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Schöne neue Arbeitswelt? Chancen und Risiken flexibler Arbeitsmodelle

Von zu Hause aus zu arbeiten bietet Flexibilität, erfordert aber auch Disziplin und im besten Fall klare Regelungen. Mit dem Kind auf dem Schoß klappt das nur fürs Foto (Foto: Fotolia/AntonioDiaz)
 
Prof. Dr. Jens Meissner
kb. Buchholz. Statt mit Krawatte und Anzug im Büro zu sitzen, in Hausschuhen vom heimischen Küchentisch aus die Arbeit zu erledigen - für viele Arbeitnehmer ein durchaus attraktiver Gedanke und in Zeiten von immer größer werdender digitaler Vernetzung in vielen Berufen auch kein Problem mehr. Das Home-Office ist einer der Trends der modernen Arbeitswelt, über deren Vorteile und Risiken Prof. Dr. Jens Meissner von der Hochschule Luzern jetzt im ISI-Zentrum für Gründung, Business und Innovation in Buchholz sprach.
Meissner ist Professor für Organisation, Innovation und Risikomanagement. Für ihn birgt die "schöne neue Arbeitswelt" neben reizvollen Optionen auch zahlreiche Konfliktpunkte. Denn die zunehmende Flexibilität von Arbeitszeiten und -modellen wirft zahlreiche Fragen auf. "Wie schnell muss ich auf E-Mails reagieren? Wann muss ich erreichbar sein? Wie wird die Arbeitszeit erfasst? Das sind nur einige von vielen Punkten, die geklärt werden müssen", so Meissner.
Die Gründe von Unternehmen, Home-Office-Tage oder andere flexible Arbeitsmodelle einzuführen, seien völlig unterschiedlich, so der Experte. Bei Microsoft in der Schweiz habe man sich z.B. gefragt, wie man sich im Falle einer Pandemie am besten positionieren kann. In Zeiten des Fachkräftemangels können flexible Arbeitsbedingungen aber auch ein attraktives Merkmal des Arbeitgebers sein und Vorteile bei der Suche nach neuen Mitarbeitern bringen.
Flexible Arbeitszeiten, flachere Hierarchien und digitale Vernetzung stellen sowohl den einzelnen Mitarbeiter als auch Firmen und Gesetzgeber vor neue Herausforderungen. "Wenn ich z.B. regelmäßig in der Bahn mit meinem Laptop auf den Knien arbeite, stellt sich die Frage nach dem Gesundheitsschutz. Nicht nur wegen der eher ungünstigen Körperhaltung, sondern auch der Strahlung", so Meissner. Rechtliche Rahmenbedingungen für virtuelle Arbeiten seien ebenfalls ein Thema. Wo sitzt die Firma, die die Aufträge vergibt? Wer führt Arbeitgeberbeiträge ab?
Für alle Fragen, die innerhalb eines Unternehmens auftreten, empfiehlt Meissner einen "Code of Conduct", einen Verhaltenskodex, aufzustellen. Darin kann z.B. ganz klar festgehalten werden, welche fixen Bürozeiten es trotz Home-Office-Regelung gibt, wann ein Mitarbeiter erreichbar sein muss und wo die Grenzen für die flexiblen Arbeitszeiten liegen. Home-Office und flexible Arbeitsmodelle - für viele Arbeitnehmer sei dies kein eigener Wunsch, so Meissner. "Der Anspruch nach mehr Flexibilität wird häufig von außen an die Mitarbeiter herangetragen." Ein Problem dabei: Je mehr die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verwischen, desto schwieriger sei es häufig, eine gesunde Work-Life-Balance aufrecht zu erhalten. "Wenn ich das Gefühl habe, dass ich praktisch immer erreichbar sein muss, gelingt es nicht, abzuschalten", weiß Meissner.
Unternehmen, die über die Einführung flexiblerer Arbeitsmodelle nachdenken, rät Meissner mit einem Pilotprojekt zu starten. Und auch genau hinzuschauen, für welche Mitarbeitergruppen sich ein solches Modell eignet. Der Professor ist überzeugt davon, dass die Arbeitsvielfalt durch Mobilisierung und Flexibilisierung unaufhaltsam zunehmen wird. "Aber nur weil es neue Arbeitsformen gibt, heißt es nicht. dass alle alten Strukturen schlecht sind", so Meissner.
• Infos zu weiteren Veranstaltungen im ISI-Zentrum auf http://www.isi-wlh.eu/isi-zentrum.html .