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Seit knapp einem Jahr Chefin im Seevetaler Rathaus: Martina Oertzen im WOCHENBLATT-Interview

Martina Oertzen an ihrem Schreibtisch
kb. Seevetal. "Die Zeit ist gerannt wie im Flug", findet Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen (50, CDU). Seit knapp einem Jahr ist Oertzen nun Chefin im Seevetaler Rathaus - setzte sich am 6. Oktober vergangenen Jahres in einer Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Ulrich Sauck durch. Mit WOCHENBLATT-Redakteurin Katja Bendig sprach sie über die Herausforderungen des Amtes und ihren Spaß an der Arbeit.
WOCHENBLATT: Frau Oertzen, bei Amtsantritt hatten Sie sich vorgenommen, alle Abteilungen und Mitarbeiter der Verwaltung kennenzulernen. Haben Sie das geschafft?
Oertzen: Fast. Bis auf die Ortsverwaltung Fleestedt – hier gibt es aber schon einen Termin - habe ich alle Abteilungen, Schwimmbäder, Schulen und andere gemeindliche Einrichtungen besucht. Es ist gar nicht so einfach, 330 Mitarbeiter in so kurzer Zeit zu erreichen. Ab August 2015 bilden wir übrigens auch erstmalig wieder aus. Wir suchen junge Menschen, die bei uns Verwaltungsfachangestellte werden wollen oder ein Bachelor-Studium ablegen möchten. Auch wir erleben die Auswirkungen des demografischen Wandels in den kommenden Jahren und wollen uns dem stellen.
WOCHENBLATT: Sie haben auch an fast allen Fachausschuss-Sitzungen teilgenommen. Wollen Sie das beibehalten?
Oertzen: Ja. Ich möchte wissen, was wo läuft. Es ist nicht nur wichtig, zu sehen, wie abgestimmt wird, sondern auch die Entscheidungsprozesse mitzuverfolgen und die Stimmung in den Ausschüssen zu spüren. Außerdem will ich als Ansprechpartnerin vor Ort sein.
WOCHENBLATT: Hat sich die Bürgersprechstunde bewährt, die sie eingeführt haben?
Oertzen: Auf jeden Fall. Das Interesse der Bürger ist groß. Natürlich kann man es nicht immer allen recht machen, aber im persönlichen Gespräch lässt sich vieles klären.
WOCHENBLATT: Sie sind jetzt knapp ein Jahr im Amt - wie lautet ihr erstes Fazit?
Oertzen: Zuerst einmal muss ich sagen, dass mir meine Aufgabe wirklich riesigen Spaß macht - noch mehr als ich vorher dachte. Es ist toll, mit Politik, Bürgern und Verwaltung gemeinsam zu gestalten. Deshalb finde ich die Arbeit am Flächennutzungsplan der Gemeinde besonders spannend. Für meinen Geschmack könnte es dabei manchmal durchaus etwas zügiger vorangehen. Es ist wichtig, dass wir uns als Gemeinde für die Zukunft aufstellen. Was mich bei meiner Arbeit noch beeindruckt hat, ist das große ehrenamtliche Engagement vieler Bürger. Es ist großartig, was in den Vereinen, den Feuerwehren und vielen anderen Institutionen geleistet wird.
WOCHENBLATT: Wo sehen Sie die größten Schwierigkeiten?
Oertzen: Das Thema "Betreutes Wohnen" liegt mir sehr am Herzen. Derzeit haben wir in Seevetal keinen einzigen Platz im betreuten Wohnen, da muss unbedingt etwas passieren. Und natürlich schwebt auch immer noch die geplante Raststätte bei Meckelfeld über uns. Man muss sich das nur einmal bildlich vorstellen: Da soll eine Fläche groß wie 34 Fußballfelder bebaut werden. Wenn die Raststätte realisiert würde, hätten wir in Seevetal zusammengerechnet mehr Parkraum für Lkw als in ganz Hamburg zur Verfügung steht. Da stimmt dann das Verhältnis nicht.
WOCHENBLATT: Fühlen Sie sich in dem Punkt von der Landesregierung allein gelassen?
Oertzen: Manchmal haben wir hier schon das Gefühl, dass vor allem Hamburger Interessen zählen. Hannover ist vielleicht zu weit weg. Aber wir setzen ganz klar darauf, dass die Landesregierung auch unsere Interessen vertritt und sich auch in Seevetal zeigt.
WOCHENBLATT: Seevetals finanzielle Situation ist angespannt. Wie wollen Sie der wachsenden Verschuldung begegnen?
Oertzen: Der Haushalt steht über allem. Wir müssen ganz genau prüfen, was wir uns leisten können, schließlich tragen wir Verantwortung gegenüber den Bürgern und den Generationen, die uns folgen. Wichtig ist, dass es uns gelingt, unsere Einnahmen zu festigen. Aber wir dürfen uns auch nichts vormachen - Seevetal ist eine große Gemeinde mit über 400 km Straßen und 106 Liegenschaften. Das kostet alles Geld. Viele Investitionen gehen in den Erhalt von Straßen und Gebäuden. Die müssen wir tätigen, sonst wird es auf Dauer noch teurer. Auch die Kinderbetreuung fordert uns nach wie vor sehr stark.
WOCHENBLATT: Bei all der Verantwortung und ihren vielen Aufgaben: Haben Sie ihre Entscheidung, sich zur Wahl zu stellen schon einmal bereut?
Oertzen: Nein, nicht einen Moment. Ich freue mich auf weitere sieben Jahre.
WOCHENBLATT: Vielen Dank für das Gespräch.