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Es stank nach verschmortem Gummi in Stade

(Foto: Polizei)

Mysteriöses Reizgas reißt Mieter im Altländer Viertel aus dem Schlaf / Retter bringen 36 Menschen ins Freie

tp. Stade. Beißender Gestank, der durch das Treppenhaus in die Wohnungen drang, hat in der Nacht auf Donnerstag die Bewohner eines Mietblocks an der Grünendeicher Straße 30 im Multi-Kulti-Stadtteil Altländer Viertel in Stade aus dem Schlaf gerissen. Noch viele Stunden nach dem mysteriösen Zwischenfall, der sich gegen 3.20 Uhr ereignet hatte, stand der Geruch von verschmortem Kunststoff und Gummi in dem evakuierten Gebäude. Unterdessen rätselten die Bewohner, die zunächst im Jugendhaus des Viertels und dann in einer Schulturnhalle untergebracht waren, über die Herkunft der unheimlichen Gaswolke.
"Wir werden von niemandem informiert", klagte Chris Marvinski (23) und zog nervös an einer Zigarette. "Sollte dies ein böser Scherz gewesen sein, war das alles andere als lustig." Mit seiner Mutter Silvia Schmidhuber (47) und seiner Schwester Ann-Katrin (13) hatte Chris Marvinski die Nacht mit Nachbarn im Jugendhaus verbracht: "Langsam wird die Situation hier unerträglich", so der junge Mann. Seine Mutter Silvia Schmidhuber fragte ungeduldig: "Wann können wir in unsere Wohnung zurück?" Die Tierfreundin machte sich Sorgen um ihre drei Katze und die beiden Kaninchen, die sie in der Wohnung zurücklassen musste.
Während eine Firma mit der Reinigung und Lüftung des Gebäudes begonnen hatte, führten die Technische Ermittlungsgruppe Umwelt der Polizei Lüneburg sowie Feuerwehrleute Messungen durch und durchsuchten Gebäudeschächte sowie einige Räume, um nach der Quelle des Reizstoffes zu suchen. Bis 19.30 Uhr wurde die Ursache nicht gefunden. Die Untersuchungen wurden am Freitagmorgen fortgeführt. Hausbewohner durften am Donnerstagabend in Begleitung der Feuerwehr Wertsachen, Medikamente und Haustiere aus ihren Wohnungen holen. Wer keine Bleibe bei Freunden oder Verwandten gefunden hatte, verbrachte die Nacht auf Feldbetten in der benachbarten Montessori-Schulturnhalle.
• Nach dem nächtlichen Austritt der unsichtbaren Gases, das Augen- und Atemwegsreizungen hervorrief, wurden mehr als 80 Helfer von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst mit 17 Rettungswagen alarmiert. Die Retter brachten insgesamt sieben Kinder und 29 Erwachsene im Alter von einem bis 70 Jahren ins Freie. Einige Mieter wurden über Leitern aus ihren Wohnungen geholt. Zum Schutz der Augen und Atemwege trugen die Hausbewohner sogenannte "Fluchthauben". Die leicht verletzten Patienten wurden zur ambulanten Untersuchung in eine Augenarztpraxis gebracht. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.