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Sauerei: Feuerwehrschlauch und alte Handschuhe in Feldweg verbaut

Timo Röntsch zeigt einen in den Feldweg verbauten Feuerwehrschlauch Fotos: Sulzyc
 
Ein Stück Flies - der Bauschutt birgt Überraschungen



Kuriose Fremdstoffe im Bauschutt: Kommunalpolitiker deckt misslungenen Reparaturversuch auf

(ts). Das Stück eines alten Feuerwehrschlauchs, etwa eineinhalb Meter lang. Ein knallgelber Handschuh aus Gummi. Oder auch ein zehn Zentimeter langes Stück Drainagerohr. Dinge, die in den Sonder- oder Hausmüll gehören, finden sich an der Oberfläche eines Wirtschaftsweges in Seevetal wieder. Was wie der Umweltfrevel von dreisten Unbekannten aussieht, erweist sich als misslungener Reparaturversuch: Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde haben das Material verbaut.
"Dumm gelaufen", gibt Gemeindesprecher Andreas Schmidt zu. Das Bauschuttmaterial habe die Gemeinde von einem "großen, renommierten Spezialunternehmen" aus der Region gekauft - und offenbar eine "schlechte Charge" mit dem unerwünschten Füllmaterial erwischt. Die Folge: Auf etwa 200 Metern Länge sieht der Eddelsener Weg bei Fleestedt aus wie eine Müllkippe.
Im Dezember hatte ein Landwirt die Gemeindeverwaltung gebeten, den mit Löchern und tiefen Pfützen übersäten Wirtschaftsweg zu reparieren, damit er ihn mit landwirtschaftlichen Maschinen befahren könne. Die Gemeinde leistete "Erste Hilfe", wie der Gemeindesprecher sagt, kaufte den Bauschutt ein und verbaute ihn. Vorgesehen war, nach dem Winter die erste Schicht aus grobem Material mit einer zweiten, feinkörnigen Schicht zu bedecken. Das ist aber bis heute ausgeblieben.
Warum den Bauhofmitarbeiter die ungewöhnlichen Fremdstoffe nicht aufgefallen seien, erklärt die Verwaltung so: Sie hätten sich auf die Qualität des Lieferanten verlassen. 70 Tonnen Bauschutt hat die Gemeinde verbaut. Die Kosten sind gering: 210 Euro habe das Material gekostet.
Nicht nur Landwirte nutzen den Feldweg nahe des Sportzentrums Fleestedt, sondern auch Reiter und Radfahrer aus den nahe gelegenen Ortschaften. Nahe zur Hamburger Stadtgrenze gelegen, gilt der Weg als Abkürzung in den Stadtteil Sinstorf.
Verblüfft und verärgert über spitze Fliesen und Metallteile in dem Weg, haben Bürger den Ortsratspolitiker Timo Röntsch (Freie Wähler) darauf aufmerksam gemacht. Der 35-Jährige aus Woxdorf machte sich daraufhin selbst ein Bild von dem Weg - und musste feststellen: "Das sieht ja noch schlimmer aus als die Leute erzählt haben." Timo Röntsch stellte deshalb eine Anfrage an die Gemeindeverwaltung. Wie es zu einer solchen Verschlechterung des Weges kommen konnte, obwohl neuer Schotter aufgebracht worden sei, wollte er wissen.
Mit seiner Anfrage hat der ehrenamtliche Politiker den misslungenen Reparaturversuch an die Öffentlichkeit gebracht. Im Ortsrat Fleestedt hatte Seevatals Baudezernent Gerd Rexrodt noch gesagt, der Bauschutt sei illegal eingebracht worden und die Gemeinde ermittele gegen Unbekannt. Mittlerweile hat sich die Verwaltung korrigiert: Der eigene Bauhof sei es gewesen.
"Ich begrüße, dass die Gemeinde ihrer Pflicht zur Instandhaltung von Wegen nachkommt - aber doch nicht so", sagt Timo Röntsch süffisant. Die Gemeinde will es jetzt besser machen: "Wir werden die Fremdstoffe beseitigen und den Weg mit einem Mineralgemisch abdecken, sobald die Landwirte die Rüben eingefahren haben", sagt Andreas Schmidt.
Verunreinigter Bauschutt auf Wegen in Asendorf und Marxen hatte bereits im Jahr 2013 für Ärger bei der Bevölkerung gesorgt. Damals hatten sich Anwohner über Teppichreste und Elektrokabel auf der Fahrbahnoberfläche gewundert. Den Schotter hatte das Unternehmen Otto Dörner verbaut. Der Landkreis entschied damals, dass das Material verbleiben durfte. Straßenbau ist ein Knochenjob - nicht jeder will das machen. Und Bauhofmitarbeiter sollten sich auf die Qualität des Materials verlassen dürfen, das ihr Brötchengeber bei einem renommierten Unternehmen eingekauft hat.
Auf ein Wort
Aber wenn ein öffentlicher Weg, und sei es "nur" ein Feldweg, mit Gummihandschuhen, spitzen Metallgegenständen und einem Feuerwehrschlauch ausgebessert werden soll, darf man schon einmal stutzig werden und beim Chef nachfragen, ob das seine Richtigkeit hat. Mitzudenken ist überall erlaubt - und wäre in diesem Fall gefragt gewesen. Warum nicht unkompliziert eine WhatsApp schicken?
Thomas Sulzyc Mensch, einfach mal nachfragen!