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"Habe nichts von alledem geahnt"

Das Stader Landgericht

Serie sexuellen Missbrauchs an einem Mädchen: Ex-Lebensgefährtin des Haupttäters vor Gericht

tp. Stade/Buxtehude. "Ich hätte ihn sofort vor die Tür gesetzt, wenn ich nur etwas davon geahnt hätte", sagte die Angeklagte A. K.* (40), die sich jetzt vor dem Landgericht in Stade wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch an einem Kind verantworten muss. Laut Anklage, die der Staatsanwalt beim Prozessauftakt am Mittwoch vor der Zweiten Großen Strafkammer verlas, soll sie in den Jahren 2008 und 2009 in 40 Fällen entweder tatenlos dabei zugesehen haben, wie ihr ehemaliger Lebensgefährte sich in ihrer Wohnung in Buxtehude an der damals zehnjährigen C. W.* verging, in mehreren Fällen soll sie sich selbst an den sexuellen Handlungen beteiligt haben.

Der Haupttäter wurde längst verurteilt und sitzt eine mehrjährige Freiheitsstrafe ab, wegen diverser größerer Prozesse am Landgericht, wurde erst jetzt die Verhandlung gegen A. K. aufgenommen. Sie hatte die inzwischen 15-jährige C. W., Tochter einer Freundin, zeitweise in Obhut genommen. Nach eigenen Angaben, um die nach einer Scheidung und mit der Betreuung eines jüngeren Geschwisterkindes mit Behinderung überlasteten und überdies alkoholkranken Freundin zu unterstützen.
Nach eigenen Schilderungen übernahm A. K. zeitweise die Mutterrolle für das Mädchen, kochte Essen, wusch die Kleidung, half bei den Hausaufgaben und erledigte Behördengänge.

Im krassen Kontrast zu den allem Anschein nach fürsorglichen Verhältnissen stehen die Vorwürfe gegen die Angeklagte: Unter anderem soll sie mit ihrem damaligen Lebenspartner vor dem Augen ihrer minderjährigen Schutzbefohlenen Oral-Verkehr gehabt haben, sich eine Kerze in die Vagina eingeführt, das Mädchen möglicherweise zu solchen Sexualpraktiken angeleitet und ihm Reizwäsche und Schminke besorgt haben. Außerdem stellte die Polizei Nacktfotos von dem Kind sicher. Von den Aufnahmen will A. K. "nichts geahnt" und "nichts gewusst" haben und kommentierte entsprechende Nachfragen des Richters immer wieder mit Achselzucken und Kopfschütteln.

Den Vorschlag des Richters, in dem voraussichtlich langwierigen Prozess eine Verständigung zu erzielen, die wohl auf eine Bewährungsstrafe hinausliefe, lehnte der Staatsanwalt ab. Angesichts der Schwere einiger der im Raum stehenden Einzeltaten hält er eine Freiheitsstrafe für angemessen.
A. K.s. Rechtsanwältin hingegen zielt auf einen Freispruch ab. Sie hat ihrer Mandantin geraten, sich zu den Vorwürfen, die sie allesamt vehement von sich weist, umfänglich einlassen.

• Der Prozess wird am Dienstag, 3. Februar, um 9.15 Uhr, fortgesetzt. Es kommen eine Zeugin und eine Sachverständige zu Wort.

*Namen von der Red. gekürzt