleiterin Silke Korff.
Das das Angebot in den Büchereien nicht attraktiv genug sei und der Grund für die Lesekrise sein könne, schließt Gabriele Maidorn aus. Die Qualität sei gut, versichert sie.
Nur etwa 30 Menschen hätten keine Möglichkeit, die Zentralbücherei aufzusuchen, wenn die Zweigstellen wegfallen. Das hat ein Arbeitskreis ermittelt. Ehrenamtliche Medienboten werden die nicht mobilen Kunden versorgen. Die Mobilität in Seevetal gilt als besonders hoch: Auf jeden Haushalt kommen statistisch gesehen 1,3 Pkw.