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Der zähe "Zocker"-Prozess

Pozessauftakt im August: Gerichtssprecherin Petra Baars (v. li.), Staatsanwaltschaftssprecher Kai Thomas Breas, ein Justizbeamter, Anwalt Frank Jansen und Angeklagter Jens L.

Verteidiger wirft Staatsanwaltschaft Schlamperei vor / Kammer begründet Verzögerung mit Krankheit des Angeklagten

tp. Stade. Warum dauert das so lange? Diese Frage stellen sich kritische Beobachter des seit August laufenden "Zocker"-Prozesses gegen Ex-Banker Jens L.* (40) am Landgericht in Stade. Wie berichtet, hat der spielsüchtige ehemalige Angestellte der Deutschen Bank in Buxtehude einen Millionen-Betrug an Kunden des Geldinstituts in weiten Teilen gestanden. Dennoch zieht sich die Verhandlung in die Länge. Anstatt der angesetzten vier bis fünf Verhandlungstage standen sich Richter und Angeklagter inzwischen rund ein Dutzend Mal gegenüber.

Die Sprecherin des Landgerichts, Richterin Petra Baars, begründet den zähen Verlauf vor allem mit dem schlechten Gesundheitszustand des Angeklagten, der unter Herz-Kreislaufbeschwerden leidet. Sanitäter und ein Arzt, die ihn zu den Sitzungen begleiten, messen regelmäßig kritisch hohe Blutdruckwerte über 180. "Das macht es erforderlich nur rund drei Stunden je Termin zu verhandeln", so Baars. Danach werde der Prozess in der Regel vertagt.

L.s Pflichtverteidiger Frank Jansen (45) hingegen gibt der "Schlamperei" der Staatsanwaltschaft die Schuld an der Verzögerung: "Für Herrn L. wurde im Vorfeld des Prozesses nichts Entlastendes ermittelt", bemängelt er. Das Gericht habe lediglich den Bank-Filialchef und eine Kollegin als Zeugen geladen.

Erst auf Jansens Betreiben soll nun mindestens eine Handvoll Zeugen angehört werden, die Jens L.'s Version stützen, krankmachende Arbeitsbedingungen hätten ihn in die Spielsucht getrieben. Unter anderem will Jansen, dass L.s damalige Freundin angehört wird.

Um Stress durch angeblichen Leistungsdruck, genervte Vorgesetzte und temporäre Unterbesetzung in der Zweigstelle zu kompensieren, soll Jens L. Kunden um rund acht Millionen Euro erleichtert und das Geld ins Kasino getragen haben. Während die Staatsanwaltschaft von gewerbsmäßigem Betrug mit einer Höchststrafe von zehn Jahren ausgeht, strebt Verteidiger Jansen einen Freispruch aufgrund verminderter Schuldfähigkeit an.

Auch über den psychischen Zustand des "Zocker-Bankers" während der Straftaten herrscht Uneinigkeit: Abwägungen zu den sich gegenüberstehenden Gutachten des Gerichts und des Verteidigers tragen zur Prozessverzögerung bei.
"Ich habe dazu noch gut zehn Anträge vorbereitet", sagt Jansen.

Eine einvernehmliche Verständigung mit vorzeitigem Prozessende scheint ausgeschlossen: "Nicht mit diesem Gericht, das meinem Mandanten kriminelle Energie unterstellt", so Jansen.

Die Kammer hat bis April Termine angesetzt. Jansen glaubt, dass erst im Sommer ein Urteil fällt.

• Nächste Verhandlung: Mittwoch, 15. Januar, 9.30 Uhr.

*Name v. d. Red. gekürzt