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Gerichtsverhandlung geht im Hinterzimmer weiter

Die möglichen Täter vor Gericht.
Vor dem Landgericht Stade beginnt der Prozess gegen chilenische Einbrecherbande

at. Stade. Schwerer Bandendiebstahl, versuchter und vollendeter Einbruch in mehr als 100 Fällen, Autodiebstahl: Das wirft die Staatsanwaltschaft Stade vier Männern aus Chile vor. Ihr Prozess begann am Mittwoch. Die Verlesung der 17-Seitigen Anklageschrift dauerte 35 Minuten. Doch dann war Schluss.
Die Richter konnten den Fall noch nicht ganz "durchdringen". Die kurzfristige Zusammensetzung des Gerichts sei Schuld, sagte die Vorsitzende Richterin. Man solle also keine endgültige Aussagen erwarten.
Darüber hinaus habe es noch keine Verständigungsgespräche zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigern und Richtern gegeben. Rechtsanwältin Katrin Bartels zeigte auf die WOCHENBLATT-Redakteurin im Zuschauerraum. Sie wolle nichts in der Öffentlichkeit besprechen, auch wenn es "die neuen Sitten" so vorsehen. Damit spielte sie womöglich auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs an, wonach keine Absprachen, sogenannte "Deals", sich mehr im Hintergrund abspielen sollen. Die Rechtsanwältin bat um die Rückkehr "zu alten Sitten". Das Gericht trifft sich nun zu Verständigungsgesprächen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Ergebnis muss laut BGH-Urteil in einem der nächsten Verhandlungstermine verlesen werden.
Petra Baars, Pressesprecherin des Landgerichts, war über den Antrag der Anwältin sehr verwundert: "Wir wollen Transparenz zeigen." Bei der Öffentlichkeit entstehe so das Bild, dass das Strafmaß einfach im Hinterzimmer festgelegt wird. "Das wollen wir eigentlich nicht." Die Kosten für das protokollieren der nichtöffentlichen Sitzung sind wesentlich höher.
Den angeklagten Männern wird unter anderem vorgeworfen in Häuser in Buchholz, Elstorf, Tostedt und in den Landkreisen Rotenburg und Stade eingebrochen zu sein. Das Diebesgut - Uhren, Kleidung, Schmuck, elektronische Geräte - verkauften sie und schickten das Geld unter anderem an ihre Familien nach Chile, so die Staatsanwaltschaft. Die vier Männer sitzen zurzeit in den JVAs Oldenburg und Bremervörde.