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Vollsperrung der Decatur-Brücke: Bahnhof Maschen wird vom Ort abgeschnitten

Kein Auto, kein Radfahrer, nicht einmal Fußgänger: So verlassen wird die Decatur-Brücke ab dem 30. September aussehen
kb. Maschen. Die Decatur-Brücke über dem Rangierbahnhof Maschen wird ab Ende September voll gesperrt: Mit dieser Nachricht sorgte Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen auf der Sitzung des Gemeinderates in der vergangenen Woche für einen Paukenschlag (das WOCHENBLATT berichtete). Seit knapp einem Jahr läuft der Verkehr auf der Brücke ohnehin nur noch einspurig - doch auch damit wird dann Schluss sein. "Der Verwaltungsausschuss hat beschlossen, die Brücke zum 30. September dauerhaft für jeglichen Verkehr zu sperren und und den Rückbau einzuleiten", so Oertzen. Denn auch die einspurige Verkehrsführung sei bei den Nachrechnungen zweier Ingenieurbüros durchgefallen, erklärte Oertzen auf der Sitzung. "Wir müssen unsere Verkehrssicherungspflicht erfüllen", so die Bürgermeisterin.
Die Vollsperrung der Brücke wirft zahlreiche Probleme auf. Vor allem auf Pendler und die Bürger in Hörsten kommen erhebliche Einschränkungen zu. Der Bahnhof in Maschen wird durch die Vollsperrung der Brücke quasi vom Ort abgeschnitten und nur noch von Hörstener Seite zu erreichen sein.
Bereits seit Einführung der Einspurigkeit steuern die Busse, die zuvor den Bahnhof Maschen anfuhren, den Bahnhof Meckelfeld an. Doch viele Pendler fahren derzeit noch mit dem Auto oder Fahrrad zum Halt in Maschen. Ab Oktober werden sie einen erheblichen Umweg in Kauf nehmen müssen, um die Züge nach Hamburg zu erreichen. Eine Lösung könnte die Verlegung des Bahnhofs auf die westliche Seite der Schienen, also auf Ortsseite, sein. Bisher hatte die Bahn diese Idee immer pauschal abgelehnt. "Die Gemeindeverwaltung wird mit diesem Wunsch nun noch einmal an die Verantwortlichen bei der DB herantreten", so Gemeindesprecher Andreas Schmidt. Die Frage, ob eine Verlegung des Bahnhofes möglich und finanziell vertretbar sei, müsse ernsthaft geprüft werden. Sollte sich diese Variante als Option herausstellen, wäre der Neubau einer Brücke vielleicht sogar überflüssig.
Die Bürger aus Hörsten werden sich künftig wohl zumindest darüber freuen, dass der Verkehr in ihrem kleinen Ort abnimmt. Gleichzeitig können sie Maschen aber nur noch über Umwege erreichen. Besonders für Eltern, deren Kinder in Maschen zur Schule und zur Kita gehen, bedeutet das eine Umstellung. Aber auch Arztbesuche, Einkäufe oder andere Erledigungen in Maschen werden erschwert. Matthias Clausen, Ortsratsmitglied der Grünen, fordert kreative Lösungen. Man dürfe Hörsten nicht im Regen stehen lassen. "Denkbar sind zum Beispiel ein Ausbau des Anruf-Sammel-Taxis in Hörsten oder regelmäßige Fahrten mit einem Großraumtaxi", so Clausen.
Auch für das Bahn-Unternehmen DB Cargo ist die Sperrung der Brücke mit Auswirkungen verbunden. Derzeit wird das Firmengelände noch über die Brücke angefahren. "Hier gibt es aber Möglichkeiten, die Anfahrt über das Bahn-Gelände weiterhin zu gewährleisten", so Andreas Schmidt.
Einen Zeitplan für den angekündigten Rückbau der Brücke gibt es noch nicht. Die Kosten werden in Millionenhöhe liegen, denn die Brücke ist mit 750 Metern nicht nur sehr lang, sie liegt auch denkbar ungünstig an der breitesten Stelle des Rangierbahnhofes. Hier für einen Abriss den Verkehr lahm zu legen, käme nicht infrage. Der Rückbau müsste unter laufendem Betrieb stattfinden. Eine weitere Komplikation entsteht durch die sehr nah am Brückenbauwerk verlaufenden Oberleitungen.
Die Gemeindeverwaltung wird nun erneut das Gespräch mit Verkehrsminister Lies und mit der Bahn suchen.