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Verkehrskollaps künftig verhindern: Neue Koordinierungsstelle in Hamburg

Staus aufgrund von Baumaßnahmen lassen sich zwar nicht gänzlich verhindern, eine bessere Abstimmung macht sie aber zumindest seltener (Foto: fotolia/PRILL Mediendesign)
(kb). „Stau-Chaos in der Metropolregion“, „Verkehrsinfarkt im Landkreis Harburg“: So titelte das WOCHENBLATT im September. Wochenlang hatten Autofahrer in der Region mit zahlreichen, teils parallel laufenden Baustellen, Umleitungen und dadurch verursachte Staus zu kämpfen. Schuld daran war u.a. die mangelnde Absprache der Baumaßnahmen zwischen Hamburg und Niedersachsen. Das soll sich nun ändern. Der Hamburger Senat hat eine neue Koordinierungsstelle gegründet. Ab 1. Januar sollen alle wichtigen Baustellen im Großraum Hamburg mit Schleswig-Holstein und den südlich an Hamburg angrenzenden Kreisen in Niedersachsen abgestimmt werden. Ziel ist es zu verhindern, dass erneut an vielen Stellen gleichzeitig gebaut wird und Autofahrer von einem Stau im nächsten landen.
Wie soll das funktionieren? Die Planung und Einrichtung von Baustellen auf Autobahnen und Bundesfernstraßen soll mithilfe der Software „Roads“ abgestimmt werden. „Roads“ wird in Hamburg bereits eingesetzt. In das Programm lässt sich jede Baustelle, die in den kommenden Jahren geplant ist, eintragen. Die Software berechnet daraus die Auswirkungen der Maßnahmen auf den Verkehr. Ein großer Vorteil des Systems: Alle Beteiligten haben online Zugriff auf die Daten und können sich so absprechen. Auch Anregungen von Bürgern sollen aufgenommen werden. Die Kosten teilen sich Hamburg (80 Prozent) und Schleswig-Holstein (20 Prozent). Den umliegenden Landkreisen soll „Roads“ kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die neue Koordinierungsstelle in Hamburg wird mit Carsten Butenschön (Verkehrs- und Baustellenkoordination) und Christian Merl (Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation mit Nutzern, Unternehmen, Verbänden und Anwohnern) besetzt.
Ausdrücklich begrüßt wird die Einführung der Koordinierungsstelle vom CDU-Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke. Er forderte bereits seit 2014 und zuletzt nach den chaotischen Verkehrszuständen im vergangenen Sommer die Einführung eines Verkehrkoordinators für die südliche Metropolregion. Eine Notwendigkeit zu diesem Schritt habe man im niedersächsischen Verkehrsministerium jedoch nicht gesehen.
Für Landrat Rainer Rempe ist die Koordinierungsstelle „ein großer Schritt in die richtige Richtung.“ Gleichzeitig fordert er, dass nun auch die niedersächsische Landesregierung geeignete Schritte ergreifen und das Gespräch mit Hamburg suchen muss, um den Verkehr in der Metropolregion effektiv zu koordinieren. „Eine Option wäre ein eigener Landeskoordinator, der die Einbindung der Landkreise und Kommunen in Niedersachsen sicherstellt“, so Rempe. Außerdem halte er es für erforderlich, dass auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit seinen Bussen und Bahnen Gegenstand der gemeinsamen Verkehrskoordination wird.

Kommentar:

Wo bleibt Hannover?
Etwas verärgert auf Hamburg zu schielen, weil die Hansestadt ziemlich gut darin ist, die Metropolregion vor allem zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen, gehört in den südlich angrenzenden Regionen fast schon zum guten Ton. Doch manchmal scheint es eher die fehlende Unterstützung aus Hannover zu sein, die den Landkreisen Stade und Harburg das Leben schwer macht. Ob sich hier der Verkehr staut, weil die Länder sich nicht richtig abstimmen, scheint in Hannover ziemlich egal zu sein. Wie sonst lässt sich erklären, dass die Landesregierung es bisher ablehnt, einen eigenen Verkehrskoordinator einzuführen? Und auch das Signal, sich an den Kosten für das Programm zu beteiligen, von dem auch die hiesigen Landkreise profitieren, kam zumindest offiziell bisher nicht. Es würde die Position der südlichen Metropolregion sicher stärken. Katja Bendig