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Flüchtlinge als Auszubildene: Für Karsten Egler "kein Wagnis"

Zwei, die sich verstehen: Karsten Egler (re.) und sein Auszubildender Khaldoun Sharaf
 
Pascal Marchel erklärt Khaldoun wie mit dem Diagnose-Gerät Fehler ausgelesen werden
kb. Rosengarten/Seevetal. kb. Rosengarten/Seevetal. „Khaldoun ist eine Bereicherung für unseren Betrieb. Ich kann andere Unternehmen nur ermutigen, bei der Einstellung von Auszubildenden auch Flüchtlingen eine Chance zu geben“, sagt Karsten Egler, Chef vom Autohaus Egler in Tötensen. Sein Azubi Khaldoun Sharaf (23) stammt aus Syrien und arbeitet im ersten Lehrjahr als Kfz-Mechatroniker. Obwohl sein Deutsch noch längst nicht perfekt ist: Khaldoun schlägt sich prima. Kürzlich hat er einen Lehrgang mit Note drei bestanden und seine praktischen Kenntnisse aus seiner Zeit als Kfz-Mechaniker in Syrien kommen ihm bei vielen Aufgaben zugute. „Ich arbeite gern mit den Kollegen zusammen und der Chef ist sehr nett“, sagt Khaldoun.
Der Syrer kam zunächst als Praktikant in den Betrieb von Karsten Egler. Mit Unterstützung von Gerrit Krüger von der Flüchtlingshilfe in Fleestedt fragte er einfach nach einem Platz und Egler musste nicht lange überlegen. „Ich bin hier vor Ort selber in der Flüchtlingshilfe aktiv und offen für das Thema. Khaldoun war nicht mein erster Praktikant, der aus einem Krisengebiet nach Deutschland geflüchtet ist“, erzählt Karsten Egler.
Von Beginn an erkannte er die Erfahrung des jungen Mannes, sowohl bei eher einfachen mechanischen Aufgaben, als auch im Bereich der Elektronik. „Das hat mir gut gefallen“, so Egler. Um zu klären, ob eine Ausbildung für Khaldoun Sinn ergibt, besuchte der Syrer einen Berufseignungslehrgang angeboten von der Handwerkskammer. Mit Erfolg: Seit August vergangenen Jahres hat er seinen Ausbildungsvertrag in der Tasche.
Für seine Kollegen ist Khaldoun zwar kein Azubi wie jeder andere, echte Probleme sehen sie aber keine. „Jeder Auszubildende macht zusätzliche Arbeit, weil man vieles erklären muss - da macht Khaldoun keine Ausnahme. Aber im Gegenzug hat er viele Kenntnisse mitgebracht, die uns den Arbeitsalltag erleichtern“, sagt Kfz-Technikermeister Pascal Marchel. Und wenn es mit der Sprache einmal hapert, behelfen sich die Kollegen mit Händen und Füßen.
Das Erstaunliche: Khaldoun hat sich selber Deutsch beigebracht - denn weil er noch nicht anerkannt ist, bekommt er keinen Integrationskurs bezahlt. Die Kosten dafür übernimmt jetzt die Flüchtlingshilfe in Fleestedt. „Wir wollen damit sicherstellen, dass Khaldoun seine Ausbildung erfolgreich abschließt“, sagt Gerrit Krüger. „In der Berufsschule dürfen sich die Flüchtlinge mit Übersetzungsprogrammen behelfen, doch gute Sprachkenntnisse sind ganz wichtig“, weiß auch Karsten Egler. Er könnte sich gut vorstellen, Khaldoun nach der Ausbildung zu übernehmen. Langfristig hat sein Lehrling größere Pläne. Wenn wieder Frieden in Syrien herrscht, will er sich dort mit einer eigenen Kfz-Werkstatt selbstständig machen.
Karsten Egler bekommt viele Anrufe von anderen Unternehmen, die nach seinen Erfahrungen fragen. Einige haben nach dem Gespräch ebenfalls einen Flüchtling als Azubi eingestellt. „Es ist absolut kein Wagnis, auf das man sich da einlässt“, sagt er. „Die jungen Leute, die ich kennengelernt habe, sind sehr motiviert, fleißig, pünktlich und haben eine Arbeitseinstellung, die man bei manch einem Schulabgänger hierzulande vermisst“, so Egler.
• Unternehmer, die darüber nachdenken, einen Flüchtling einzustellen, können sich an die Flüchtlingsinitiative Fleestedt wenden, die Kontakte vermittelt und Tipps gibt. Homepage: http://www.fleestedthandinhand.de ; E-Mail: Gerrit@fleestedthandinhand.de.