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Vegan schlecht fürs Baby? CDU-Bundestagsabgeordnete fordert Pflichtberatung für Schwangere

Schwangerschaften werden engmaschig überwacht, die Liste von Experten-Tipps und Ratgebern ist lang. Jetzt will die CDU auch noch eine Art Ernährungs-Zwangsberatung einführen (Foto: DAK)
(kb/tk). "Kinderärzte schlagen Alarm", "Vegane Ernährung schadet Neugeborenen", "CDU fordert Ernährungs-Pflichtberatung für Schwangere" - Schlagzeilen wie diese legen derzeit den Eindruck nahe, dass eine vegane Ernährung erhebliche Risiken für Neugeborene birgt. Experten führen besonders den Vitamin B12-Mangel ins Feld, der durch den Verzicht auf jegliche tierische Produkte entstehen und im Falle einer Schwangerschaft das Risiko für neurologische Schäden erhöhen kann. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann fordert deshalb eine Art Zwangs-Ernährungsberatung für Schwangere.
Davon hält Gynäkologe Dr. Thorsten Wolff aus Neu Wulmstorf überhaupt nichts. Der Arzt hat in seiner Praxis bisher keinen einzigen Fall erlebt, in dem ein Neugeborenes durch Vitamin B12-Mangel geschädigt wurde. Auch einen steigenden Beratungsbedarf in Sachen Ernährung sieht er nicht. "Schwangere müssen grundsätzlich darauf achten, was sie zu sich nehmen. Egal ob sie alles essen, sich vegetarisch oder vegan ernähren. Das wird bereits ausreichend thematisiert", sagt Wolff.
Isabel Schaper aus Tostedt ernährt sich seit März 2013 vegan, für sie eine ethische Entscheidung. Erhöhte Gefahren durch die Ernährungsweise bestehen ihrer Ansicht nach nicht. "Voraussetzung ist natürlich, dass man sich ausgewogen ernährt", so Schaper. Aber das gelte für alle Ernährungsformen. Die Zufuhr von Vitamin B12 sichert sie selbst über Kapseln. "Das machen die meisten Veganer", so Schaper. Sich bewusst und ausgewogen zu ernähren erfordere die Bereitschaft, dazuzulernen. "Natürlich muss man sich darüber Gedanken machen, woher man sein Protein bekommt, welche Fette bzw. Fettsäuren wichtig sind oder wie man sich ausreichend mit Vitaminen versorgt", so die Veganerin. Im Fall einer Schwangerschaft würde sie nicht von ihrer derzeitigen Ernährung abweichen. "Ich würde meinen Körper unter keinen Umständen mit Tierprodukten belasten", sagt Isabel Schaper.
Christina Betzler ist Apothekerin in Buxtehude-Neukloster und ernährt sich ebenfalls vegan. Grundsätzlich könne jede Fehlernährung während der Schwangerschaft zu Problemen beim Kind führen. Das habe nichts mit vegan zu tun. Wer nur Fast Food esse, riskiere ebenfalls eine Schädigung des Babys. Weil Vitamin B12-Mangel bei Veganern aber häufiger auftreten kann, rät sie besonders Schwangeren den Wert überprüfen zu lassen. Ist der zu gering, könne der Mangel problemlos mit einem Vitaminpräparat behoben werden. Auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, sei aber jeder Frau zu raten, die ein Kind erwarte. "Das hat nichts mit vegan oder nicht-vegan zu tun", so Betzler.